„Du schwitzt ja mehr als ich“, staunte Aufbauspieler Heiko Schaffartzik, als am zweiten Trainingstag der Basketball-Nationalmannschaft in Bamberg Pressesprecher Christoph Büker an ihm vorbeistürmte. Der antwortete: „Ich lauf' ja auch mehr als du.“ Am Mittwoch war großer Auftrieb in der Halle der Brose Baskets Bamberg, und das lag nicht daran, dass der deutsche Meister bei Schnittchen und Sekt den Sponsoren seine Neuverpflichtung Julius Jenkins vorstellte. Büker und der Deutsche Basketball-Bund (DBB) präsentierten dort der Öffentlichkeit ihren Besten, Dirk Nowitzki. Am Dienstag traf der Würzburger, der vor dreizehn Jahren in die weite Welt gezogen war und nun erstmals als NBA-Champion vorübergehend zurückgekehrt ist, bei der deutschen Auswahl ein. Mitgebracht hatte er, wie schon bei der Mission Olympia 2008, Chris Kaman, den deutschstämmigen Center der Los Angeles Clippers. An diesem Freitag werden die beiden Riesen von 2,13 Metern Körperlänge gegen Belgien (20:15 Uhr live bei Sport1) beim Super-Cup ihr erstes Länderspiel bestreiten, seit sie vor drei Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking mit einer Niederlage gegen das Team der Vereinigten Staaten vor dem Viertelfinale ausschieden. Zwischendurch musste sich die Mannschaft den Vertretern der Öffentlichkeit stellen.
Schaffartzik und seine zwölf Mannschaftskameraden waren dabei zunächst so wenig gefragt, dass sie den Physiotherapeuten mit seinem Fotoapparat zu sich riefen: „Eike, komm, mach du mal ein Bild!“ Am anderen Ende der langen Reihe, zu der sie in der Stechert-Arena angetreten waren, drängten sich sieben Fernsehteams sowie Dutzende von Fotografen und Reportern um Nowitzki und Kaman. Mal stand der Franke, der in Dallas seine Sport-Heimat gefunden hat, am Spielfeldrand, mal vor einem blauen Hintergrund, dann mit der Mannschaft unter einem Korb, und schließlich saß er an einem Resopaltisch vor einem Berg von Mikrofonen und Aufnahmegeräten - und Büker organisierte den Auftrieb mit der Laufleistung eines Hütehundes.
„Jetzt können wir richtig trainieren“
Nowitzki nahm den Trubel um seine Person gelassen. Seine Entspannung war mit Händen zu greifen. Nach Feierlichkeiten in Miami, Dallas und Würzburg, nach acht Tagen Ferien in der Karibik und nach drei Wochen zähen Einzeltrainings mit seinem Mentor Holger Geschwindner ist er endlich bei der Mannschaft angekommen. „Ich bin eine Woche lang ein bisschen rumgestolpert“, erzählte Nowitzki und klang dabei ein bisschen wie ein Veteran, dem die Beine schmerzen: „Zum Glück spielen wir am Freitag; da geht es wieder rauf und runter“, fügte der 33-Jährige hinzu. Im Umgang mit den jungen deutschen Nationalspielern wirkt Nowitzki dagegen immer noch wie ein Twen; wie frisch begeistert von seiner Leidenschaft Basketball. Seine Erfolge und seine Bedeutung für das Team trägt er nicht wie eine Monstranz vor sich her: „Manchmal vergisst man es, und dann geht man ins Bett und sagt sich: He, ich bin Champion.“ Auch aus der Schwierigkeit, sich für das Anhängsel an die längste Saison seines Lebens zu motivieren, machte er kein Geheimnis. „Ich hatte zwei große Karriereträume“, sagte er. „Ich wollte zu Olympia und ich wollte NBA-Champion werden. Beides ist abgehakt. 2008 in Peking mit all den Athleten, mit dem Tragen der deutschen Fahne, das war die beste Erfahrung meines Lebens.“ Solch ein Erlebnis, das ist sein Antrieb, will er den jungen deutschen Nationalspielern ebenfalls ermöglichen. Dazu muss das Team bei der Europameisterschaft in Litauen im September entweder das Finale erreichen oder sich mit einem Platz unter den besten sechs für das Qualifikationsturnier empfehlen.
Die Mannschaft sei stolz, für viele sei Nowitzki ein Idol, sagt Bundestrainer Dirk Bauermann. „Jeder von uns ist Profi und weiß, warum er hier ist“, behauptet Jan Jagla, der 30 Jahre alte Center. Trotz seiner Führungsrolle 2010 wird er bei der EM wohl auf seine Einsätze warten müssen: „Aufgeregt, dass Nowitzki kommt, ist niemand.“ Tim Ohlbrecht, als Achtzehnjähriger schon mit dem Meister in Peking, stellte es anders dar: „Jetzt ist der Tag der Nervosität vorbei. Jetzt können wir richtig trainieren.“ Für welchen Verein Ohlbrecht (zuvor Bonn) in der kommenden Saison spielen könnte, interessierte in Bamberg niemanden. Nowitzki dagegen verriet, dass es für ihn alles andere als einfach sein wird, einen Klub zu finden, falls die NBA-Saison wegen des Arbeitskampfes nicht im November startet. Alba Berlin, Brose Baskets Bamberg und Bayern München wollen ihn so sehr, dass sie damit vermutlich sein Erscheinen in der Bundesliga verhindern. „Wenn ich mich für einen entschiede, wären die anderen sauer“, sagt Nowitzki. „Ich weiß nicht, ob das eine Option ist.“ Das war nicht Nowitzkis originellste Einlassung. Was er davon halte, dass er in Amerika als „most marketable player“, der Spieler mit dem größten Werbewert, eingestuft werde, musste sich der Mann fragen lassen, um den sich in den nächsten Tagen beim Supercup alles drehen wird. Er könne sich das gar nicht vorstellen, antwortete Nowitzki: „Dafür bin ich viel zu langweilig.“