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Basketball Nowitzki im Kindergarten

Der NBA-Meister entzieht sich der Starrolle und stellt sich lieber der kniffeligen Aufgabe, die deutsche Basketball-Nationalmannschaft zu Olympia nach London zu führen. Der Supercup zeigt: Es bleibt viel zu tun.

© dpa Vergrößern Nachdenklich: Trainer Bauermann und Nowitzki (2.v.l.) haben noch viel Arbeit vor sich

Die erste Szene von Dirk Nowitzki bei seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft war nicht eindrucksvoll, im Gegenteil. Drei Jahre ist es her, dass er bei den Olympischen Spielen von Peking für Deutschland am Ball war, in der Zwischenzeit hat er den wichtigsten Titel im Basketball gewonnen, die Meisterschaft in der NBA mit den Dallas Mavericks. Die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Finalserie bekam er obendrein. 6600 Besucher des Super-Cups in der Stechert-Arena von Bamberg, unter ihnen die Familie Nowitzki aus Würzburg, schienen wie die 55.000, die Karten für die weiteren fünf Länderspiele in Deutschland gekauft haben, alle nur ihn sehen zu wollen: Dirk, den Großen. Sie kamen in T-Shirts mit seinem Gesicht, seinem Namen, seiner Rückennummer in der NBA, der 41, und sie trugen Mützen, auf die „Dallas Mavericks“, „Champions“ oder „Nowitzki“ gestickt war. Sie bejubelten ihn, als er sich einwarf, und sie hielten die Luft an, als Axel Hervelle, der fast einen Kopf kleiner ist, Nowitzki den Ball abjagte, übers Feld lief und mühelos einen Korb erzielte.

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Das hätte etwas von Majestätsbeleidigung haben können, wie der Belgier mit den breiten Schultern ständig eine Hand an Nowitzki und manchmal auch in dessen Gesicht hatte. Doch Nowitzki arbeitete klaglos, bis er einen Korb und einen Freiwurf zur ersten Führung beisteuern konnte und, am Ende eines turbulenten Abends, mit 71:65 der Sieg in seinem ersten Länderspiel seit 2008 feststand – gegen Belgien. Als er nach sechs Minuten Trainer Dirk Bauermann um Auswechslung bat, geschah das nicht, um einen Kratzer auf der Oberlippe behandeln zu lassen. Ihm sei die Luft ausgegangen, verriet Nowitzki. „Drei Wochen Einzeltraining sind doch etwas anderes als die Intensität eines Spiels“, sagte er. „Zum Glück haben wir noch ein paar Spiele, bevor die Europameisterschaft beginnt.“

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Nach ausgedehnten Feierlichkeiten und nicht einmal neun Tagen Urlaub in der Karibik hat sich Nowitzki wieder dem Ernst des Basketballs zugewandt. Er besteht darin, bei der Europameisterschaft im September in Litauen Platz sechs zu erreichen – und diese Aufgabe hat es in sich, wie sich gleich am Samstag wieder zeigte. Die Deutschen verloren die Supercup-Partie in Bamberg gegen Griechenland 56:69 und offenbarten große Abstimmungsprobleme. Dabei schaffte Nowitzki mit elf Punkten nur eine Trefferquote von 28,6 Prozent – nur vier der 14 Würfe waren zielführend. „Das wird für uns noch ein langer Weg“, sagte er nach dem Spiel.

BUm ihn zu sehen: Während er die Mannschaft zu Olympia führen will, bejubeln die Fans vor allem Nowitzki © dpa Vergrößern Um ihn zu sehen: Während er die Mannschaft zu Olympia führen will, bejubeln die Fans vor allem Nowitzki

Noch keine Harmonie

Nowitzki ahnte schon etwas, als er mit dem eingedeutschten Center der Los Angeles Clipper, Chris Kaman, zur Nationalmannschaft stieß. „Das wird eine lustige Herausforderung werden, diesen Kids zu helfen, zu den Olympischen Spielen zu kommen“, sagte er vor einigen Tagen. Ganz so lustig waren nun die ersten gemeinsamen Erfahrungen nicht. Auch Kaman kam gege Griechenland nur auf 15 Punkte und traf nur jeden zweiten Wurf. Schon zuvor gegen Belgien fiel auf, dass die beiden je 2,13 Meter langen Profis aus Amerika sich noch einfinden müssen, aber zugleich für die Hälfte der Punkte zuständig waren. „Es gibt keinen Athleten vergleichbarer Qualität, der sich das antun würde“, lobte Bauermann seinen Besten. Was gegen Belgien und auch Griechenland fehlte, war der Beitrag der Mannschaft, eine Zwei-Mann-Show zu verhindern. „Wir haben einige Junge, die das Spiel noch lernen“, kritisierte Kaman zuletzt. „Aber wir haben auch ein paar Gute.“

Warum sich Nowitzki das antut? Weil er es vor Jahr und Tag versprochen hat. Einer wie er hält sein Wort. Selbstverständlich zeigte er ein paar Schüsse, wie man sie schöner nicht hinkriegen kann: aus der Drehung, im Sprung, Bälle, die sich aus seiner typisch hohen Flugkurve ins Netz senken, ohne den Metallring des Korbs zu berühren. Doch die Szene, die Nowitzki am besten charakterisiert, hatte er am Mittag im Hotel. Da schlenderte er mit einigen Nationalspielern vom Mittagessen zum Fahrstuhl. Als die Tür sich öffnet, stiegen die ersten ein. Da schob sich Nowitzkis Hand aus der Gruppe und hielt die Schiebetür offen. Er, der Älteste und Berühmteste des Teams, ließ einer jungen Frau mit Kinderwagen den Vortritt. Nach ihr erst betrat er die Kabine, und er musste sich bücken, um hineinzupassen.

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