01.06.2010 · Der FC Bayern will die Basketball-Abteilung seiner Marke entsprechend pushen. Nationaltrainer Bauermann würde gerne wieder in einem Verein arbeiten. Es könnte eine win-win-Situation unterm Korb entstehen.
Wann, wenn nicht jetzt? Vermutlich ist es nicht nur das Gefühl für Mehrheiten des großen Vorsitzenden Uli Hoeneß, das den FC Bayern dieser Tage bewegt. 20.000 Mitglieder haben auf eine Fragebogen-Aktion reagiert. 70 Prozent votierten für ein verstärktes Engagement im Basketball. Was das heißt? Der Rekordmeister im Fußball setzt zum großen Wurf an. „Es ist jetzt Konsens“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Abteilungsleiter Basketball, „jetzt dezidiert auf Basketball zu setzen und hohe Ziele anzustreben.“ Da die Münchener bislang in der zweiten Liga (ProA) spielen, können mit „hohen Ziele“ nur die Erstklassigkeit und die Meisterschaft gemeint sein. Denkt man wie Hoeneß europäisch, dann sollte es darüber hinausgehen. Ob Bayerns Basketballprofis in Zukunft in einem Atemzug mit den Kollegen von Real Madrid und dem FC Barcelona genannt werden?
Trotz der Euro-Skepsis: Ein Einstieg im großen Stil käme zum richtigen Zeitpunkt. Steuergeschenke werden Klubs wie Panathinaikos Athen, dessen Etat zuletzt doppelt so hoch war wie etwa der von Alba Berlin, in den nächsten Jahren kaum mehr erhalten. Der Sparkurs wird auch an Spaniens Sport nicht vorbeigehen. Mit etwas Mut zum Risiko könnte der wohlhabende FC Bayern in wenigen Jahren viel erreichen. Dass er sich nicht um den noch freien Platz in der ersten Liga bewirbt, spricht keinesfalls gegen den Aufstieg. Andernfalls hätte der Klub kaum mit Deutschlands profiliertestem Trainer Kontakt aufgenommen: Dirk Bauermann.
Hoeneß: „Ich liebe Basketball!“
Bauermann in der zweiten Liga? Das klingt unrealistisch für einen Mann, der in seiner zwanzigjährigen Karriere seine Vielseitigkeit bewiesen hat. Als junger Trainer kam er mit dem Druck bei Bayer Leverkusen, damals der FC Bayern des Basketballs, gut zurecht, auch mit Stars und deren extravaganten Marotten. Auf Wanderschaft ließ er sich nicht mal von einem schießwütigen griechischen Präsidenten einschüchtern. In Bamberg formte er ein keineswegs hochtalentiertes Team zum Meister. Und als Bundestrainer ist es ihm im vergangenen Sommer gelungen, seine Werbung für die Qualität deutscher Jungprofis auf dem Parkett zu verstärken. Die „Jugendgruppe“ Bauermanns hinterließ einen guten Eindruck bei der EM. Kurz: Wer einen solchen Coach anspricht, muss mehr zu bieten haben als den Aufstieg in die erste Liga. Zumal sich Gerüchte hartnäckig halten, auch Real Madrid sei an dem 52 Jahre alten Oberhausener interessiert.
Dass die Münchener gute Chancen hätten, hängt mit der Bindung Bauermanns an den Deutschen Basketball-Bund (DBB) zusammen. Bis 2013 läuft sein Vertrag als Cheftrainer. „Und ich werde ihn nicht herauslassen“, sagte DBB-Präsident Rolf-Ingo Weiss am Dienstag, nicht ohne eine Brücke zu bauen: „Uns ist wichtig, dass er die Nationalmannschaft betreut und auch mal für Fortbildungen zu Verfügung steht.“ Das schließt aber eine Arbeit mit einem Vereinsteam in der Zeit, wenn keine Turniere oder Qualifikationen anstehen, nicht aus.
Nationaltrainer Bauermann würde München wohl betreuen dürfen
Zwar hält auch die Basketball-Bundesliga (BBL) an ihrem Beschluss fest, einem Bundestrainer aufgrund des Interessenkonfliktes keine Vereinsbetreuung zu erlauben. Aber diese Einschränkung gilt nur für die erste Klasse. Bauermann würde München wohl betreuen dürfen, wenn er denn will: „Es gibt Ideen, aber noch keine Lösungen. Wenn die strukturellen Voraussetzungen geschaffen sind, dann muss man noch einmal reden, ob ich wirklich einsteigen kann“, sagt er. Jetzt sind die Münchener am Zug.
An Hoeneß soll es angeblich nicht scheitern: „Ich liebe Basketball!“, sagte er dem Fußball-Magazin „Elf Freunde“ vor fünf Jahren: „Ich bin der Erste, der bereit ist, richtig anzupacken.“ Nur eine Forderung stellte der Manager damals: „Die Leute müssen es wollen.“ Beim FC Bayern sind sie so weit. In Deutschland aber lässt der Zuspruch weiter auf sich warten.