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Veröffentlicht: 29.03.2013, 16:56 Uhr

Basketball-Bundesliga Punktsieg für die Quote

In der Basketball-Bundesliga entsteht ein neues Profil. Deutsche Spieler erleben einen Aufschwung. Das Hoch ist ein Erfolg der Quote. 108 Arbeitsplätze in der Liga sind für Deutsche reserviert.

von , Berlin
© dpa Einer von vielen erfolgreichen Deutschen: Daniel Theis aus Ulm (rechts)

Ganz schön selbstbewusst, der junge Mann. Im Endspiel des Pokalwochenendes „Top Four“ in Berlin am vergangenen Sonntag schickte der Ulmer Daniel Theis einen scharfen Pass unter den Korb, wo John Bryant seinen Platz hat. Der Amerikaner ist ein Berg von einem Mann, mit fast 17 Punkten und mehr als zehn Rebounds pro Spiel der effektivste Spieler der Bundesliga. Er ist das Zentrum des Ulmer Teams, begehrt im In- und Ausland.

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Den Pass von Theis sah Bryant zu spät, der Ball ging ins Aus. Dafür legte der nicht einmal 21 Jahre alte Theis einige Kommentare nach. Er dürfte von Glück reden, dass sein 2,11 Meter langer und 130 Kilo schwerer Mannschaftskamerad sie nicht hörte. Aufbauspieler Per Günther jedenfalls mahnte gestenreich zur Mäßigung, dann holte Trainer Leibenath das deutsche Talent zur Abkühlung auf die Bank. Schon am Sonntag (19.00 Uhr) gibt es die Chance, es besser zu machen: Pokalsieger Berlin kommt in der Bundesliga nach Ulm.

„Daniel nimmt eine Super-Entwicklung“

Die Begegnung ist pikant, weil der Berliner Trainer Sasa Obradovic kein Geheimnis daraus macht, dass er neben Bryant auch Philip Schwethelm und Theis gern zu Alba geholt hätte. Sie sind zwei der vier deutschen Spieler, die mit Ulm einen unerwarteten Höhenflug im EuroCup hatten. Schwethelm allerdings steht bei Bayern München unter Vertrag; von Ulm durfte er sich ausleihen lassen, von Meisterschaftskandidat Berlin nicht.

Um Theis zu verpflichten, riskierten die Ulmer einen Rechtsstreit mit Braunschweig; die Berliner taten das nicht. Nun sehen sie, was ihnen entgangen ist: Mit ruhiger Hand, 2,04 Meter Größe und mächtigem Ego ist Theis ein Faktor im Team der Ulmer geworden; gut sechs Punkte und mehr als vier Rebounds stehen im Schnitt für ihn zu Buche. „Daniel nimmt eine Super-Entwicklung“, sagt Bundestrainer Frank Menz. In der Nationalmannschaft könnte er eines Tages eine tragende Rolle spielen.

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Theis ist ein Beispiel für den Aufschwung deutscher Spieler. Ulm, Bayern München und Meister Brose Baskets Bamberg demonstrieren mit vier Deutschen in ihrer Rotation: Die können das. Alle vier Teams des Pokalfinales wurden von deutschen Aufbauspielern geführt. Das Hoch ist ein Erfolg der Quote. Mindestens sechs deutsche Spieler in einem Kader von zwölf müssen in dieser Saison auf dem Spielberichtsbogen stehen. 2006 waren es nur zwei. Seitdem ist der Spielanteil der Deutschen nach Angaben der Basketball-Bundesliga von 17,13 Prozent auf 31,19 gestiegen.

108 Arbeitsplätze in der Liga sind für Deutsche reserviert. „So richtige deutsche Helden fehlen“, konstatiert zwar Liga-Präsident Thomas Braumann. Doch Bundestrainer Menz verspricht, dass es dazu kommen könnte. Die Spieler von U16 und U20, jeweils EM-Fünfte, seien auf dem Weg. Kein Talent müsse mehr nach Amerika ans College wechseln, um in der Bundesliga landen zu können. Ein Grund: Talent werde früher gesichtet und die Klubs müssen zwei hauptamtliche Nachwuchstrainer anstellen.

„Sie brauchen mehr deutsche Leistungsträger“

Ausgerechnet der Pokalsieger und Meisterschaftskandidat, ein bundesweites Vorbild in der Jugendarbeit, hat Nachholbedarf in der Eliteklasse. „Was bei Alba noch passieren muss: Sie brauchen mehr deutsche Leistungsträger“, schreibt der ehemalige Berliner Center und angehende Trainer Patrick Femerling in seiner Kolumne bei „Sport1“. „Es gibt durchaus deutsche Spieler, die auch auf diesem Niveau mithalten können oder bald könnten, wenn man sie in diese Rolle hineinwachsen lässt.“

Für Alba stehen der charismatische Aufbauspieler Heiko Schaffartzik und Center Yassin Idbihi auch in der EuroLeague ihren Mann; Mannschaftskapitän Sven Schultze, der dritte Deutsche, kommt sporadisch zum Einsatz. Die Nummern vier bis sechs tragen nichts bei - und das in der Stadt, in der einst beim TuS Lichterfelde ein Quell von Talenten sprudelte, die, ergänzt um Wendell Alexis und einst auch Sasa Obradovic, Titel reihenweise gewannen.

Tabelle / Basketball / Spielzeit der Deutschen in der BBL Gießen mal ganz vorne: 37,16 Prozent Spielzeit für deutsche Spieler © F.A.Z. Bilderstrecke 

Als wollte der Ulmer Trainer Leibenath den wunden Punkt treffen, sagte er nach dem verlorenen Finale über Theis: „Ich habe ihn in der ersten und der zweiten Halbzeit eingesetzt. Denn diese Erfahrung wird ihm helfen im Verlauf seiner Karriere.“ Mindestens so wichtig wie das Ergebnis sei es, das Potential zu entwickeln. „Das ist nur Marketing“, schimpft Marco Baldi: „Ulm hat keine Jugendarbeit, aber gute junge Deutsche.“

Eine Million Euro stecke Alba jedes Jahr in sein Nachwuchsprogramm. Kein Bundesligaklub bringe mehr Spieler hervor. Doch während die Berliner Bambini noch reifen, ist ein Kampf um die Deutschen entbrannt, die sicher am Ball sind. „Ich weiß auch nicht“, sagt Obradovic, „warum die jungen Spieler nicht mehr wie früher nach Berlin kommen.“ Womöglich schreckt den Nachwuchs das Schicksal von Philip Zwiener und Lucca Staiger. Jung rückten sie auf die Bank der Berliner, zu lange blieb ihr Platz dort.

„Der ein oder andere ruht sich auf dem Artenschutz aus“

Heute spielt der eine erfolgreich in Bremerhaven, der andere wie ein Star in Ludwigsburg. Hat Berlin seine Attraktivität für Talente verloren? „Wir spielen um Titel“, widerspricht Baldi, „das ist etwas völlig anderes, als gegen den Abstieg zu kämpfen.“ Zudem weigern sich die Berliner, am Wettbieten um Spieler teilzunehmen. „Die Gehälter sind explodiert für deutsche Spieler“, sagt Baldi: „Der ein oder andere ruht sich auf dem Artenschutz aus.“

Quelle: F.A.Z.

 

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