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Basketball-WM Der amerikanischen Artistengemeinschaft unterlegen

30.08.2006 ·  Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat das Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Japan verloren. Nach einer imponierenden Vorstellung zu Beginn der Partie unterlag das Team von Trainer Bauermann der amerikanischen Auswahl deutlich 65:85.

Von Anno Hecker, Saitama
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Nach solchen Spielen wird gefragt, woran es gefehlt hat: Sicher an der Kraft. Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft unterlag am Mittwoch im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 65:85 gegen die amerikanische Artistengemeinschaft aus der NBA.

Allesamt wirken diese Profis wie Schwerathleten, wenn sie nach dem Training aus der Halle schlurfen. Am nächsten Tag aber fliegen dann selbst die 100-Kilo-Männer leichtfüßig durch die Zone zum Korb. Und grabschen sich so ziemlich alles, was da rumfliegt. Zum Beispiel die Bälle nach Fehlwürfen, sogenannte Rebounds, wenn der Kollege mal nicht so zielsicher ist. 22 Mal waren die Profis aus der NBA in dieser Kategorie zur Stelle, 22 Mal erarbeiteten sie sich einen zweiten Versuch, die Deutschen nur sechs Mal.

Überflug-Ensemble mit Rebound-Stärke

Das war der vielleicht markanteste und damit erstaunlichste Unterschied des letzten Viertelfinales in Saitama: Die Amerikaner, bislang mit im Schnitt 105 mehr oder weniger spektakulär erzielten Punkten pro Spiel eine Art Überflug-Ensemble, mußten sich den Einzug ins Halbfinale hart erarbeiten. „Deutschland war herausragend heute abend“, sagte der Verteidigungsspezialist Shane Battier, „das war ein hartes Spiel. Sie haben uns eine Halbzeit lang kontrolliert, obwohl wir Nowitzki weitgehend heraushalten konnten.“

Dirk Nowitzki herausgehalten? Immerhin erzielte der Star der Dallas Mavericks 15 Punkte. So viel wie sein Flügelmann Ademola Okulaja, der effektivste Spieler des Abends. Aber ausgerechnet gegen seine Kollegen aus der NBA fehlte dem Würzburger laut Aufbauspieler Steffen Hamann „eine wirkungsvolle Waffe“: der gewohnt sichere Distanzwurf. „Ich bin heute nicht in den Rhythmus gekommen“, sagte Nowitzki zu seiner schwachen Trefferquote (25 Prozent). Zwanzig Minuten lang glichen Okulaja, Demond Greene (9), Steffen Hamann (8) und Sven Schultze (7) die Schwäche der zentralen deutschen Figur aus. Frei nach dem Motto: Einer für alle, alle auch mal für einen.

Die Millionäre spielen für die Ehre

Während die Amerikaner mit einem recht einfallslosen Spiel gegen die deutsche Ball-Raum-Verteidigung (Zone) Schuß um Schuß verwarfen (insgesamt dreißig Fehlwürfe von der Dreipunktelinie), trafen die Spieler von Bundestrainer Dirk Bauermann der Reihe nach. Die Taktik ging auf. Deutschland ließ sich nicht auf Duelle eins gegen eins oder zwei gegen zwei ein. Gegen die konzentrierte deutsche Zonenverteidigung fiel den Erfindern des Basketballs trotz aller Spezialisten neben dem Headcoach Mike Krzyzewski und trotz der akribischen Vorbereitung bis zur Halbzeit (40:39) auffällig wenig ein.

Hand aufs Herz. So standen Lebron James und Konsorten aufgereiht mit dem Gesicht zur Fahne, als die amerikanische Nationalhymne erklang. Das soll nicht nur ein Bekenntnis zur Heimat, sondern auch ein Symbol für den neuen amerikanischen Spielgeist in der Nationalmannschaft sein. Und so ließen sich die Millionäre, die übrigens keinen einzigen Cent für ihr Engagement in Japan erhalten, von Coach Krzyzewski ins dritte Viertel hineinpeitschen.

Kleinere Ringkämpfe gegen Nowitzki

Mit einer Manndeckung über das ganze Spiel packten sie die Deutschen an ihrer verwundbaren Stelle. „Da sind wir ein bißchen hektisch geworden“, bedauerte Okulaja. Mit der Kontrolle ging das Spiel in wenigen Minuten verloren. Ein Lauf der Amerikaner (20:6) entschied das Match bis zur 29. Minute (60:48): „Danach haben sie es locker runtergespielt“, sagte Nowitzki, „ich konnte der Mannschaft heute nicht zum Sieg verhelfen.“

Nowitzkis Wurfschwäche mag auch an der harten Verteidigung gelegen haben. Kleinere Ringkämpfe belegten, wie sehr Krzyzewski seinen Spielern ans Herz gelegt hatte, nur Nowitzki nicht ins Spiel kommen zu lassen. Während der Deutsche als Stütze der Deutschen wieder mehr als dreißig Minuten ran mußte, durften sich die ausgewählten Verteidigungskünstler immer wieder ausruhen: Ob Shane Battier (14 Minuten Spielzeit), Chris Bosh (gut 13), Dwight Howard (10) oder auch Lebron James (25/13 Punkte).

Das Turnier zu einem guten Ende bringen

Carmello Anthony (19) lag schließlich in der Scorerwertung vorne, während sich Dwyane Wade, der Held der NBA-Finalsiege über Nowitzki und Dallas, mit einem Treffer bei elf Versuchen nicht gerade als Experte empfahl. „Ich war ein bißchen müde heute“, sagte er hinterher.

Nowitzki könnte auch so argumentieren. Inzwischen hat er seit dem vergangenen September 118 Spiele absolviert. Aber statt an eine Pause dachte er schon an die Plazierungsrunde: „Jetzt geht es erstmal gegen Frankreich. Wir haben genug Stolz, das Turnier zu einem guten Ende zu bringen.“ Und hoffentlich auch genügend Erholungszeit. Zu seinem 119. Spiel wird Nowitzki an diesem Donnerstag Abend geladen.

Ergebnisse Viertelfinale
Spanien - Litauen 89:67 (47:30)
Argentinien - Türkei 83:58 (43:23)
Griechenland - Frankreich 73:56 (34:24)
USA - Deutschland 85:65 (40:39)

Halbfinale (Freitag, 01.09.2006)
Argentinien - Spanien (09.30)
Griechenland - USA (12.30)

Runde um Plätze 5-8 (Donnerstag, 31.08.2006)
Türkei - Litauen (09.30)
Frankreich - Deutschland (12.30)

Quelle: F.A.Z. vom 31. August 2006
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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