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Basketball Gewichtige Macht unterm Korb

12.02.2012 ·  Im Spitzenspiel gegen die Baskets Bamberg reichte die Stärke des Ulmer Riesen John Bryant nicht. Ulm unterliegt mit 74:012. Aber der einst 175 Kilo schwere Center hat dennoch Chancen auf die NBA.

Von Leonhard Kazda, Ulm
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© dpa Gewichtige Macht unterm Korb: John Bryant (r.) gegen den Bamberger Brian Roberts

Es war Anfang des dritten Viertels, als der Gigant ins Wanken geriet. Ein einfaches Foul brachte John Bryant ein wenig aus der Fassung. Mit der flachen Hand hieb der 125 Kilogramm schwere Hüne auf eine Werbebande - der Schlag war selbst noch ganz oben auf den steilen Tribünen der mit 6000 Zuschauern voll besetzten Ulmer Arena zu hören.

Die gefühlsbetonte Einlage brachte Bryant ein technisches Foul ein. Und der Kampf des Verfolgers in der Basketball-Bundesliga gegen den Spitzenreiter Bamberg Baskets wurde noch schwerer. Am Ende unterlagen die Schwaben den Oberfranken 74:102. Es blieb also alles beim Alten in der Bundesliga: Ulm weiter Zweiter, Bamberg hat seinen Vorsprung in der Tabelle auf vier Punkte ausgebaut.

Außerordentliche Trefferquote der Baskes

Bryant verfolgte das Ende der Partie von der Bank aus. Nach fast 28 aufreibenden Minuten hatte der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath seinen Center aus dem Spiel genommen: „Ich habe taktisch schon auf das nächste Spiel geschaut.“ Schon an diesem Mittwoch steht für die „Spatzen“ mit dem Spiel beim Aufsteiger Bayern München die nächste Herausforderung bevor.

Und da braucht der Trainer den besten Rebounder der Liga dringend. 9,2 Rebounds fängt der 24 Jahre alte Amerikaner durchschnittlich. Auch gegen Bamberg waren es wieder neun, dazu kamen zwölf Punkte. Bryant sei „eine Macht unter dem Korb“, sagt Leibenath. Das war er auch im Spiel gegen den Meister. Dass Ulm keine Chance auf den Sieg hatte, lag an der außerordentlichen Trefferquote der Baskets aus der Distanz.

175 Kilo waren zu viel

Auf Bryant ruht derzeit auch wegen der Verletzung von Power Forward Dane Watts zusätzliche Verantwortung. Den Erwartungen wurde das Schwergewicht, das am Santa Clara College zu einem Center der Extraklasse gereift ist, auch gegen Bamberg gerecht. „Eine unglaubliche Präsenz im Angriff und in der Abwehr“ bescheinigte ihm sein Trainer nach der Partie. Dass der in Berkeley im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien geborene Blondschopf ein so guter Basketballspieler werden würde, war keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

175 Kilogramm Körpergewicht waren zu viel. Sein Trainer am College legte schließlich großes Gewicht darauf, dass Bryant abspeckte. Die erfolgreiche Kur brachte einen der außerordentlichsten Spieler der College-Liga NCAA hervor. Mit 14,2 Rebounds war Bryant 2009 der Zweitbeste in dieser Disziplin in der Liga, und keiner hatte mehr zweistellige Erfolgszahlen beim Scoren und den Rebounds vorzuweisen: 26 Double-Doubles gelangen Bryant. Wer den 2,11 Meter langen Hünen mit dem Wuschelkopf einmal spielen gesehen hat, mag sich angesichts seiner Erfolgsquoten verwundert die Augen reiben.

Der lange, jungenhaft aussehende Kerl mit dem Vollbart wirkt mitunter ein wenig tapsig, ja behäbig. Aber er ist es nicht. Bryant spielt zuweilen wie ein Hellseher. „Man muss das Spiel fühlen, sehen, wohin sich der Ball bewegt“, sagt er sachlich. Sein Instinkt ist für Trainer Leibenath „etwas ganz Besonderes“. So bringt der Ausnahmekönner aus dem amerikanischen Westen viel mehr Talent mit, als seine 24 Jahre erahnen lassen. „Er wirkt wie ein Dreißigjähriger, der in Europa schon zehn Jahre auf dem Buckel hat“, sagt Leibenath. Auffällig ist zudem die Ballbehandlung, mit der Bryant seine Gegner häufig verblüfft. Bryant sei „feinmotorisch sehr gut ausgebildet“, sagt Leibenath. „Das ist für große Spieler eher unüblich.“

Beobachter aus der NBA

Während des Spiels gegen Bamberg saßen Beobachter des NBA-Klubs Oklahoma Thunder am Spielfeldrand, um den vor allem in der Abwehr überragenden, von Thunder gedrafteten Tibor Pleiß zu beobachten. „Die NBA ist immer noch mein Traum - aber er ist einfach nicht in Erfüllung gegangen“, sagt Bryant, der ein Jahr in der D-League, der Nachwuchsliga der NBA, gespielt hat. In Ulm fühle er sich sogar wohler als dort, gibt er zu.

Auch Leibenath sieht die Zukunft des Ulmer Riesen eher in Europa. Dort werde „etwas weniger schnell und mit etwas mehr Struktur gespielt. Das liegt ihm eher.“ Was bleibt, ist die Frage des Gewichtes. „Es ist jeden Tag ein Kampf“, sagt Bryant. Sein Trainer ist zuversichtlich, dass sein wichtigster Rebounder nicht wieder zulegt. „Seine Freundin achtet sehr darauf, dass das nicht passiert“, sagt Leibenath. Brayant habe „ein vernünftiges Kampfgewicht und eine ordentliche Verdrängung unter dem Korb. Wir würden gar nicht wollen, dass er nur 110 Kilo wiegt.“

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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