09.10.2009 · Die mageren Jahre scheinen vorbei: Die an diesem Freitag in die Saison startende Basketball-Bundesliga hat endlich wieder einen Namenssponsor und die Spiele werden auch im Free-TV ausgestrahlt. Doch die Zukunft ist nicht nur rosig.
Von Leonhard KazdaSie erzählen von Rekordzahlen und einer deutlich gestiegenen Attraktivität der Liga: Die Macher der Basketball-Bundesliga (BBL), die an diesem Freitag in die neue Saison startet, versprechen viel. Mehr Zuschauer als je zuvor sahen sich in der vergangenen Saison die Spiele der BBL an - fast 3900 waren es in den 334 Begegnungen durchschnittlich; nur in Spanien kommen noch mehr Fans. Die Zuversicht ist deutlich spürbar - und sie hat auch Gründe. Ein neuer Sponsor, der zu einem türkischen Konsortium gehörende Haushaltsgeräteproduzent Beko, hat sich der Liga angenommen. Sechs Jahre ist es her, dass die BBL zuletzt einen Namenssponsor hatte. Jetzt hilft der neue Partner in den nächsten drei Jahren mit jeweils rund einer Million Euro der Liga auf die Sprünge - ein Geldsegen, auf den die BBL lange hat warten müssen. „Was lange gewährt hat, wurde jetzt richtig gut“, schwärmte Thomas Braumann, der Präsident der BBL, vergangene Woche, als die Liga in Frankfurt ihren neuen Sponsor aus der Türkei der Öffentlichkeit vorstellte.
Gute Nachrichten gab es auch auf einem anderen Feld. Von der kommenden Spielzeit an sind wieder Bundesligaspiele im Fernsehen frei zu empfangen. Die BBL schloss mit dem Spartensender DSF einen Dreijahresvertrag ab, der eine wechselhafte Vergangenheit der Sportart als Randprodukt im Bezahlfernsehen beendet. Drei Jahre war die BBL beim damaligen TV-Sender Premiere im Programm, dann schloss sie sich dem im Internet, über Satellit und in manchen Regionen auch über Kabel zu empfangenden Sender bbl.tv an, der auch in dieser Saison wieder am Ball ist. In der vergangenen Saison rutschte die Liga auf dieser Plattform freilich gehörig aus, als ausgerechnet beim fünften und letzten Spiel des Play-off-Finales die Server wegen der großen Nachfrage den Dienst verweigerten - und die Fans in die Röhre schauten.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten an vielen Standorten
Dies soll in der kommenden Saison nicht wieder passieren. „Wir werden auch ein fünftes Play-off-Finalspiel live übertragen“, versprach DSF-Programmdirektor Torsten Haux. Beflügelt wurde der Fernsehsender auch durch den neuen Ligasponsor, der auf Vermittlung des Frankfurter Cheftrainers Murat Didin mit der BBL ins Geschäft kam. Erstmals, so erklärte Braumann in Frankfurt, zahle man kein Geld an einen Fernsehsender, sondern profitiere sogar noch wirtschaftlich. „Wir sind so attraktiv“, so Braumann, „dass das DSF sogar in die Tasche greift.“ Beim Sender Eurosport, der - ebenfalls auf Vermittlung Didins - die Play-offs der vergangenen Spielzeit übertrug, scheint man nicht glücklich zu sein, was den Fernsehvertrag mit dem Konkurrenten betrifft. Zu den Verhandlungen wolle man sich vorläufig nicht äußern, sagte Eurosport-Geschäftsführer Bernd Daubenmerkl. Braumann und BBL-Geschäftsführer Jan Pommer sprachen von einem deutlich schlechteren Angebot des Senders.
So schaut man erwartungsvoll in eine Zukunft, die auf den ersten Blick rosig erscheint. Und am liebsten, das merkt man deutlich, würde die BBL die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der vergangenen Saison einfach abhaken. Zwei Vereine sind während der zurückliegenden Spielzeit gescheitert: die Giants Nördlingen und die Köln 99ers; in Nöte geraten waren zwischenzeitlich auch die Gießen 46ers, die Düsseldorf Giants, die Paderborn Baskets und das Team aus Göttingen. Als Nachrücker für Nördlingen und Köln kamen die sportlich eigentlich abgestiegenen Teams aus Gießen und Bremerhaven mit einer Wildcard wieder in den Genuss einer erstklassigen Präsenz.
Wildcards kosten 100.000 Euro
„Ein richtig hartes Geschäft“ sei das Lizenzierungsverfahren für die kommende Saison gewesen, sagt Pommer. Der BBL-Geschäftsführer hofft nun auf die segensreiche Wirkung des frei empfangbaren Fernsehens. „Viele Vereine haben ja immer wieder darüber geklagt, dass sie ohne eine Präsenz im Free-TV Probleme hätten, Sponsoren zu gewinnen.“ Nun sei die BBL genau dort vertreten: „Jetzt beginnt der Beweisantritt.“ Dabei haben auch in der vergangenen Saison nicht alle Teams vom Zuschauerboom gleichermaßen profitiert. Daran, dass die Zahlen um sieben Prozent gestiegen sind, haben vor allem die große, 14.500 Zuschauer fassende neue Arena von Berlin und der 6000 Plätze bietende Basketball-Dome in Bonn die größten Anteile.
Ob die Liga mit 18 Klubs nicht vielleicht doch zu üppige Dimensionen hat, diese Frage beantwortet Pommer mit einem Schulterzucken. „Wenn es 18 sind, die es wirtschaftlich schaffen, habe ich nichts dagegen.“ Aber selbst Pommer warnt vor einer Art „Honeymoon-Euphorie“. „In der BBL wird sich definitiv kein Frosch in einen Prinzen verwandeln.“ Sportlich ist das Märchen für Gießen und Bremerhaven ja tatsächlich wahr geworden. Auch wenn der Kuss der Angebeteten, die Wildcard, teuer war, weil diese jeden der beiden Vereine 100.000 Euro gekostet hat. Spannend könnte es also tatsächlich werden - aus mehreren Perspektiven: Wird zum siebten Mal in Serie der Titelverteidiger nicht Meister? Und sind am Ende noch alle in der Liga, die jetzt so hoffnungsvoll starten?