01.04.2010 · Auf dem Parkett jubelten die Spieler von Alba Berlin, auf den Rängen feierten 14.000 Zuschauer: Der Einzug ins Finalturnier des EuroCups im April in Spanien ist eine Meisterleistung des Teams von Luka Pavicevic - vor ihnen hat das noch kein deutscher Klub geschafft.
Von Michael Reinsch, BerlinErst zehn Sekunden vor Schluss wichen Entschlossenheit und Anspannung, Freude und Stolz schrieb sich in die Gesichter der Spieler von Alba Berlin. Erst mit der Schlusssirene schlug die Stimmung der 14.500 Zuschauer in der O2-World von tosender Anfeuerung in schier besinnungslosen Jubel um. Fast die gesamten vierzig Minuten der Partie am Mittwochabend hatte es den Berliner Klub harte Arbeit und schmerzhaften Einsatz gekostet, sein erstes Ziel der Saison zu erreichen, ja, zu übertreffen: Alba hat sich für das Endturnier „Final Four“ des EuroCup am 17. und 18. April in Vitoria in Spanien qualifiziert.
„In der Ukraine, in Badalona, bei Galatasaray, überall haben wir uns durchgeschlagen“, fasste Aufbauspieler Steffen Hamann glücklich zusammen. „Aber die Reise ist noch nicht zu Ende.“ Mit einem 72:59-Sieg über Hapoel Jerusalem machten die Berliner das 61:67 aus dem Hinspiel mehr als wett. Sie werden in Spanien im Halbfinale gegen Bizkaia Bilbao antreten, ein Team, das praktisch Heimvorteil hat. Im anderen Halbfinale spielen BC Valencia und Panellinios Athen um die Finalteilnahme.
Aufopferungsvolle Verteidigung und konzentrierte Offensive
Noch kein deutscher Klub hatte in diesem Wettbewerb die Endrunde erreicht. „Wir haben es geschafft“, sagte Manager Marco Baldi heiser nach der Partie, als die Fans ihn besangen wie seine Spieler. „Wir haben alles gegeben, die Vierzehntausend und die Manschaft.“ Die konsequente, aufopferungsvolle Verteidigung der Berliner ließ das israelische Team nicht zur Entfaltung kommen. Des bulligen Centers Brandon Hunter, der in Jerusalem zwanzig Punkte erzielt und acht Rebounds geholt hatte, nahmen sich reihum die langen Berliner Adam Chubb (14 Punkte), Blagota Sekulic (6) und Cemal Nalga (0) an; mehr als acht Punkte gelangen ihm nicht.
Allein Hapoel-Aufbauspieler Pooh Jeter konnte sich, wie seine 19 Punkte und vier Assists zeigten, gegen die Berliner Defensive durchsetzen. Nächstbester Spieler Jerusalems war Tre Simmons mit zehn Punkten und vier Rebounds. Das reichte nicht. Bei den Berlinern, die schnell mit acht Punkten Vorsprung führten, ragte aus der geschlossenen Mannschaft Derrick Byars heraus, den die Berliner während der Saison von den Chicago Bulls verpflichtete haben. Der Flügelspieler erzielte 16 Punkte, davon neun mit Distanzwürfen, holte vier Rebounds und hatte zwei Steals. Damit half er wie Aufbauspieler Rashad Wright (12 Punkte/3 Rebounds/3 Assists) und Immanuel McElroy (11/4/6), den Ausfall von Mannschaftskapitän und Top-Scorer Julius Jenkins wegen einer Gehirnerschütterung und von Flügelspieler Jurica Golemac zu kompensieren.
Die Berliner spielten so diszipliniert und konzentriert, dass sie nur fünf Ballverluste hatten; Jerusalem produzierte zwölf Turnovers. „Dies ist der größte Erfolg, den ich mit einer Vereinsmannschaft erreicht habe“, freute sich Hamann. Er ist immerhin mit Bamberg zwei Mal deutscher Meister und mit Berlin Pokalsieger geworden. Für Alba Berlin ist dies der größte Erfolg seit dem Gewinn des Korac-Pokals in der Ära von Trainer Svetislav Pesic.
Harnisch ist von der taktischen Meisterschaft des Trainers begeistert
„Jetzt müssen wir unsere Verletzungen auskurieren und in der sehr aggressiven Bundesliga bestehen“, mahnte Trainer Luka Pavicevic. Die frühe Führung seines Teams kommentierte er so defensiv, wie seine Mannschaft spielte: „Sie bedeutet nichts, wenn du das Spiel nicht vierzig Minuten kontrollieren kannst. Aber gut, besser als ein schlechter Start.“
In Spanien, kündigte er an, wolle Alba gegen Bilbao und das spanische Publikum das Ziel der Reise zu erreichen suchen: das Endspiel. Auch Team-Manager Henning Harnisch, der von der taktischen Meisterschaft von Pavicevic geradezu schwärmte, wollte sich nicht vom Glück des Moments einfangen lassen. „Das ganze Team hat gezeigt, dass es sich freuen kann“, sagte er. „Aber es sagt auch: Wir sind noch nicht fertig.“
Ein Tropfen Bitterkeit mischte sich in die Freude. „Wir müssen in Europa niemandem zeigen, wer wir sind“, sagte Manager Baldi im Blick auf den spanischen Gipfel. „Ich habe eher den Eindruck, dass wir das in Deutschland müssen.“ Damit spielte er darauf an, dass sich seine Mannschaft in den täglichen Mühen der Ebene, in der Bundesliga, insbesondere von den Schiedsrichtern schlecht behandelt fühlt. Mit dem Ticket nach Vitoria, daran erinnerten die Berliner, sollten sie sich auch Respekt erworben haben für den Alltag.