18.06.2010 · Bamberg gewinnt die Basketball-Meisterschaft, aber auch Verlierer Frankfurt gebührt ein Kompliment. Eines hat die Saison gezeigt: Die Liga ist ausgeglichen. Noch wichtiger aber ist, dass die Deutschen wieder mitspielen.
Von Anno HeckerDas war nicht die große Klasse. Ja, es hat schon bessere Final-Serien im Basketball gegeben, weniger Fehler, höhere Trefferquoten, glanzvollere Siege. Wer sucht, wird immer fündig. Deshalb hat einer der siegreichen Trainer den Nörglern den Wind aus den Segeln genommen: „Es war nicht schön, aber erfolgreich.“ Diesen Satz formulierte nicht etwa Chris Fleming, der Meistercoach von Bamberg. Es war kein Geringerer als Kollege Phil Jackson von den Los Angeles Lakers. Die Amerikaner haben es den Bambergern, wenn man so will, in der Nacht zum Freitag nachgemacht: Spiel, Satz und Sieg in der NBA.
Und zwar nach einem ähnlichen Muster. 32,5 Prozent betrug die Wurfquote der Kalifornier im siebten Finale. Gar nur mit einem Viertel aller Versuche traf Kobe Bryant. Grauslich, für einen Supermann des Basketballs, nicht wahr? Und so lebte auch das Spiel der Spiele im Weltbasketball von dem, was man ein paar Stunden zuvor in Bamberg sah. Vom Kampf bis zur letzten Sekunde. Vom Menschen an der Grenze seiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit. Das produziert selten verblüffende Spielzüge oder perfekte Sprungwürfe. Aber Gefühlsschwankungen, die man nicht vergisst.
Da stand er, der hartgesottene, in endlosen Grabenkämpfen gestählte Ministerpräsident von Bayern und hielt sich mit bangem Blick die Hände an die Wangen, als könne er das Nervenspiel auf dem Parkett nicht aushalten. Ob Seehofer sich um die Spielästhetik geschert hat in diesen belebenden Momenten, während das politische Spiel in Berlin zu ersticken droht?
Es lohnt sich, talentierten Deutschen eine Chance zu geben
An dieser Stelle gebührt in der Regel dem Meister die Würdigung. Aber diesmal gehören nach dem Fall des letzten Vorhanges zwei auf die Bühne. Frankfurt hat dem „talentierteren“ Team immer wieder den Vorteil der individuellen Überlegenheit geraubt. Und dabei trotzdem dem Publikum mehrfach das Gefühl gegeben, vorzeitig kapitulieren zu müssen. Wer hätte nach dem Desaster am vergangenen Sonntag (52:97) noch auf einen Wiederaufbau der Hessen gesetzt? Bis auf den letzten Stein schienen die Skyliners abgebaut, ihr Fundament aus den Angeln gerissen. Aber sie kamen immer wieder zurück und nahmen diesem Duell bis zur letzten Minute die Vorhersehbarkeit.
Diese Vorstellung spielt dem Management der Basketball-Bundesliga in die Hände. Die Ausgeglichenheit, die damit verbundene Abwechslung in der Liga ist ein Trumpf bei der Werbung um das nach wie vor verhaltene Interesse in Deutschland. Mit dem Ende dieser Spielzeit aber zeichnet sich eine Entwicklung ab, die dem Basketball hierzulande Auftrieb geben müsste: Die Deutschen spielen wieder mit in der Bundesliga. Und nicht nur Nebenrollen.
Ohne Pascal Rollers Fähigkeit, das Niveau der Skyliners stets zu heben, wäre die Frankfurter Amerika-Auswahl nicht bis zur letzten Minute im Spiel geblieben. Auf der anderen Seite bestätigte Tibor Pleiß die Forderung von Bundestrainer Bauermann. Es lohnt sich, talentierten Deutschen eine Chance zu geben. Pleiß stand auch in den entscheidenden Minuten auf dem Feld, erzielte den letzten Punkt für Bamberg, gehörte zu den effektivsten Spielern. Und hat noch Potential für mehr. Die große Klasse könnte noch kommen.