31.08.2006 · Auch ein überragender Dirk Nowitzki hat die bittere 73:75-Niederlage der deutschen Basketballer gegen Frankreich nicht verhindern können. Drei Fehlpässe in den letzten zwanzig Sekunden ließen den Endspiel-Traum zerplatzen.
Trotz einer Gala-Vorstellung von Dirk Nowitzki haben Deutschlands Basketballer binnen 24 Stunden nicht nur ihren Medaillentraum verspielt, sondern auch die Chance, bei der 15. Weltmeisterschaft in Japan noch den fünften Platz belegen zu können. Einen Tag nach dem 65:85-Viertelfinal-Aus gegen die Vereinigten Staaten verlor die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) am Donnerstag in der Plazierungsrunde in den letzten Sekunden mit 73:75 gegen Frankreich und spielt am Sonntag gegen Litauen nur um Platz sieben. Die Balten verloren nach Verlängerung mit 84:95 gegen die Türkei.
„Diese zwei Niederlagen sind sehr bitter und Enttäuschung pur“, sagte der zutiefst geknickte Nowitzki, der mit 29 Punkten der überragende Spieler der in der Schlußphase dramatischen Partie war. Zwölf davon erzielte der 28 Jahre alte Würzburger in Diensten der Dallas Mavericks im dritten Viertel und sorgte dafür, daß der 31:38- Pausenrückstand in eine 57:53-Führung umgewandelt wurde. In der letzten Minute der ersten Halbzeit schien die Begegnung zwischen dem Vize-Europameister Deutschland und dem EM-Dritten bei einem 14-Punkte-Rückstand von 22:36 schon zu Gunsten der mit vier NBA-Profis angetretenen Franzosen entschieden zu sein.
„Ich bin stolz auf meine Mannschaft“
„In der zweiten Halbzeit haben wir uns das Herz rausgespielt und das Spiel unter Kontrolle - und dann schmeißen wir zwei Mal den Ball weg. Das ist schon bitter und dumm gelaufen“, ärgerte sich Nowitzki über zwei kapitale und zur unglücklichen Niederlage führende Ballverluste in den letzten 18 Sekunden. Erst brachte Ademola Okulaja einen Einwurf von Robert Garrett nicht unter Kontrolle, dann paßte sechs Sekunden vor Spielende Demond Greene den Ball in des Gegners Hände. Mit diesen mißratenen Aktionen brockte sich das Team von Trainer Dirk Bauermann die 15. Niederlage im 20. Länderspiel gegen die Franzosen selbst ein. Zweistellig neben Nowitzki trafen noch Spielmacher Steffen Hamann (zwölf) und Robert Garrett (zehn). Frankreichs bester Werfer war Joseph Gomis (17), der mit einem „Dreier“ aus acht Metern für die Entscheidung sorgte.
Der wie sein Team tief enttäuschte 48 Jahre alte Bauermann trug die Niederlage mit Fassung und nahm die Pechvögel in Schutz. „Das Dümmste wäre, irgendeinem einen Vorwurf zu machen. Wenn du den Sieg so knapp vor Augen hast, dann passieren in der Hast solche Dinge. Ich bin riesig stolz auf meine Mannschaft, die sich bravourös ins Spiel zurückgekämpft hat. Ich bin mit der WM-Leistung insgesamt hoch zufrieden, unabhängig wie das letzte Spiel gegen Litauen noch ausgeht“, sagte Bauermann.
„Ein rabenschwarzer Tag“
Greene stellte sich nach seinem Fauxpas tapfer den Medien und meinte: „Das war für mich ein rabenschwarzer Tag in doppelter Hinsicht. Vorne habe ich nicht getroffen und dann dieser doofe Ballverlust, der sehr wehgetan hat. Ich weiß, daß ich Scheiße gebaut habe und brauche noch Stunden, bis ich das verkraftet habe“, sagte der Berliner, der auch von Nowitzki in Schutz genommen wurde: „Wir wissen alle, daß wir nicht wegen diesem einen Paß verloren haben.“ Der NBA-Star nahm 0,9 Sekunden vor Schluß noch einen Verzweiflungswurf, stand dabei jedoch im Aus.
Nach zwei Niederlagen in Serie wollen sich die deutschen Korbjäger, die bei der letzten WM 2002 in Indianapolis noch Bronze holten, mit einem Erfolgserlebnis von der WM verabschieden. „Mit einem Sieg nach Hause zu fliegen, ist gut für die Psyche“, meinte Sven Schultze, der auch zu einem Lichtblick der WM avancierte.