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Basketball-EM Unruhe als neue deutsche Strategie

11.09.2009 ·  Nach dem Krimi gegen Lettland starten die Basketballspieler am Freitag (18.15 Uhr) in die EM-Zwischenrunde. Gegner ist zunächst Griechenland. Ob das deutsche Erfolgsrezept wirkt, ist unsicher. Vielleicht hilft ja ein wenig außerirdische Inspiration.

Von Anno Hecker
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Am Donnerstag hat Dirk Bauermann die „Basketball-Götter“ um Hilfe gebeten. Und zwar für das EM-Spiel seiner Nationalmannschaft gegen das Volk der Himmlischen an diesem Freitag in Bromberg (18.15 Uhr / Live im DSF): die Griechen. Etwas außerirdische Inspiration ist gewünscht nach der ziemlich handfesten Qualifikation für die Zwischenrunde dank einer knappen Niederlage gegen Lettland (62:68).

Denn an irdischen Qualitäten fehlt es den Profis von Bauermann nicht. Sie sind gegen Frankreich, beim überzeugenden Spiel gegen Europameister Russland und gegen Lettland auf dem Boden geblieben. Und dabei so flink mit den Füßen gewesen, dass keiner der drei Gegner im Angriff sein Spiel entwickeln konnte. „Das war schon sensationell“, sagt der ehemalige Nationalspieler Henning Harnisch, „wie die Jungs teilweise verteidigt haben.“

Über die Verteidigung zum Erfolg: Das ist ein Fall für Bauermann. Seit einiger Zeit betreibt er begeistert Jugend-Politik im deutschen Basketball, schafft in der Nationalmannschaft Zwanzigjährigen Freiräume, die sie auf Klubebene bislang nicht bekommen. Freispiele aber bietet ihnen der strenge Coach nicht. Er verlangt alles für das Spiel. Bauermann strahlt seit mehr als zwei Jahrzehnten völlige Hingabe aus. Das prägte seine Teams. Bamberg, 2005 und 2007 nicht unbedingt das talentierteste Team, gewann so die deutsche Meisterschaft.

„Dadurch baut sich dann irgendwann ein Druck auf“

Der energischen Nationalmannschaft gelang ohne Nowitzki und Co. überraschend der Sprung unter die besten zwölf Teams in Europa. Schon in der Vorbereitung zeigten die Deutschen, dass sie Gegner von Format unter Einsatz von Spielern aus der zweiten und dritten Liga schlagen können. Vorausgesetzt, sie verstehen sich nicht als Überflieger des Basketballs. Abgehoben wurde allenfalls zu einem Dunking.

Ansonsten nahmen die Deutschen alle gegnerischen Aufbauspieler mehr oder weniger aus dem Spiel und blockierten die Schützen selbst aus traditionellen „Werfernationen“ wie Lettland. „Sie haben immer wieder den Rhythmus gestört“, sagt der Manager der Frankfurter Skyliners, Gunnar Wöbke: „Dadurch baut sich dann irgendwann ein Druck auf, den nicht jeder aushält.“

Weder die Franzosen (55 Prozent Trefferquote bei den Freiwürfen) noch die Russen (62) und auch nicht die Letten (58) wussten aus den Fouls der Deutschen Kapital zu schlagen. „Katastrophal“, sagt Harnisch und: „Das kann man kaum erklären.“

„Es sei denn, er hat Probleme an der Linie“

Der Freiwurf ist der leichteste Distanzwurf; ein Schuss aus dem Stand, ohne Verteidigung, ohne besondere Distanzjustierung zum Korb: ein Geschenk für den Gegner. „Es sei denn, er hat Probleme an der Linie“, sagt der frühere „Scharfschütze“ der Nationalmannschaft, Michael Koch, heute Trainer von Bonn: „Das kann schon an der Fußstellung liegen. Oder die Jungs sind nervös. Dann schaukelt sich das auf. Als Coach muss man damit natürlich spielen.“ Bauermann hat die Gefahr, über Freiwürfe zu verlieren, wohl nicht sonderlich beunruhigt.

Denn die intensive Verteidigung der Deutschen produzierte Tag für Tag so viele Fouls (30,7 im Schnitt) wie bei keinem anderen Team. Die Unruhe ist Teil seiner Strategie. Auch die knallharten Korbanlagen in Polen mögen ein bisschen geholfen haben. Sie sind nagelneu, verzeihen kaum Präzisionsschwächen wie etwa die federnden Anlagen bei Spielen von Amateuren. Doch auch unter Profis gibt es gewaltige Unterschiede. Die Griechen trafen bislang aus allen Lagen. Als wären die Hände der Götter im Spiel.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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