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Basketball Der Feind unterm Korb

18.05.2009 ·  Chris Ensminger ist der „Bad Boy“ des Basketballs. Der Center der Paderborn Baskets kann kräftig austeilen, muss aber auch mächtig einstecken. „So etwas gehört dazu in einem kontaktlosen Sport“, sagte Ensminger lakonisch.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Vielleicht sollten sie die Play-off-Spiele der Basketball-Bundesliga Kampfabende nennen und ihnen, wie beim Boxen, ein martialisches Motto geben. Das 78:71 zwischen Titelverteidiger Alba Berlin und Underdog Paderborn Baskets jedenfalls inszenierten der Basketballprofi Chris Ensminger und die mehr als 11.000 Berliner Zuschauer lustvoll als „Staatsfeind Nummer eins“.

Das hat ein bisschen was von Folklore: Auch als er noch mit Bamberg nach Berlin kam, wurde Ensminger ausgebuht. Nun ist er, von den Trainern der Liga zum besten Center der Saison gewählt, für Paderborn am Ball, und Alba hat so viele Zuschauer wie noch nie. Schon nach wenigen Aktionen sah sich das Publikum in seiner leidenschaftlichen Abneigung bestätigt und fand sich in Sprechchören zusammen: „Ensminger raus!“

„Ostwestfalen ist ja berühmt für Handball

Alba-Manager Marco Baldi sprach mokant davon, Paderborn pflege einen rustikalen Stil. Teammanager Henning Harnisch lästerte: „Ostwestfalen ist ja berühmt für Handball, aber eigentlich spielen wir ein anderes Spiel.“ Und Trainer Luka Pavicevic fand, er habe „eine echte Play-off-Schlacht“ erlebt.

Der Turm in der Schlacht ist 2,09 Meter lang, eher schlaksig und mit einem ungeheuren Kampfeswillen ausgestattet. „Ich spiele hart, ich spiele aggressiv“, sagte Ensminger nach der Partie. „Jede Mannschaft macht etwas, und manchmal gerät das ein bisschen außer Kontrolle. Aber das ist Teil des Spiels.“ Mit 14 Punkten, 13 Rebounds und handgreiflichem Einsatz unterm Korb treibt der 35-jährige Ensminger das Spiel seiner Mannschaftskameraden voran und seine Gegenspieler zur Weißglut. „Ich spiele nicht dreckig“, verteidigte er sich am Sonntagabend. „Man muss aggressiv spielen; dies sind die Play-offs. Und dies war eines unserer besseren Spiele gegen Alba Berlin.“

„So etwas gehört dazu in einem kontaktlosen Sport“

Die Schiedsrichter schlossen sich nicht der Berliner Sichtweise an. Vier Fouls pfiffen sie gegen Ensminger, siebenmal sahen sie ihn als den Gefoulten. Auch in der Provokation von Regelverstößen ist der Mann ein Meister. Das kann ziemlich weh tun. Drei Minuten nach der Halbzeitpause musste der Amerikaner zur Behandlung einer blutenden Verletzung am rechten Auge vom Feld. Er wisse nicht, was passiert war, behauptet er, ob er einen Schlag mit dem Ellbogen abbekommen habe oder einen Kopfstoß. „So etwas gehört dazu in einem kontaktlosen Sport“, sagte Ensminger lakonisch. Vielleicht war das Ironie. Gut möglich aber auch, dass er das ernst meinte.

Der Berliner Dragan Dojcin - er war es gewesen, der Ensminger mit dem Ellbogen erwischte - bekam zehn Minuten später Ensmingers Ellbogen ins Gesicht. Wütend schlug er, während das Publikum aufschrie, mit der Hand nach seinem Gegner, und rasend vor Wut stürzte Trainer Pavicevic aufs Feld. Ensminger wurde wegen unsportlichen Spiels verwarnt. Doch für die Berliner war das Foul schmerzhafter: Auch Dojcin und Pavicevic wurden bestraft, Paderborn schloss, nach acht Punkten Rückstand, zum 61:59 auf. Vorteil Ensminger.

An Ensminger ist das Image des bösen Buben kleben geblieben

„Ich habe damals mit Bamberg die Berliner Serie von sieben Meisterschaften beendet“, sagte er. „Vielleicht ärgert sie das immer noch.“ Damals, 2004, 2005, posierten er und seine Bamberger Mannschaftskameraden für das Titelbild einer Zeitschrift als „Bad Boys“. An Ensminger ist das Image des bösen Buben kleben geblieben.

„Ich nehme das als Zeichen von Respekt“, sagte er über die Feindseligkeit des Publikums. „Ob ich in Bonn spiele, in Köln oder Berlin, es ist überall dasselbe. Es ist zusätzliche Motivation.“ So soll es bleiben, weit über das kommende Play-off-Spiel in Paderborn am Donnerstag hinaus. „Ich fühle mich wie 27“, sagte Ensminger. „Ich will noch ein paar Jahre spielen.“

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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