28.08.2007 · Einst machten sie gemeinsame Sache. Nun könnten sie sich 2008 in Peking gegenüberstehen: Dirk Nowitzki und der Chinese Wang Zhizhi sprechen im Interview über dicke Autos, die Glamour-Welt der NBA und den Reiz Olympias.
Einst machten sie gemeinsame Sache. Nun könnten sie sich 2008 in Peking gegenüberstehen: Dirk Nowitzki und der Chinese Wang Zhizhi sprechen im Interview über dicke Autos, die Glamour-Welt der NBA und den Reiz Olympias.
Wären Sie gern ein Chinese?
Nowitzki: Warum Chinese?
Dann hätten Sie die Qualifikation für Peking sicher und wüssten schon jetzt wie Ihr Kollege Wang Zhizhi, dass Sie am olympischen Basketballturnier teilnehmen.
Nowitzki: Das ist ein guter Gedanke. Aber ich hoffe, wir werden uns als deutsches Team bei der bevorstehenden Europameisterschaft für 2008 qualifizieren. Und dann gibt es ja noch eine Chance beim vorolympischen Turnier.
Wang: Dirk macht das schon.
Was ist für Sie beide die Besonderheit an Olympia?
Wang: Ich habe es 1996 und 2000 erfahren - beim olympischen Turnier geht es ausschließlich um Sport. In der NBA zählen dagegen Geld und Geschäft. Die NBA ist ein perfektes Drama, eine große Show.
Nowitzki: Ich war noch nie bei Olympia, aber ich denke, es ist ein besonderes Gefühl. Einzumarschieren ins Stadion, zusammen mit den anderen Athleten im Dorf zu wohnen, andere große Wettkämpfe zu sehen - das ist der Reiz neben der eigenen sportlichen Herausforderung.
Wang: Bei Olympia erfüllt sich der Traum des kleinen Jungen.
Nowitzki: Ich sehe das jetzt beim Nationalteam in der Vorbereitung auf die EM. Da ist richtige Kameradschaft, man lebt über viele Wochen eng zusammen, isst gemeinsam und liegt im Hotel zu zweit auf dem Zimmer. Das alles gibt es in der NBA nicht. Obwohl man neun oder zehn Monate am Stück zusammen unterwegs ist, drei- oder viermal in der Woche Spiele hat, von Hotel zu Hotel, von Flughafen zu Flughafen zieht, geht jeder nach dem Training oder nach den Spielen seinen eigenen Weg. Obwohl ich gut klarkomme mit diesen zwei Welten.
Wang: Ja, das war für mich eine große Umstellung, als ich in die NBA kam. Die Amerikaner haben mich ausgelacht, als ich ihnen erzählte, dass unser Team in China in großen Schlafsälen untergebracht war.
Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere in der NBA gemeinsam bei den Dallas Mavericks gespielt.
Nowitzki: Wir haben damals sogar im selben Appartement-Komplex gewohnt ...
Wang: ... bis Dirk in die große Villa gezogen ist.
Nowitzki: In ein Haus.
Als Multimillionär muss man in den Vereinigten Staaten seinen Reichtum ja vorzeigen.
Nowitzki: Man lernt dazu, es gehört zur großen Show. Wer gutes Geld verdient, zeigt es in den USA. Anders als in Deutschland. Wer da ein schnelles Auto fährt, gilt gleich als Prolet.
Welche Statussymbole bevorzugen Sie denn?
Nowitzki: Du musst da schon mitmachen. Bei uns in Dallas fahren die Spieler sechs oder sieben Autos und kommen jeden Tag mit einem anderen. Das ist normal, und die Leute sagen: Schau her, das hat er sich hart erarbeitet. Gewiss hat das etwas Oberflächliches, aber den Neid von so manchem Deutschen mag ich auch nicht.
Fahren Sie auch sieben Autos?
Nowitzki: Nein, zwei. Ein Auto ist für mich, das andere für meine Familie, wenn da jemand zu Besuch kommt.
Wang: Dirk ist typisch deutsch. Diszipliniert, konservativ.
Und Sie?
Wang: Ich bin auch eher zurückhaltend. Als ich in der NBA spielte, habe ich versucht, diese kommerzielle Glamourwelt zu trennen von meinem privaten Leben. Ich habe den Fokus nicht aufs Geld, sondern den Basketball gelegt, auch wenn das nicht immer einfach war. Ich bin keiner, der dicke Ringe oder Goldketten braucht für ein gutes Gefühl.
Aber doch bestimmt einen Ferrari oder Porsche?
Wang: Für diese Wagen bin ich zu groß. Da käme ich vielleicht rein, aber nicht mehr raus. Sowieso fahre ich selbst kein Auto.
Sie sind beide um die dreißig Jahre alt. Was kann man in diesem Alter noch lernen im Basketball?
Wang: Dirk, du weißt, deiner linken Hand fehlt noch ein bisschen das Ballgefühl ...
Nowitzki: ... und deine rechte ist keine Offenbarung. Nein, Spaß beiseite. Ich sehe mich noch nicht am Ende der Fahnenstange. Und die Entwicklung im Top-Basketball geht rasend voran, da muss man ständig dranbleiben und das Spiel verfeinern.
Auch durch Individualtraining mit Ihrem Mentor Holger Geschwindner?
Nowitzki: Daran hat sich nichts geändert. Wir entwickeln weiterhin gemeinsam Programme für mich.
Zum Beispiel?
Nowitzki: Zum Standard gehört die Verbesserung der Schusstechnik. Der Trend auf dem Top-Niveau geht etwas weg von der Power unter dem Korb hin zu mehr Raffinesse und Technik. Da muss man verschiedene Varianten auf Lager haben.
Nach der vermasselten NBA-Saison im Frühjahr mit Dallas wurde Ihnen mangelnde Führungsstärke vorgeworfen. Wie ernst nehmen Sie das?
Nowitzki: Es wird viel erzählt. Aber natürlich mache ich mir auch Gedanken darüber, wie ich einen besseren Beitrag leisten kann fürs Team. Alles andere wäre doch widersinnig. Es gibt noch so viele Facetten des Spiels, die ich besser beherrschen will.
Ihr Kollege Wang Zhizhi steht mit dem chinesischen Nationalteam unter Druck, weil er bei den Spielen in Peking Gold gewinnen muss.
Wang: Was, Gold? Chinas Basketballer haben andere Ziele. Wir wollen den achten Platz von Athen verbessern.
Ist diese Zielsetzung nicht zu zurückhaltend für die nach Erfolgen lechzende chinesische Öffentlichkeit?
Wang: Für Goldmedaillen sind die Schwimmer oder Tischtennisspieler bei uns zuständig. Wir wollen unseren Sport in China voranbringen und können vielleicht für eine Überraschung sorgen.
Nowitzki: Dann würden eure Fans ausflippen. Als wir im vergangenen Jahr mit dem Nationalteam in China gespielt haben, konnte man die Begeisterung für Basketball hautnah spüren. Ich wurde umlagert wie ein Rockstar, eine Menschentraube um mich herum, fünf Bodyguards passten auf. Das war eine ganz neue Erfahrung.
Sie haben das chinesische Team gerade zweimal in Deutschland besiegt. Was trauen Sie ihm zu bei Olympia im eigenen Land?
Nowitzki: Mir gefällt dieses Team. Mit Yao Ming und Wang Zhizhi sind da richtige Granaten, die punkten können. Und mir gefällt dieser junge Yi Jianlian, der bald für die Milwaukee Bucks spielen wird.
Das Gespräch führte Michael Ashelm.