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Sonntag, 12. Februar 2012
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Basketball Kapitän auf neuem Kurs

08.10.2009 ·  Pascal Roller nimmt bei den Frankfurt Skyliners seine zehnte Saison in Angriff. Der flinke Spielmacher wirkt dabei mit seinen 33 Jahren kein bisschen müde. Trotz oder gerade wegen sieben Neuzugängen: Roller ist und bleibt das Gesicht des Teams.

Von Leonhard Kazda, Frankfurt
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Er ist der Dauerläufer der Frankfurt Skyliners. Wenn Pascal Roller nach seiner körperlichen Verfassung gefragt wird, antwortet er stets mit einem verschmitzten Lächeln und sagt Sätze wie: „Ich fühle mich noch relativ fit - gemessen an meinem fortgeschrittenen Alter.“ Mitte November wird der Basketballprofi 33 Jahre alt. Und wer Roller während der Vorbereitung auf die an diesem Freitag mit dem Auswärtsspiel in Trier beginnende Saison gesehen hat, wird beobachtet haben, dass die Formulierung „relativ fit“ durchaus eine Untertreibung war. Roller ist in prächtiger Verfassung, hat kein Gramm zu viel auf den Rippen und spielt immer noch in einem famosen Tempo, mit einer beeindruckenden Genauigkeit vor allem bei den Würfen von jenseits der Dreipunktelinie. Natürlich ist er nicht noch flinker geworden als in jenen Jahren, in denen er sich bei den Skyliners aufgrund seiner atemraubenden Läufe den Spitznamen „Speedmaster“ verschaffte. Aber fit wie ein Turnschuh ist Roller auch vor seiner zehnten Saison im Trikot des Bundesligaklubs aus der Stadt der Banken.

So erntete man auch auf die Frage nach dem Kapitän der Skyliners in der kommenden Saison erstaunte Blicke von den führenden Männern beim Profiklub. Klar: Roller ist und bleibt Kapitän; er ist das Gesicht der Mannschaft, er ist der Spielmacher, er bestimmt den Kurs. Trotzdem: Es wird sich so manches ändern für den Point Guard. Erstmals hat ihm die Klubführung mit dem Amerikaner Aubrey Reese einen sehr erfahrenen Profi zur Seite gestellt. Reese ist ein athletischer Spieler, der vieles kann und auf den der Fachbegriff des „Combo Guards“ zutrifft. Dahinter verbirgt sich keineswegs ein Spielmacher mit musikalischen Qualitäten, sondern einer, der vielseitig einsetzbar ist. Seine Hauptaufgabe wird es aber sein, sich mit Roller auf der wichtigsten Position abzuwechseln oder ergänzend an der Seite des Kapitäns für Druck zu sorgen.

Reese verkörpert die neue Richtung

Die Neuverpflichtung bedeutet für Roller auch eine Neuorientierung. Bislang hatte er als Spielmacher meist Talente wie Rudi Mbemba oder in der vergangenen Saison den Amerikaner Adam Emmenecker an seiner Seite. Jetzt teilt er sich erstmals den verantwortungsvollen Posten mit einem jener Spielertypen, die Bundestrainer Dirk Bauermann einmal als „abgezockte Amerikaner“ skizziert hat. Roller empfindet den muskelbepackten, tätowierten Basketball-Legionär an seiner Seite aber nicht als druckvollen Konkurrenten, sondern als „eine große Entlastung - und er kann sogar noch viel mehr sein“.

Reese verkörpert die neue Richtung, in die der Kapitän und seine Skyliners steuern. Das Team der kommenden Saison ist eine Mannschaft voller Pragmatismus, verstärkt mit Profis wie dem wurfstarken Flügelspieler Seth Doliboa, dem fleißigen Arbeiter Marius Nolte, dem abwehrstarken Aufbauspieler Quantez Robinson, dem flinken Flügelspieler Quarraan Calhoun, dem talentierten Amerikaner Grayson Moyer und den deutschen Nachwuchsspielern Filmore Beck und Fabian Franke. Sieben Neue auf einen Streich - und wenn es nach Cheftrainer Murat Didin ginge, würde wegen der wohl sehr langwierigen Oberschenkelverletzung von Jimmy McKinney ein achter Neuzugang sehr bald hinzukommen. Doch die finanziellen Möglichkeiten des Klubs sind wohl begrenzt in dieser Spielzeit.

Zwar wird der Verein auf jeden Fall bis zum Ende der Spielzeit 2010/2011 weiter Deutsche Bank Skyliners heißen, denn bis dahin hat der mächtige Finanzkonzern seinen Vertrag verlängert. Dennoch lasten auf dem Etat, der sich bei geschätzten 3,5 Millionen Euro bewegt, in dieser Saison Zusatzgewichte. Allein das Schulprogramm „Basketball macht Schule“, bei dem die Skyliners in 60 Arbeitsgruppen 1500 Kindern diesen Sport nahebringen, wiegt mit 500.000 Euro schwer. Die Pro-B-Mannschaft, für die der Klub vor dieser Saison die Lizenz erworben hat, bindet weitere Mittel, so dass die Reaktionsmöglichkeiten der Frankfurter in dieser Spielzeit wohl keineswegs grenzenlos sind.

Rollers Selbstverständnis ist ein anderes geworden

Roller selbst schaut gelassen auf die bevorstehende Spielzeit. Und das „Minimalziel Play-off“ klingt aus seinem Munde durchaus wie eine realistische Einschätzung. „Das Team ist sehr sorgfältig gescoutet worden“, sagt er zur feinfühligen Spielerauswahl, die ihre Qualität im Wettkampf freilich erst noch zeigen muss. Aber nicht nur wegen der vielen Neuen im Team wird sich die Rolle des Kapitäns ändern. Rollers Selbstverständnis ist ein anderes geworden. „Mir sind individuelle Ziele nicht mehr so wichtig, wie es in meinen jungen Jahren der Fall war“, sagt er. Seine Karriere als Nationalspieler hat der Familienvater, dessen Tochter Delisa kürzlich ein Jahr alt wurde, beendet.

Der Vertrag mit den Skyliners beinhaltet noch die Saison 2010/2011. Roller kann sich durchaus vorstellen, noch „ein, zwei Jahre“ dranzuhängen, „gerne auch bei den Skyliners“ - eine typische Bemerkung für ihn, der als Mensch und Basketballprofi ein intelligenter, gewitzter Typ ist. Was er nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn anstellen wird, weiß Roller noch nicht genau. Trainer zu werden ist aktuell nur eine Möglichkeit für ihn. „Ich glaube nicht, dass meine Tendenz in Richtung Headcoach geht“, sagt er, „ aber ich werde schon versuchen, den Trainerschein zu machen, um mir die Option offenzuhalten.“ Seinen Schwerpunkt wolle er bei seinen Planungen aber auf ein künftiges Berufsleben außerhalb des Spielfeldes legen.

Roller hat gewiss genauere Vorstellungen von seiner neuen Zukunft, die aber in unbestimmter Ferne liegt. In den kommenden zwei Jahren wird er sicher noch Basketball spielen. Vielleicht sogar noch länger. Denn „relativ fit“ ist er auf jeden Fall.

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