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Basketball Der Neue ist ein alter Bekannter

22.02.2012 ·  Vor mittlerweile 19 Jahren wurde Deutschland Basketball-Europameister - eine Sensation. Nun kehrt der Mann als Bundestrainer zurück, der die DBB-Auswahl damals zum Titel führte: Svetislav Pesic.

Von Anno Hecker
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© dpa Als Bundestrainer zurück: Svetislav Pesic

„Hallo, jetzt nicht, ich bin beim Training.“ Nichts hat sich geändert. Wer Svetislav Pesic am Mittwoch angerufen hat und Kontakt bekam, traf einen Mann an, der mit dem Kopf beim Basketball war. Es soll Ausnahmen geben von dieser Regel. Pesic machte keine. Kurz zuvor hatte der Deutsche Basketball-Bund (DBB) die Verpflichtung des Serben als neuen Bundestrainer nolens volens bestätigt.

Das war ein Coup mit Ansage: Seit Wochen kursierte das Gerücht, der Übervater des deutschen Basketballs in den neunziger Jahren kehre zurück. Anfang Februar haben sich DBB-Präsident Rolf-Ingo Weiss und der Coach per Handschlag geeinigt. 19 Jahre nach dem spannenden EM-Finale, dem sensationellen Sieg der Deutschen in München über Russland (71:70) unter ihrem charismatischen Chef Pesic, setzt der DBB noch einmal auf die Attribute dieses Trainers. Mit seinem Namen verbinden sich Disziplin, Durchsetzungsfähigkeit, Erfolg. Die Rückbesinnung soll in die Zukunft weisen.

Pesic ist ein Fall für schwierige Fälle. Welcher Trainer aus dem europäischen Basketball-Mekka Jugoslawien wollte 1987 schon nach Deutschland gehen, wo es lange, schlaksige, aber angeblich weniger talentierte Spieler gab? Der Serbe, damals Weltmeister mit den hochtalentierten Junioren, also Jugendcoach einer späteren Weltauswahl, wagte den Schritt. Er sprach kaum ein Wort Deutsch und wurde doch sofort verstanden. „Man muss den ganzen Tag an Basketball denken, wenn man Erfolg haben will“, sagte Pesic, als er es nach fünf teils mühevollen Jahren etwa bei ernüchternden Qualifikationsturnieren in der Provinz geschafft hatte: erst die Olympiateilnahme 1992, dann im Jahr darauf Europameister mit der Generation Henning Harnisch, mit einem Ensemble, das er geformt hatte.

Triumphe über Triumphe

Pesics Karriere verlief von da an steil nach oben: Korac-Cup-Sieger mit Alba Berlin 1995, viermal deutscher Meister, Pokalsieger, Europapokalsieger mit dem FC Barcelona, Europameister und Weltmeister mit Serbien. „Wir sind schon stolz, ihn wieder bei uns zu haben“, sagt Weiss. „Er war unser erster Kandidat, er ist der Trainer, den wir haben wollen.“

Das klingt nach dem Versuch eines Neuanfangs. Dabei hatte der DBB gar keinen neuen Coach verpflichten wollen. Die Bundesliga aber zwang den Verband dazu, weil sie eine Doppelfunktion von Dirk Bauermann, dem Trainer des FC Bayern München, nicht duldete. Trotzdem wirkt diese Personalie nun wie ein Einschnitt. Der 33 Jahre alte Dirk Nowitzki wird vorerst nicht in die DBB-Auswahl zurückkehren, seine jüngeren, hoch geschätzten Mitspieler hatten es zuletzt schwer, sich auf europäischem Spitzenniveau zu behaupten.

„Wir versprechen uns von Svetislav natürlich auch neuen Schwung“, sagt Weiss. Darauf wird er nicht warten müssen. Der 62-jährige Vater des früheren deutschen Nationalspielers Marko Pesic, inzwischen Sportdirektor bei den Bayern, hat nichts von seiner Dynamik eingebüßt. Wie eh und je steht er an der Seitenlinie und spielt mit: am liebsten in Verteidigungshaltung. Pesics Engagement über die Grenzen hinaus ist legendär. Bei einem Länderspiel in Bonn zierte sich der Trainer einst nicht, bei einem Schnellangriff des Gegners nahe der Seitenlinie den Ball abzufangen.

Zweites Engagement in Belgrad?

Es sind diese beherzten Eingriffe, die das Bild geprägt haben. Pesics Entscheidungen haben damals die Zentrale des DBB immer wieder in Aufregung versetzt. Er sah sich schon vor zwanzig Jahren eben nicht allein als Angestellter, er packte zu, wenn er den Weg verstellt sah. Und wenn es nur darum ging, den überforderten, mit überhöhtem Tempo dahinrauschenden Chauffeur aus dem DBB-Management am Steuer abzulösen. Bis heute lenkt Pesic gerne selbst.

„Die Verpflichtung war nicht kompliziert“, sagt DBB-Chef Weiss zu den Verhandlungen in Berlin und Belgrad fröhlich. „Wir haben erst über das Konzept und die Entwicklung der Nationalmannschaft gesprochen, dann über das Geld. Und wir konnten uns schnell einigen.“

Details wollen DBB und Pesic, wenn überhaupt, erst auf einer Pressekonferenz Anfang März bekanntgeben. Etwa ob und wann der neue Alte sein Engagement in Belgrad aufgibt, um sich auf die DBB-Auswahl konzentrieren zu können. Im Frühsommer soll sich die Nationalmannschaft auf die EM-Qualifikation vorbereiten. Spätestens dann werden die jungen Spieler einen Mann kennenlernen, der vor der Entwicklung von Dirk Nowitzki zum Star die deutsche Szene beherrschte. Damals war der bekannteste Basketballer im Land der Trainer. Dessen Erfolge als Spieler von Bosna Sarajevo (1979 Europapokalsieger der Landesmeister) lagen zu dieser Zeit schon mehr als 15 Jahre zurück.

Heute begegnen Profis dem hochdekorierten Haudegen des europäischen Spitzenbasketballs fast mit Ehrfurcht. Selbst die etablierten deutschen Nationalspieler werden bald merken, dass ihr neuer Boss weit über das Spielfeld hinaus denkt, bis ins Privatleben (seiner Spieler) hinein. Aus lauter Fürsorge. Pesics Stil hat nicht jedem Freidenker der Ära Harnisch behagt und Widerspruch erzeugt. Manchmal führte auch das zu einem guten Ende. Als der Bundestrainer 1993 Center Christian Welp wegen eines nichtgenehmigten Urlaubstages aus der EM-Mannschaft streichen wollte, schritt DBB-Präsident Manfred Ströher ein. Das zahlte sich aus. Welp erzielte im Halbfinale und im Finale die entscheidenden Punkte.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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