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Basketball-Nachwuchs Talente ohne Chance

11.04.2010 ·  Im Finale um den deutschen Basketball-Pokal treffen am Sonntag spektakuläre Spieler aufeinander, die den Sprung in den bezahlten Sport längst geschafft haben. Es wird deutlich: deutsche Klubs setzen lieber auf Amerikaner - ohne Not.

Von Anno Hecker, Mannheim
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Wo man in die Zukunft des deutschen Basketballs schauen kann? In diesen Tagen mehr in Mannheim als in Frankfurt. Zugegeben: Beim Turnier um den deutschen Pokal mit dem Finale an diesem Sonntag (15.10 Uhr) zwischen den heimischen Skyliners und den Baskets Bamberg treffen in der hessischen Metropole ausgewachsene Profis aufeinander, spektakuläre Spieler, die mit ausgeprägter Athletik, mit Treffsicherheit und Spielverständnis längst den Sprung in den bezahlten Sport geschafft haben.

Vorwiegend aber als unterhaltsame Importe der Basketball-Bundesliga (BBL) aus dem Mutterland dieses Sports: 26 Amerikaner auf den wichtigen Positionen sind in den Kadern der vier Teams aufgeführt, die es nach Frankfurt schafften. In Mannheim präsentierte sich am Samstag im Finale des Albert-Schweitzer-Turniers dagegen der Basketball „Made in Germany“.

Und zwar so gut wie nie zuvor in der 58-jährigen Geschichte dieser Leistungsmesse für Jugendliche auf dem Sprung. Die U 18 des Deutschen Basketball-Bundes erreichte das Endspiel gegen Australien beim bedeutendsten Jugendturnier dieses Planeten. Die U 17 wurde erst im Halbfinale gestoppt. Bislang konnten die Deutschen alle 25 Jahre mal auf Rang drei als bestes Resultat verweisen - 1958 und 1983. „Ich bin sehr gespannt“, rief ein Fan des deutschen Nachwuchses bei der deutsch-deutschen Begegnung (72:60 für die U 18) am Donnerstag, „wer es von diesen Jungs in die Bundesliga schafft.“

Reicht der Druck für einen Bewusstseinswandel?

Ob das noch eine Frage ist? Beim Albert-Schweitzer-Turnier sind Jahr für Jahr unbekannte Spieler aufgetreten, die später auf dem Court nicht etwa an Grenzen stießen, sondern Basketball auf ihre Art weiterentwickelten. Die Liste aus der jüngeren Vergangenheit reicht von dem Zauberkünstler Earvin „Magic“ Johnson über Arvidas Sabonis bis hin zum deutschen Phänomen Dirk Nowitzki. Vielleicht denkt Philipp Neumann schon längst über die Bundesliga hinaus gar an eine Karriere in Übersee.

Agenten notierten sich in Mannheim den Namen dieses hervorragenden Centers. Seine Anlagen, die Reife etwa von Jacob Krumbeck (U 17), die technischen und taktischen Leistungen der beiden deutschen Mannschaften ein Jahr vor der Weltmeisterschaft der U 17 in Hamburg beleben die Diskussion im deutschen Basketball. Reicht der Druck von unten, die Stärke und der Willen junger deutscher Spieler, für einen Bewusstseinswandel an der Spitze?

Vier Spieler mit deutschem Pass

Michael Koch schüttelt den Kopf. „Nein, das wird nicht funktionieren“, sagt der Cheftrainer des Erstligaklubs Telekom Bonn. Der frühere Nationalspieler fordert mehr Beweglichkeit von der BBL. „Es war ja nicht nur mein Wunsch, dass wenigstens ein deutscher Spieler pro Team immer auf dem Feld stehen muss.“ Stattdessen entschied die BBL im vergangenen Herbst, peu à peu bis zur Saison 2012/13 sechs Deutsche im Kader mit zwölf Spielern vorzuschreiben. In dieser Saison müssen vier mit deutschem Pass auf dem Spielberichtsbogen eingetragen sein. Da in einem Bundesligateam in der Regel aber selten mehr als acht Spieler nennenswerte Einsatzzeiten erhalten, hält Koch diese Deutschen-Klausel für „weitgehend wirkungslos“.

Und die Gründe mancher Trainerkollegen, deutsche Spieler zu verschmähen, für „vorgeschoben“. „Man sieht ja, dass wir genügend Talente haben. An der Qualität liegt es nicht. Eher an der Bereitschaft, sie spielen, sie auch mal Fehler machen zu lassen.“ Das setzt langfristige Konzepte voraus. In einer kurzatmigen Welt, von der die BBL, wie die Praxis mit Dreimonats-Verträgen belegt, längst erfasst ist, setzen viele Trainer aber lieber auf fertig ausgebildete Amerikaner. Mit dem Segen der Klubmanager. Profis, die heute kommen und morgen gehen, die zwar gut spielen, der Liga aber kein Gesicht geben, sind für 3.000 bis 4.000 Dollar pro Saison zu haben. Ein vergleichbarer Deutscher kostet das Doppelte. Weil sie so rar sind. Weil das System diese Preise stabilisiert.

Vor einer Lebensentscheidung

Zweifellos hat sich die BBL bewegt. Mit der Einrichtung der Nachwuchsligen JBBL und NBBL, berichteten Landestrainer in Mannheim, steigen Qualität und Quantität deutscher Spieler. Nachdem Bundestrainer Dirk Bauermann mit dem starken Auftritt einer „Jugendgruppe“ bei der EM im vergangenen Jahr verblüffte, scheint die Botschaft auch in der Bundesliga auf Resonanz gestoßen zu sein. Immerhin haben sich die Einsatzzeiten der U-24-Spieler, jeder Klub erhält aus dem Nachwuchsfonds der BBL eine Spielminutenprämie, verglichen mit dem Vorjahr, von rund 4.800 auf 8..480 Minuten fast verdoppelt.

Jungnationalspieler wie unter anderen Robin Benzing (Ulm), Tim Ohlbrecht (Bonn) oder Tibor Pleiß (Bamberg) werden nun kontinuierlich zu Stützen ihrer Teams aufgebaut. Trotzdem stehen die Spieler der U 18 schon bald vor einer Lebensentscheidung, die in kaum einem Land Europas mit einer vergleichbaren Sportkultur so schwierig ist: Für erstklassigen Basketball oder für einen bürgerlichen Beruf? „Ich fürchte, wir werden einige dieser Jungen nicht integrieren, obwohl sie das Potential haben“, sagt Koch: „Das darf eigentlich nicht wahr sein.“

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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