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Basketball-WM Bauermanns Jugendgruppe will ihre Chance nutzen

28.08.2010 ·  Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft muss bei der WM in der Türkei auf Dirk Nowitzki verzichten - doch anderen Teams geht es ähnlich. Die Weltstars sagten ab und bieten hoffnungsvollen Talenten die große Bühne.

Von Anno Hecker
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Jetzt fehlt auch noch Nenad Kristic. Kristic? Das ist der serbische Basketballspieler, der vor gut einer Woche getroffen hat. Eigentlich ist das ja sein Job. Weil das Wurfgeschoss während des Testspiels gegen Griechenland aber kein Ball, sondern ein Stuhl und das Ziel kein Korb, sondern der Kopf eines griechischen Gegners war, beginnt die Basketball-Weltmeisterschaft in der Türkei an diesem Samstag ohne ihn. Der Hüne ergänzt wegen der Sperre von drei Spielen neben anderen Schlägern die große Gruppe der abwesenden NBA-Stars. Die Liste reicht vom Supermann des Basketballs, Kobe Bryant, und dem halben Team des Olympiasiegers aus den Vereinigten Staaten über die Galionsfigur von Weltmeister Spanien Pau Gasol, Frankreichs Star Tony Parker und den Russen Andrej Kirilenko bis Dirk Nowitzki. Was also steckt noch drin in diesen Welt-Titelkämpfen? Der Basketball-Weltverband reagiert auf die Frage nach der Qualität mit einer Flucht nach vorne: „Wir werden die Geburt neuer Stars erleben.“

Die WM als zweiwöchiger Verdrängungswettbewerb für die abwesenden Arrivierten? Das könnte ein Antrieb für die jungen deutschen Spieler sein. Nach einem überzeugenden Auftritt ohne Nowitzki bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Polen sind sie in der Türkei ganz auf sich allein gestellt. Denn neben Nowitzki und seinem NBA-Kollegen Chris Kaman stehen diesmal selbst die Schlachtrösser Sven Schultze und Patrick Femerling nicht zur Verfügung. Erfahrung im internationalen Geschäft bieten nur der zur Zeit indisponierte Flügelmann Demond Greene (31 Jahre), Aufbauspieler Steffen Hamann (29) und der gleichaltrige Center Jan Jagla. Der Kern des Teams aber ist nicht älter als 22. „Die Jungs sind zwar unerfahren“, sagt der Coach Dirk Bauermann, „aber sie haben Potential und spielen mit viel Herz.“

Nowitzki in Rattelsdorf beim privaten Feintuning seines Hakenwurfs, die per „Wildcard“ zur WM eingeladenen Mannschaftskollegen an diesem Samstag in Kayseri gegen Argentinien (20.15 Uhr/Sport1), den Olympiasieger von Athen 2004: Die Programme im deutschen Spitzenbasketball könnten nicht unterschiedlicher sein. Aber sie sollen sich bald perfekt ergänzen. Am besten in einem Jahr bei der Europameisterschaft in Litauen, wenn es um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London geht. Dann soll und will die Zentralgestalt des deutschen Basketballs mit einer gereiften Auswahl attackieren. Insofern steckt in der Abwesenheit des Würzburgers eine zweite Entwicklungchance. Niemand aus Bauermanns Jugendgruppe kann sich hinter der dominanten Erscheinung des 2,13 Meter langen Nowitzki verstecken. Jeder muss beweisen, ob er der Herausforderung gewachsen ist. „Die WM wird uns eine Antwort auf die Frage geben, wo wir stehen“, sagt Bauermann.

„Dieses Team hat eine sensationelle Entwicklung hinter sich.“

Eines steht schon fest. Es gibt keine Zögerer in dieser deutschen Nationalmannschaft. Niemanden, der aus Angst vor einem Fehler lieber den Ball weiter gibt. „Dieses Team hat eine sensationelle Entwicklung hinter sich“, sagte Bauermann nach dem beeindruckenden abschließenden Vorbereitungsspiel gegen Puerto Rico (97:74) am vergangenen Sonntag in Bonn. Was man dort sah? Eine unberechenbare Mischung: Die lange Garde mit Tim Ohlbrecht, Tibor Pleiß und Robin Benzing, zusammen 64 Jahre alt, trifft von nah und fern.

Das Aufbautrio wird zwar gemeinhin als Schwachpunkt der Deutschen betrachtet. Aber Steffen Hamanns Tempo, die Nervenstärke des Kunstschützen Heiko Schaffartzik und Per Günthers Spielwitz erlauben es Bauermann, schnell und häufig zu variieren. Das ist die Voraussetzung für die Strategie der Deutschen: „Wenn es uns gelingt, 40 Minuten Druck zu machen, dann sind wir auch gegen die starken Gegner nicht chancenlos“, sagt Bauermann.

Breite Brust beim deutschen Team

Nur die ersten Vier der vier Sechsergruppen rücken vor in die K.o.-Runde. Bauermann hielte den Einzug ins Achtelfinale bereits für einen Erfolg. Vorausgesetzt, seiner Auswahl gelinge dabei der nächste „Entwicklungsschritt“. Spielraum bleibt allemal, wie man es Bauermanns wechselndem Mienenspiel selbst beim Sieg über Puerto Rico ansehen konnte. „Wir lassen den Ball ganz gut laufen, wir spielen weniger ich-orientiert, die Defensive ist ordentlich“, sagt er. „Ganz gut“, „weniger“, „ordentlich“: Bauermann erwartet mehr. In Gedanken scheinen seine Spieler den nächsten Schritt aber schon gemacht zu haben. „Wir wollen unter die ersten Acht kommen“, sagt Ohlbrecht.

Diese Ansage spricht für eine breite Brust, wo keine ist. Noch keine. Zumindest fallen einige der jungen Deutschen nicht gerade mit einem Jung-Siegfried-Brustkorb auf. Gegen Argentinien, Australien, Angola und auch Jordanien werden sie aber auf Boliden in der Zone treffen, die es vermutlich krachen lassen. Trotzdem muss so eine geballte Aggressivität kein Vorteil sein. Die Härte der Serben gegen die Griechen kommt den Deutschen diesmal entgegen. Neben dem Stuhlwerfer Krstic muss auch der für zwei Spiele gesperrte Gelegenheitsboxer Teodosic am Sonntag (17.45 Uhr/Sport1) zuschauen.

Das deutsche Team: Robin Benzing, Demond Greene, Per Günther, Elias Harris, Steffen Hamann, Jan-Henrik Jagla, Christopher McNaugthon, Tim Ohlbrecht, Tibor Pleiß, Heiko Schaffartzik, Philip Schwethelm, Lucca Staiger.

Spielplan, Vorrunde, Gruppe A
28. August, 20.30 Uhr: Deutschland - Argentinien
29. August, 18.00 Uhr: Serbien - Deutschland
30. August, 18.00 Uhr: Australien - Deutschland
1. September, 18.00 Uhr: Deutschland - Angola
2. September, 20.30 Uhr: Jordanien - Deutschland

Die ersten vier Mannschaften erreichen das Achtelfinale

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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