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Aus für Artland Dragons : Keine Chance für Basketball

Die Artland Dragons geben die Bundesliga aus der Hand Bild: dpa

Nach vielen Jahren verabschieden sich die Artland Dragons völlig überraschend aus der Bundesliga. Der Rückzug des Basketball-Klubs aus Quakenbrück ist schon der zweite Rückschlag in dieser Saison für die Liga.

          Auf zwanzig Jahre Basketballtradition blicken die Artland Dragons zurück. Nun verabschiedet sich der Klub aus Quakenbrück, der 2007 Zweiter der deutschen Meisterschaft und 2008 Pokalsieger war, völlig überraschend aus der Bundesliga. Die Erklärung für den plötzliche Schritt war vor allem das Gefühl der Perspektivlosigkeit, das sich beim Klub nach dem Verpassen der Play-off-Runde breitgemacht hatte. Zudem hatte Dragons-Geschäftsführer Alexander Meilwes in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ von einer „total verkorksten Saison“ gesprochen.

          Während sich die Bundesliga enorm weiterentwickelt habe, seien „die Gesamtetats der Konkurrenten gestiegen, so dass es für die Dragons nicht mehr möglich ist, den gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden“, hieß es in einer Pressemitteilung des Klubs am Sonntag. Zudem habe die relativ kleine, 3000 Plätze bietende Artland-Arena zum Rückzug beigetragen. „Der Standortnachteil hat sich über die Jahre immer stärker herauskristallisiert. Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir für den Spitzenbasketball in Quakenbrück keine Perspektive mehr sehen“, sagte Meilwes am Sonntag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Heimat des Klubs liegt in der Norddeutschen Tiefebene. Basketball profitiert in der Region zwar durch seine Präsenz in der ersten Liga und hat anders als in Ballungsräumen wie Frankfurt, München oder Berlin kaum Konkurrenz durch den Profifußball, tut sich aber schwer, in dieser Randlage Sponsoren zu gewinnen.

          Die Heimspiele in der am Rande des idyllischen Städtchens gelegenen Halle waren in den erfolgreichen Zeiten der Dragons, mit denen Bundestrainer Chris Fleming im Jahr 2000 den Aufstieg in die erste Liga schaffte, so oft ausverkauft wie in keiner anderen deutschen Basketball-Arena. 128 komplett ausgebuchte Partien in Folge stehen aus dieser Zeit zu Buche. Am Sonntag war dieses Kapitel zu Ende. Dass die Nachricht vom Aus der Dragons die Fans kalt erwischt hatte, davon zeugte die Tatsache, dass der Internetserver der Dragons am Nachmittag zusammenbrach.

          Spielt die Bundesliga nur mit 17 Teams?

          Zu tun hat der plötzlich wirkende Rückzug etwas mit dem Hauptsponsor und Mäzen des Vereins, Günter Kollmann, der in den sechziger Jahren als Small Forward beim VfL Osnabrück auch international sehr erfolgreich war. Der Quakenbrücker Unternehmer ist zudem Geschäftsführer einer Beteiligungungsgesellschaft an den Artland Dragons. Kollmann, so sagte der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) Jan Pommer am Sonntag, habe immer gesagt, dass er sein Engagement nicht ewig aufrechterhalten könne und wolle. „Er hat unheimlich viel für den Verein und die Liga getan“, sagte Pommer.

          Die Abstiegsregelung in der laufenden Saison ist vom Rückzug der Dragons nicht betroffen, da er erst zur neuen Spielzeit in Kraft tritt. Die beiden Absteiger Crailsheim Merlins und TBB Trier stehen fest. Für die Liga ist der Rückzug der Dragons nach der Trierer Insolvenz der zweite Rückschlag in dieser Saison. Pommer glaubt zwar, dass, „wenn alles gutgeht, mit den Gießen 46 und Würzburg Baskets zwei leistungsfähige Aufsteiger bereitstehen“. Dennoch regt der scheidende Ligachef, der am 1. September zur Deutschen Sport Marketing wechselt, an, sich mit dem Gedanken zu befassen, in der höchsten deutschen Spielklasse mit 16 oder 17 statt mit 18 Klubs an den Start zu gehen. Der Lizenzliga-Ausschuss der BBL trifft sich am Donnerstag in Köln, um dies zu erörtern.

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