14.04.2011 · Der Erfolgstrainer des Erstligaaufsteigers Bayern München spaltet die Basketball-Szene. Denn Bauermann ist auch noch Bundestrainer und will den Posten nicht aufgeben. Dabei ist eine Doppelfunktion per Ligastatut untersagt.
Von Leonhard KazdaEs ist eine Gratwanderung, die der deutsche Basketball gerade unternimmt. Auf dem Weg zur wegen der Olympiaqualifikation so bedeutsamen Europameisterschaft tun sich Hindernisse auf. Nicht etwa nur sportliche - mit denen hat das Team um Bundestrainer Dirk Bauermann schon länger gerechnet. Wie schwer es wird, sich für die Sommerspiele in London 2012 zu qualifizieren, hat unter anderem auch der enttäuschende 17. Platz gezeigt, den die deutschen Korbjäger bei der WM in der Türkei belegten. Ein anderes Hindernis ist struktureller Art. Es hat etwas mit dem Erfolg des Bundestrainers als Vereinstrainer zu tun. Bauermann ist gerade mit der Pro-A-Zweitligamannschaft des FC Bayern München in die Basketball-Bundesliga (BBL) aufgestiegen. Und die Liga will nun auf keinen Fall einen Trainer in ihren Reihen wissen, der eine Doppelfunktion ausübt.
Zur Zeit bereitet sich Bauermann gemeinsam mit dem Münchner Klub auf die erstklassige Zukunft vor. Die Hallenfrage und das Budget des Aufsteigers sind Dinge, die Bauermann, Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Vizepräsident Bernd Rauch stark beschäftigen. Am 23. April steigt die große Meisterschaftsfeier im auf 3750 Zuschauer erweiterten Olympia-Eissportzentrum von München. Danach, wenn die wichtigen Fragen geklärt sind, will sich Bauermann seinem Job als Bundestrainer widmen, um das Nationalteam bei der für die Olympiaqualifikation so wichtigen Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September) zu betreuen. Aber was passiert dann?
Bauermann sieht keine Überschneidung - die Liga schon
Wenn es nach Bauermann und dem Deutschen Basketball Bund (DBB) geht, wird der Bundestrainer wieder mit den Bayern auf die Jagd nach Bundesligapunkten gehen und seinen Job als Headcoach des Nationalteams ruhen lassen - um ihn später wiederaufzunehmen. „Alles ist zeitlich voneinander getrennt“, sagte Bauermann der Münchner Zeitung „tz“. „Die Vereinssaison dauert von Anfang Oktober bis zu den Play-offs im Juni. Die Vorbereitung des Nationalteams beginnt Ende Juli, und die großen Wettbewerbe sind im September vorbei.“ Eine Überschneidung gebe es also nicht.
Das sieht die BBL etwas anders. Als Bauermann im Januar 2008 nach viereinhalb Jahren Doppelbelastung als Bundes- und Vereinstrainer bei den Baskets Bamberg aufhörte, um sich ganz auf den Posten beim DBB zu konzentrieren, schrieb die Liga eine Doppelfunktion als Ausschlusskriterium in ihren Statuten fest. „Es gibt keinen Grund, von der vor drei Jahren getroffenen Regel abzuweichen“, sagte Thomas Braumann, der Präsident der BBL, kürzlich während des Basketball-Top-Four-Turniers in Bamberg. Von verhärteten Fronten kann man dabei nicht einmal reden. Denn daran, dass Erstliga-Aufsteiger Bauermann im späten Sommer mit der Nationalmannschaft nach Litauen reisen wird, hat die Liga nichts auszusetzen. Nur daran, dass er danach beständig zwischen den Posten als Bundes- und Vereinstrainer zu wechseln gedenkt. Dies hat jüngst Ingo Weiss, der Präsident des DBB, als Weg angedeutet: „Es gibt gar kein Problem Bauermann“, sagte Weiss der Deutschen Presseagentur. „Dirk wird bei der EM in Litauen auf der Bank sitzen, danach kann er ohne Probleme wieder für die Bayern tätig sein.“ Doch Letzterem würde die Liga nur dann zustimmen, wenn Bauermann nach der Saison nicht wieder ins Amt des Bundestrainers wechseln würde. „Wir sind nicht Teil des Problems, denn wir haben eine klare Regelung seit 2008“, hatte Braumann schon vor der Äußerung von Weiss festgestellt. Und von Liga-Geschäftsführer Jan Pommer war danach nur lapidar zu hören: „An unserer Haltung hat sich nichts verändert.“ Man habe alles juristisch überprüft. Und schließlich sei das alles ja auch „eine Frage der Sporthygiene“.
Würde NBA-Profi Nowitzki auch unter einem anderen Bundestrainer spielen?
So schlängeln sich derzeit alle beteiligten Parteien mit nachvollziehbaren Argumenten über den kurvenreichen Weg. Die Liga will Trainer, die ganz und gar ihrem jeweiligen Klub zu Verfügung stehen, ohne sich durch zu hohe Belastungen oder bei Interessenkollisionen aufzureiben. Der DBB würde gerne an Bauermann festhalten, der schon häufig seine hohe Eignung für diesen Posten bewiesen hat und über ausgezeichnete Kontakte zu den beiden deutschen NBA-Profis Dirk Nowitzki und Chris Kaman verfügt. Dass beide in Litauen im Nationaltrikot spielen werden, ist alles andere als ausgeschlossen - dass sie es unter einem anderen Bundestrainer als Bauermann tun würden, erscheint zumindest fraglich. Am Ende könnte deshalb der Schwarze Peter sogar bei der Liga liegen, sollte Bauermann wegen des Statuts von 2008 sich ganz auf seinen Job als Vereinstrainer konzentrieren. Indessen spekuliert die BBL damit, dass sich das Problem erst gar nicht ergibt. Nämlich dann, wenn Deutschland die Olympiaqualifikation verpassen würde. „Damit es überhaupt weitergeht, müsste das Nationalteam in Litauen mindestens Fünfter werden“, sagte Braumann in Bamberg - und schwieg beredt.
Bauermann hängt an beiden Jobs. Dass er alles dafür tun würde, um auf beiden Posten erfolgreich zu sein, daran besteht kein Zweifel. So signalisiert er selbst jetzt beim Balanceakt auf dem schmalen Grat Flexibilität: „Ich kann mit jeder Lösung leben, die diesen beiden großen Aufgaben gerecht wird.“