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Basketball-Kommentar Malocher unter dem Korb

Die Provinz hat der Metropole den Rang abgelaufen: Harte Arbeit hat den Basketball in Deutschland vorangebracht - nicht nur bei Meister Bamberg. Doch gerade Nachwuchsspieler werden manchmal zu schnell hochgejubelt.

© dpa Vergrößern Harte Arbeit: Bamberg ist wieder Meister

Feinkost haben die Finalisten des Finales um die deutsche Basketball-Meisterschaft nicht geboten. Bamberg ist beim vierten Triumph in Serie, diesmal über Oldenburg, kein zauberhaftes Meisterstück gelungen. Und doch werden die drei Endspiele in Erinnerung bleiben. Weil sie eine zumindest Oldenburg quälende Frage aufwerfen: Warum haben die Norddeutschen die einmalige Chance verpasst? Zwei Begegnungen mit zwei Punkten verloren, eine mit dreien, einen 19-Punkte-Vorsprung im zweiten Match verspielt.

Bamberg bis in die letzten Sekunden unter Druck gesetzt zu haben, spricht für die Oldenburger Qualität. Der vierte Titel beweist Bambergs entscheidenden, kleinen Vorsprung. Die Spieler von Chris Fleming haben einen Tick mehr darum gekämpft. Mit einem Offensiv-Rebound samt Dunking rettete Maik Zirbes sein Team am Sonntag spektakulär in die Verlängerung. Es war der Anfang vom Ende der Oldenburger Hoffnung.

Punkte gegenüber dem Handball gesammelt

Ständige Maloche: Das ist der Arbeitstitel des Basketballs in Deutschland. Er trifft gerade auf Bamberg zu. Die Provinz ist Champion. Sie hat der Metropole (Berlin) den Rang abgelaufen, sie hat (diesmal noch) höchste Münchener Ansprüche abgewehrt. Das ist nur möglich, weil das Management ständig rotiert im Kampf gegen die Konzentration des Fernsehens auf den Fußball. Bamberg und die ganze Basketball-Bundesliga (BBL) sammeln in diesem mühsamen Spiel Punkte - etwa gegenüber dem Handball. Sie scheinen mit strenger Lizenzierung, mit einer hohen Quote für deutsche Spieler und dem guten Ruf, die Gehälter, die sie versprechen, auch zu bezahlen, auf gutem Weg, ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen: 2020 die bedeutendste Liga Europas zu werden.

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Der Aufschwung der BBL darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Profi-Basketball in Deutschland, Handball, Volleyball und Hockey nicht reich genug sind, ihr Potential allein ausschöpfen zu können. Bambergs Manager Wolfgang Heyder beklagt die mangelnde Unterstützung des Deutschen Olympischen Sportbundes. Der Verband sei an Medaillen orientiert und ignoriere die Bedeutung der Mannschaftssportarten für die Sportkultur. Eine Kanu-Armada kann zweistellig Medaillen gewinnen bei Olympischen Spielen, während der Basketball - im traumhaften Fall - maximal mit zwei nach Hause käme. Staatlich gefördert wird aber die Edelmetall-Ausbeute.

Trainieren, wenn Jüngere schon die Füße hochlegen

Angesichts der Handball-Misere und der Abwesenheit von Basketball beim olympischen Turnier in London ist es nicht zu früh, die Prioritäten in der öffentlichen Förderung öffentlich zu diskutieren, zumindest die Kriterien für die Ausschüttung zu prüfen. Das haben die Tischtennisspieler bereits im Herbst gefordert. Denn warum gab es wohl zwei Millionen Euro für wenige Bobfahrer und Rodler, aber nur rund 250.000 Euro für den deutschen Zweig der Weltsportart Basketball?

Strukturelle Hilfe und etwas mehr Geld aber helfen dem deutschen Basketball auch nicht weiter, wenn stimmt, was Heyder beobachtet: dass manche deutsche Nachwuchsspieler, schnell zu kommenden NBA-Stars hochgejubelt, nicht hart genug arbeiteten. An Vorbildern mangelt es nicht. Zum wertvollsten Spieler der Play-off-Runde wählten Journalisten Anton Gavel. Der sagt von sich, kein Talent zu sein. Seine Trainer behaupten, er trainiere noch, wenn Jüngere schon die Füße hochlegen. Auch deshalb ist er wieder Meister geworden.

Quelle: F.A.Z.

 
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