02.10.2006 · Einheimische Akteure spielen nach Wegfall der Ausländerbeschränkungen keine Rolle mehr in der Basketball-Bundesliga. Nur drei Spieler pro Team müssen einen deutschen Paß haben. Auf dem Feld stehen vor allem Amerikaner.
Von Achim Dreis, FrankfurtNach zwei Minuten und sechs Sekunden im ersten Saisonspiel zwischen den Deutsche Bank Skyliners und ratiopharm Ulm hatte der deutsche Basketball in der Frankfurter Ballsporthalle erst einmal ausgedient. Der in Anspach geborene Forward Alex King verließ das Feld und überließ seinen Platz dem Amerikaner George Reese.
Zu den Starting Five hatten schon dessen Landsleute Travon Bryant, Eric Chatfield und Jimmy McKinney gehört. Und auch der letzte Europäer, der Bosnier Miroslav Todic, übergab die Center-Position bald an Tate Decker - einen Amerikaner. Die Frankfurter Basketballmannschaft firmierte zu diesem Zeitpunkt längst unter der Rubrik „Deutsche auf der Bank Skyliners.“
Zehn Prozent Stammspieler sind Deutsche
Ganze drei Akteure jeder Mannschaft müssen nach den Regularien der Basketball-Bundesliga (BBL) noch über einen deutschen Paß verfügen, zwei davon auf dem Spielberichtsbogen stehen. Bei den Skyliners sind immerhin fünf Deutsche im Kader, drei dürfen auch mitspielen: Dominik Bahiense de Mello, Stefano Garris und King. Dagegen ist sogar die Frankfurter Integrationsfigur Pascal Roller nach acht Jahren am Main ins Ausland gewechselt, er spielt jetzt in Italien.
Und so sieht es in der ganzen Liga aus. Nur zehn Prozent der Stammspieler in den 18 Bundesliga-Teams sind Deutsche. Und umgekehrt sind nur sieben deutsche Nationalspieler in der BBL am Ball. 76 von 123 Neuzugängen kommen dagegen aus den Vereinigten Staaten.
Die Co-Trainerin als einzige Konstante
„Ich würde mir schon wünschen, wenn wir andere Strukturen hätten und mehr Eigengewächse in der Mannschaft“, sagt Daphne Bouzikou, die Co-Trainerin der Skyliners: „Ich bin da eher altmodisch. Aber wenn man sich die Welt anschaut, muß man sich von dem Denken wohl lösen.“
Dabei ist Daphne Bouzikou (37), eine in Deutschland geborene Griechin, die sich gerade um einen deutschen Paß bemüht, noch die einzige Konstante im Team der Skyliners. Sie geht in ihre achte Saison als „Assistent Coach“, hat in dieser Zeit sechs Trainer erlebt: „Jedes Jahr ein neuer Chef.“ Und jedes Jahr eine neue Philosophie. Nach der deutschen (Stefan Koch), der kanadischen (Gordon Herbert) und der türkischen (Murat Didin) ist zur Zeit ist die amerikanische Denkweise von Charles Barton angesagt.
Supervision als Schlüssel zum globalen Spiel
Wobei die Griechin das sportliche Geschehen noch für kontrollierbar hält. „Das Basketball-Spiel ist letztlich immer gleich“, meint Bouzikou: „das Entscheidende ist die Gruppendynamik.“ Nur wenn es gelingt, Grüppchenbildung außerhalb des Spielfeldes zu vermeiden, sei auch sportlicher Erfolg möglich. „Bis jetzt ist alles toll, aber in der Pre-Saison ist immer alles toll.“ Daphne Bouzikou hat die Problematik der globalisierten Sportwelt erkannt und stellt sich den gestiegenen Anforderungen: sie macht eine Supervisionsausbildung mit Schwerpunkt Gruppendynamik.
Doch auch im Spielverständnis der neuen Mannschaft liegt noch einiges im Argen, nimmt man das in letzter Sekunde glücklich gewonnene Auftakt-Spiel gegen Ulm als Maßstab. Ein desolates erstes Viertel (16:26) mit Abspielfehlern, technischen Schwächen und Mißverständnissen ließen die 4500 Zuschauer daran zweifeln, daß „ihr Team“ einen guten Saisonstart hinlegt. Doch die Mannschaft wuchs mit zunehmender Spielzeit tatsächlich zusammen, hielt den Abstand zumindest konstant, schaffte beim 59:59 (33.) erstmals den Ausgleich und lag genau einmal in Front: mit der Schlußsirene, als ein Dreier von McKinney durch den Korb rauschte (73:72).
„Alle müssen kämpfen, egal wo sie her kommen“
„Erste Spiele sind immer schwer“, sagte der in Paderborn geborene deutsche Nationalspieler Stefano Garris, der es letztlich auf immerhin knapp 18 Minuten Einsatzzeit brachte: „Aber wir haben an uns geglaubt.“ Der aus Bonn stammende Dominik Bahiense de Mello spielte neun Minuten, Alex King stand sogar gut 23 Minuten auf dem Feld.
Daß er als Deutscher in einem amerikanisch dominierten Team eine Außenseiterrolle einnimmt, sieht King übrigens nicht: „Wichtig ist, daß das Team sich versteht, und die Trainer hinter dir stehen. Sprache und Herkunft sind egal.“ Die jüngst geäußerte Kritik von Dirk Nowitzki, deutsche Spieler seien einerseits zu weich, und hätten andererseits zu wenig Spielchancen, konnte der 21jährige nicht nachvollziehen: „Alle müssen kämpfen, egal wo sie her kommen.“
Auch das Publikum hat sich im Laufe des Spiels auf die neue Mannschaftszusammensetzung eingestellt. Am Anfang noch skeptisch, am Ende enthusiastisch wie zu besten Zeiten. „Basketball ist ein schnelles Spiel, das fördert das schnelle Denken“, meint Bouzikou. Wobei wenigstens der Name des Fan-Clubs halbwegs daran erinnert, daß die Mannschaft vom Main kommt: „Skybembels“.