05.10.2007 · Ademola Okulaja ist schon jetzt einer der spektakulärsten Neuzugänge in der Basketball-Bundesliga. Doch er ist nicht der einzige international erfahrener Rückkehrer. Auch Pascal Roller, Misan Nikagbatse und Patrick Femerling spielen wieder in Deutschland.
Von Leonhard KazdaEin wenig müde wirkte Dirk Bauermann am Dienstagabend schon. 70:51 hatte seine Mannschaft gerade im Duell Basketball-Meister gegen Pokalsieger um den "Champions Cup" die Köln 99ers geschlagen. Und Bauermann, der sich zwischen seinem Job als Bundestrainer bei der Europameisterschaft in Spanien und dem Bundesligastart an diesem Wochenende als Coach des Meisters Bamberg nur eine kurze Regeneration gegönnt hatte, saß ermattet bei der Pressekonferenz in der Bamberger Arena.
Am Ende wurde Bauermann aber doch noch einmal lebendig. Bei der Frage nach seinem Neuzugang Ademola Okulaja geriet der Meistertrainer ins Schwärmen: "Seine Erfahrung, sein Biss und seine Entschlossenheit werden uns sehr weiterhelfen", sagte Bauermann. "Und was mir am besten an ihm gefällt: Er versucht nicht, individuell zu glänzen."
Gestiegene Etats, geänderte Ligapolitik
Okulaja, der 32 Jahre alte Allrounder, ist schon jetzt einer der spektakulärsten Neuzugänge in der Bundesliga, die sich über eine ganze Reihe Rückkehrer freut. In Frankfurt ist Spielmacher Pascal Roller wieder aus Italien zurück; Misan Nikagbatse wird für Köln antreten, und auch Patrick Femerling wird wieder für Alba Berlin spielen. Die Rückreisewelle spricht für die Attraktivität der Liga, in der sich viele Klubs über gestiegene Etats freuen - und vielleicht auch für die Ligapolitik, die in diesem Jahr drei deutsche Profis auf den Spielberichtsbögen bei Partien der BBL vorschreibt. Da ist es verständlich, dass sich die Spitzenteams die Dienste von international erfahrenen Spielern mit deutschem Pass sichern.
Dass einer wie Okulaja nun in die fränkische Provinz gezogen ist, liegt vor allem an der Qualität des deutschen Meisters. Männern seines Kalibers, die auch in der Bundesliga internationale Ambitionen haben, geht es dabei auch um die Präsenz in der Euro League, in der Bamberg vertreten ist. "Das ist für mich ein ganz großes Argument", sagt Okulaja. Daneben spielt natürlich auch das Geld eine wichtige Rolle - freilich nicht nur die Summe, die monatlich auf die Konten der Profis eingezahlt wird, sondern auch die Zuverlässigkeit und die Regelmäßigkeit, mit denen die Zahlungen eintreffen. Die Vereine der BBL stehen in puncto Seriosität und Zahlungsmoral ziemlich gut im europäischen Vergleich da.
Weltreisender in Sachen Basketball
Geld allein ist nicht alles - und wenn es Okulaja nur darum gegangen wäre, hätte er sich sicherlich wieder einem Klub wie Khimky Moskau anschließen können, wo er bis 2006 spielte. In der russischen Hauptstadt genoss der in Senegal geborene Okulaja den Sonderstatus eines Sportprofis mit Chauffeurservice zum Training und nach Hause. "Das mit dem Chauffeur klingt toll", sagt Okulaja, "aber den hatten alle Spieler. Vor allem, weil es einfach zu gefährlich ist, in Moskau allein im Auto auf einer dicken Eis- und Schneedecke unterwegs zu sein."
Der Mann, der als Jugendlicher beim DTV Charlottenburg als eine Art Alleinunterhalter galt und beim TuS Lichterfelde zum Spitzenspieler reifte, bevor er 1993 zu Alba Berlin wechselte, ist eine Art Weltreisender in Sachen Basketball. Girona, Barcelona, Malaga, Treviso, Valencia, Köln, Moskau - Stationen eines bewegten Basketballerlebens.
Auch jenseits des Atlantiks hat der 2,06 Meter große Deutsche, der es gerne hört, wenn er "Oak" oder "Warrior" genannt wird, und seinen alten Berliner Spitznamen "Adi" nicht sonderlich mag, gespielt und gelernt. Er stand im College-Team der Tar Heels an der Universität von North Carolina. Doch beim Sprung in die NBA kam Okulaja nicht über Kurzvorstellungen bei den Philadelphia 76ers, Antonio Spurs und Utah Jazz hinaus.
„Sensationelles Sahnehäubchen“
Die Sache mit der NBA ist für Okulaja inzwischen Vergangenheit. Bei der Europameisterschaft in Spanien, wo er mit dem Team von Bundestrainer Bauermann Fünfter wurde, war er neben Dirk Nowitzki der wichtigste Spieler. In der Vorbereitungszeit auf die Titelkämpfe sind auch die Pläne gereift, nach Bamberg zu ziehen und andere Angebote - unter anderem zwei aus Russland - auszuschlagen.
Und es gibt noch einen wichtigen Grund für Okulaja, in Deutschland Basketball zu spielen: Seit dreieinhalb Monaten ist er Vater eines Jungen. "Da ist Bamberg eine sehr gute Umgebung", sagt Okulaja. Und darben muss der bei der späten Verpflichtung im August von Trainer Dirk Bauermann als "sensationelles Sahnehäubchen" gepriesene Allrounder auch hier nicht. Wohnung und Auto gehören inzwischen zur Standardausstattung für Profis bei halbwegs potenten Klubs der ersten Klasse. Bei Einzug ist der Kühlschrank gefüllt, so dass dem Basketball nichts im Wege steht. Im Falle von Okulaja ist es nicht nur eine Wohnung, sondern gleich ein Haus geworden. Und er fährt den gleichen noblen Geländewagentyp eines Ingolstädter Herstellers, den im Team nur noch einer steuert: Trainer Bauermann.