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Basketball Noch nicht abgebrüht genug

15.08.2010 ·  Das junge deutsche Basketballteam zahlt beim Supercup Lehrgeld. Umso wichtiger ist nun Spielmacher Hamann, der vermutlich nach München wechselt - zu seinem Nationaltrainer Bauermann.

Von Leonhard Kazda, Bamberg
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Steffen Hamann ist alt geworden. Im Juni hat der Spielmacher der deutschen Basketball-Nationalmannschaft seinen 29. Geburtstag gefeiert. „Das muss man sich einmal vorstellen, wenn man mit 29 der zweitälteste Spieler im Team ist“, sagt Bundestrainer Dirk Bauermann über seinen Aufbauspieler, dem er sehr früh das Vertrauen aussprach und ihn als „gesetzten“ Spieler für die am 28. August beginnende Weltmeisterschaft in der Türkei präsentierte. Fast genau zwei Jahre älter als Hamann ist Demond Greene, der „Fels in der Mannschaft“, wie Bauermann über den bulligen Aufbauspieler sagt. „Demond ist durch nichts zu erschüttern.“ Auf 29 Jahre bringt es auch noch Jan-Hendrik Jagla, und Konrad Wysocki ist 28 Jahre alt. Der Rest der Mannschaft von Bundestrainer Bauermann ist jung, ehrgeizig und noch nicht ganz so abgezockt, wie es sich der Bundestrainer wünschen würde.

So kassierten die Deutschen beim Supercup in Bamberg, der am Sonntagabend mit dem Sieg Litauens endete, am Freitag und Samstag bittere Niederlagen gegen Kroatien (67:79) und gegen Litauen (67:78). In der Woche zuvor hatten die Deutschen bei einem Turnier auf Zypern überraschend das Team aus Russland 76:73 geschlagen. „Ich dachte nach diesem Sieg, dass uns ein großer Schritt nach vorne gelungen ist“, sagte Bauermann in Bamberg und fügte hinzu: „Aber den haben wir nicht gemacht.“

Ohne die NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman fehlt es den deutschen Korbjägern an Erfahrung auf hohem Niveau. Bauermann wird nicht müde, dies immer wieder zu unterstreichen: „Um im so einem internationalen Vergleich zu bestehen, braucht man in seiner Vereinsmannschaft Einsätze in der Europa-Liga.“ Auf 90 solcher Einsätze kommen die jungen Deutschen. „Und die Hälfte davon bringt Steffen Hamann mit“, sagt Bauermann. Mannschaften wie Griechenland, gegen die die Deutschen auf Zypern schmerzhaft deutlich 64:87 unterlagen, bringen es auf rund 1000 solcher internationalen Spiele.

Berliner Demütigung für Hamann

Umso wichtiger ist der Spieler im deutschen Team, dem Bauermann schon jetzt das Vertrauen aussprach: Steffen Hamann. Es kann gut sein, dass der Bundestrainer seinen Spielmacher mit seiner frühen Entscheidung entlasten will. Denn Hamann kam jüngst mit psychischen Ballast aus Berlin zum Nationalteam. Alba hatte dem Spielmacher überraschend den eigentlich bis 2011 laufenden Vertrag gekündigt. Von nicht erfüllten Erwartungen und einer nicht wahrgenommenen Führungsrolle war die Rede. Nach einem langen Gespräch habe man sich einvernehmlich über die vorzeitige Trennung geeinigt, meldeten die Berliner.Hamann reagierte dennoch enttäuscht, kritisierte Alba-Cheftrainer Luka Pavicevic, worauf Manager Marco Baldi mit Kritik an Hamann konterte. Inzwischen will Hamann nicht mehr über die Angelegenheit reden. Als Nationalspieler lenke ihn das ohnehin nicht ab.

Hamann steht zwar derzeit ohne Verein da, aber ist ein heißer Kandidat für das Bayern-München-Projekt, das Bundestrainer Bauermann gemeinsam mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß ins Leben gerufen hat. „Es ist noch nichts unterschrieben“, sagt Hamann. Dass er Interesse hat, mit Bauermann, unter dem er bis 2008 in Bamberg trainierte und spielte, in die bayrische Hauptstadt zu ziehen, liegt auf der Hand. „In München kann etwas ganz Großes entstehen“, sagt Hamann. Aber jetzt wolle er sich vor allem auf eines konzentrieren: auf die WM. „Dann kommt alles andere Schritt für Schritt.“

Schonen in der Zweitklassigkeit

Würde sich Hamann dem Pro-A-Zweitligateam der Bayern anschließen, wäre er neben Greene der zweite deutsche Nationalspieler dort. Bauermann glaubt nicht, dass sich der zweitklassige Alltag wegen des niedrigeren Niveaus negativ auf seine beiden „Oldies“ im Nationalteam auswirken könnte. „Im Gegenteil“, sagt er, „sie könnten sich in dieser Zeit körperlich schonen und wären dann anschließend wirklich fit.“ Wenn alles nach Bauermanns Vorstellungen läuft, erwartet das mit erstklassigen Profis üppig ausgestattete Zweitligateam eine Art Saison auf Wolke sieben. Der Aufstieg soll eine Art Spaziergang werden, eine Trainingssaison für höhere Aufgaben.

Nicht ganz so traumhaft läuft die Vorbereitung mit dem Nationalteam auf die WM. „Wir sind zur Zeit in einer Phase, in der wir ein bisschen in ein Loch gefallen sind“, sagt Hamann. Das glaubt auch Bauermann und sagt: „Aber man muss keine Frühform haben. Vielleicht ist es gut, wenn einen der eine oder andere dadurch ein wenig unterschätzt.“ Die Gründe für das Leistungsloch sieht der Bundestrainer in der Jugend seiner Mannschaft. Noch viel lernen müssten seine jungen Spieler, sagt er und nennt ein Beispiel: „Elias Harris hat sich schon zum zweiten Mal fast die Schulter ausgekugelt, weil er einfach in einen Block gerannt ist.“ Umso wichtiger sind für Bauermann seine „Oldies“. Hamann ist sich über seine gestiegene Verantwortung bewusst. „Ich habe jahrelang von Nowitzki und anderen, erfahrenen Spielern lernen können“, sagt er. „Jetzt helfe ich den jungen Spielern.“

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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