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Basketball-Kommentar : Schröder bremst sich selbst

Klarheit gefragt: Dennis Schröder steht sich selbst manchmal im Weg Bild: dpa

Dennis Schröder gehört zu der seltenen Klasse der Sportler, die ein Spiel „alleine“ entscheiden könnte. Konjunktiv? Ja, denn der Außnahmekönner steht sich vor dem EM-Spiel gegen Italien noch zu oft selbst im Weg.

          Dennis Schröder garantiert Punkte. Das gibt es selten. Umso wertvoller ist der Aufbauspieler der Atlanta Hawks für die deutsche Nationalmannschaft, die an diesem Dienstag (17.30 Uhr/ live bei Telekom) gegen Italien spielen muss. Nach drei Spielen in der Vorrunde der Europameisterschaft muss auch dem letzten Zuschauer klargeworden sein, dass der Braunschweiger sogar durch Fouls kaum zu stoppen ist. Schröder spielt um wenigstens eine Klasse besser als noch vor zwei Jahren. Er hat nicht nur im Schnitt 25 Punkte erzielt, sondern bedient seine Teamkollegen mit erstklassigen Assists. Und als die Deutschen im Spiel gegen Israel am Sonntagabend anfangs ihren Rhythmus nicht fanden, ihre Verteidigung zu wünschen übrigließ, da zeigte Schröder eine mitreißende Verteidigungsintensität. Es gibt eigentlich nur einen, der Schröder ernsthaft bremsen kann: er selbst.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Auf den ersten Blick verloren die Deutschen gegen Israel trotz einer 16-Punkte-Führung 80:82, weil fast die gesamte Mannschaft nicht mehr traf. Obwohl sie, unter der Regie von Schröder, genügend Gelegenheiten hatte, sogenannte „freie Dreier“, also ungedeckte Würfe jenseits der Dreipunktelinie, zu verwandeln. Selbst der allerletzte, vergebliche Versuch des starken Daniel Theis, freigespielt von Schröder, offenbarte, wie lange die Deutschen es in der Hand hatten, als Sieger vom Feld zu spazieren. Fast bis zur letzten Sekunde.

          Solche Spiele auf des Messers Schneide sind Partien, in denen die Schröder-Typen den sofort erkennbaren Unterschied ausmachen. In denen sie mit ihrem Spielwitz und ihren Fähigkeiten ihrem Team eine unsichtbare Tür zum Sieg öffnen. Es hat wenig dazu gefehlt, vermutlich nur ein bisschen mehr Respekt. Jene Achtung, die Schröder für sich einfordert von aller Welt des Basketballs. Stars wie ihm, deren besondere Kunst Wohlwollen auslöst, sind Schiedsrichter schon mal gnädiger gesinnt in schwer zu deutenden Foulszenen. Schröder aber hat von dieser Gunst bei der Europameisterschaft noch nichts zu spüren bekommen, obwohl ihm die Gegner gerne absichtlich mit ihren Hünen zu Leibe rücken. Das mag auch an seiner Jugend (23) liegen. In Israel aber verdichtete sich der Eindruck, Schröders Verhalten provoziere alles, nur keinen Bonus.

          Seine Theatralik nach erwarteten, aber ausgebliebenen Pfiffen, sein zur Schau getragenes Unverständnis nach berechtigten Entscheidungen gegen ihn, seine Neigung, schnell in Debatten einzusteigen und unpassende Bemerkungen loszuwerden, mündeten in ein viertes Foul, ein technisches Foul, ein höchst überflüssiges und dazu schmerzhaftes. Um die Gefahr des fünften Fouls, dem ein Spielausschluss folgt, zu minimieren, musste Coach Chris Fleming seinen wichtigsten Mann länger vom Feld nehmen als geplant. Das hat mehr als zwei Punkte gekostet. Garantiert.

          Quelle: F.A.Z.

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