15.05.2007 · Basketballstar LeBron James hat durch seine Siege mit den Cleveland Cavaliers in der NBA eine ganze Stadt wiederbelebt. „King James“, der als erster Sportler Milliardär werden will, gibt sich gern überirdisch: „Ich sehe Dinge, ehe sie passieren.“
Von Jürgen Kalwa, New YorkDas Haus wird alles haben, was ein Mann so braucht, wenn er sich das Leben leichter machen will: einen Kinosaal, eine Bowlingbahn, ein Casino, ein Musikstudio und einen Frisiersalon. Eine Garage mit Platz für sechs Autos. Und ein Schlafzimmer für den Hausherrn und seine Gattin, das knapp 200 Quadratmeter groß ist. Um die Villa bauen zu können, hat LeBron James vor ein paar Jahren für 2,1 Millionen Dollar in einer der besseren Wohngegenden vor den Toren der Stadt ein Grundstück von zwei Hektar gekauft und die riesige Villa auf dem Gelände abreißen lassen.
Die Baumaßnahme - Einzugstermin Sommer 2008 - wird von den Sportanhängern in Cleveland und Umgebung mit viel Wohlwollen verfolgt. Denn der Mann, der auf seinem Rücken in riesigen Buchstaben die blasphemische Tätowierung "Chosen 1" ("der Auserwählte") und den biblisch angehauchten Spitznamen "King James" trägt, ist der Hoffnungsträger schlechthin.
„Stadterneuerung in Basketballschuhen“
Der 22-Jährige aus dem Nachbarort Akron hat nicht nur den Cleveland Cavaliers aus den dunklen Tiefen des Tabellenkellers der NBA geholfen. Er wurde innerhalb kürzester Zeit neben dem Ausnahmegolfer Tiger Woods auch zu einer populären Werbe-Ikone. James repräsentiert neben Sportausrüster Nike (auf Basis eines mit 90 Millionen Dollar dotierten Vertrages) eine ganze Reihe amerikanischer Firmen, darunter Konzerne wie Coca-Cola und Microsoft.
Seine Medienpräsenz hebt die Stimmung in der wirtschaftlich angeschlagenen ehemaligen Industriestadt. Zumal das örtliche NFL-Team seit Jahren im neuen Stadion am Ufer des Erie-Sees ziemlich miserabel spielt und die starke Zeit der Cleveland Indians in der Baseball-Liga schon eine Weile zurückliegt. "Er ist Stadterneuerung in Basketballschuhen, der stolzeste Beleg für Sport in dieser Stadt", befand die "Washington Post". Als ihn die Cavaliers bei der Draft 2003 auswählten, galt er bereits als vielversprechendes Talent: ein technisch versierter Spieler von 18 Jahren mit einem Gardemaß von 2,03 Metern, der zu dribbeln, zu passen und zu dunken versteht.
James will mehr Offensive
Die Hoffnung, mit ihm für die Zukunft planen zu können, trog nicht. Mittlerweile gehört James zu den besten Korbschützen der Liga und führte das Team vor ein paar Tagen in die zweite Play-off-Runde. Die Chancen, unter die letzten vier zu kommen, sind blendend. Die Cavaliers gewannen drei der bisher vier Begegnungen der Best-of-seven-Serie gegen die New Jersey Nets. So etwas nährt Hoffnung. Es weckt aber auch Erwartungen. Es reicht nicht mehr, dass James, verheiratet und Vater eines Sohnes, seine besonderen basketballerischen Fähigkeiten mit den Worten beschreibt: "Ich sehe Dinge, ehe sie passieren. Ich weiß irgendwie, wo meine Nebenleute sein werden, manchmal sogar, ehe die das wissen."
Denn irgendwann würden die Fan gerne erleben, dass die visionäre Kraft auch durchschlagenden Erfolg herbeiführt. Tatsächlich schwelt zwischen Trainer Mike Brown und ihm ein Konflikt über die ideale Taktik. James würde gerne mehr auf die Offensive setzen, um auf diese Weise den Unterhaltungswert der Spiele zu steigern. Der Coach legt größten Wert auf die Verteidigungsarbeit, das klassische Lenkungsinstrument, um eine Gruppe von Individualisten an die Kandare zu nehmen und ihnen Verantwortung einzuimpfen.
Wohlmeinender Kumpel
James, der sich allen Ernstes vorgenommen hat, als erster Sportler Milliardär zu werden, steht im Ruf, ein disziplinierter Typ zu sein, hart zu trainieren, stets über eine gute körperliche Verfassung zu verfügen. Doch anders als Michael Jordan, der seine Mannschaftskollegen im Training zusammenstauchte und eine Gemeinschaft formte, in der er sich als Hauptdarsteller inszenieren konnte, der eine Show mit gut funktionierenden Statisten auf die Beine stellte, verhält sich LeBron James bisher eher wie ein wohlmeinender Kumpel.
Diese Haltung schließt allerdings nicht die Verantwortlichen der amerikanischen Nationalmannschaft ein, die sich angesichts des wachsenden internationalen Prestigeverlusts von "Basketball made in USA" in diesem Sommer ganz auf das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2008 in Peking konzentrieren wollen, das in Las Vegas steigt. Anfang April ließ James vorsorglich durchblicken, dass seine Teilnahme nur zu 50 Prozent sicher sei. Nachdem er in dieser Saison mit einer Reihe von Verletzungen zu kämpfen hatte, sagte er: "Gesundheit ist immer ein Thema."
Angriff auf den chinesischen Markt
Da dem amerikanischen Team bereits Dwayne Wade von den Miami Heat fehlen wird, der sich einer Schulteroperation unterzieht, warnte Jerry Colangelo, der sportliche Direktor der Nationalmannschaft, schon mal alle aus dem Kader, die mit Fahnenflucht liebäugeln: Wer nicht in Las Vegas dabei sei, könne auch Peking vergessen.
Ein Rauswurf aus dem Kader wäre für LeBron James allerdings so etwas wie kommerzieller Selbstmord. Fast alle seine Werbeverträge enthalten Klauseln, die ihm Bonuszahlungen zusichern, wenn er bei Olympia dabei ist. Und er selbst hat einen ganzen Marketingplan aufgestellt, um den basketballversessenen chinesischen Massenmarkt in Angriff zu nehmen. Die Ausgangslage ist nicht schlecht. Schon jetzt verkauft sich sein Cavaliers-Trikot mit der Nummer 23 besser als das des chinesischen Centers Yao Ming.
Nicht ganz so überraschend
Daniel Kasack (DKasack)
- 15.05.2007, 17:50 Uhr
kumpel?
Uli Houtman (his-airness)
- 15.05.2007, 19:32 Uhr