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Basketball-Bundesliga Die Experimente gehen weiter

13.07.2009 ·  Nördlingen ist weg, Köln bald wohl auch, Gießen bleibt drin, Bremerhaven hofft: Die Basketball-Bundesliga will die neue Saison mit 18 Teams in Angriff nehmen. Ob dann alles den gewohnten Lauf nehmen wird, ist mehr als fraglich.

Von Leonhard Kazda
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Ob das gutgeht? Mit 18 Mannschaften will die Basketball-Bundesliga (BBL) die kommende Spielzeit in Angriff nehmen – also mit derselben Anzahl wie auch in der vergangenen Saison. Die Annahme, dass in der ersten Liga dann auch alles den gewohnten Lauf nehmen wird, ist jedoch hochspekulativ.

Denn in der BBL ist allerhand los: Schon im Mai hatten die Giants Nördlingen angekündigt, aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr in der Bundesliga spielen zu wollen. Am Freitagabend haben sich nun auch noch die Köln 99ers auf den Rückzug aus der höchsten deutschen Spielklasse begeben. Das Team aus dem Rheinland stellte zum wiederholten Mal einen Insolvenzantrag. Es ist die zehnte Mannschaft, die sich seit der Gründung der eigenständigen BBL 1996 aus der Liga zurückziehen wird, ohne sportlich abgestiegen zu sein.

Kritik an den 99ers

Dass der Exodus in der kommenden Spielzeit weitergehen wird, ist keineswegs ausgeschlossen. „Wir werden ja sehen, wie viele Teams am Saisonende noch dabei sind“, sagt Jürgen Kohl, der Manager und Vorstandvorsitzende der Giants Nördlingen. Dass sich die 99ers bis nach Saisonende Zeit gelassen haben, sich zum Rückzug aus der höchsten Spielklasse durchzuringen, versteht Kohl nicht: „So etwas weiß man doch früher.“

Auch Jan Pommer, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga konnte sich angesichts des späten Schrittes Kritik nicht verkneifen. Dass nur vier Tage nach der Lizenzerteilung durch die BBL ein Insolvenzantrag gestellt worden sei, bezeichnete Pommer als „sehr unglücklich und sehr ärgerlich“.

Existenzängste in Gießen

Nutznießer des schon länger feststehenden Nördlinger Rückzuges waren am Donnerstag die Gießen 46ers, die von der Liga eine Wildcard erhielten, obwohl der Verein sportlich abgestiegen war. Nun zahlt Gießen 100.000 Euro an die BBL für die Spielberechtigung in einer Saison, die nicht nur aus sportlicher Sicht eine Herausforderung für die Mittelhessen werden könnte. Denn schon in der zurückliegenden Spielzeit hatte die Geldknappheit in Gießen Existenzängste geschürt, bevor der neue Geschäftsführer Christoph Syring rettende Kontakte zu Sponsoren herstellen konnte.

Der Trend zum Sparen ist allgegenwärtig. Selbst Klubs wie die Frankfurt Skyliners, die mit der Deutschen Bank über einen namhaften Hauptsponsor verfügen, fahren ihre Etatpläne deutlich zurück. Ob Teams wie die Paderborn Baskets, bei denen in der zurückliegenden Spielzeit ökonomische Turbulenzen für Wirbel sorgten, gut über die Runde kommen werden, muss sich noch zeigen.

Eine zweite Chance, erstklassig zu bleiben

Indessen geht bei den sportlich abgestiegenen Eisbären Bremerhaven das Zittern weiter. Durch die Kölner Insolvenz hat der Klub nun die zweite Chance, erstklassig zu bleiben. Den frei gewordenen Nördlinger Platz hatte die Liga über ein Wildcard-Verfahren vergeben, in dem die Eisbären aber den Gießen 46ers unterlegen waren. Nun könnte Bremerhaven nachrücken – falls die Kölner Insolvenz zum Ligaausschluss führen sollte. „Ich glaube nichts, bevor ich es schwarz auf weiß lesen kann“, sagt Jan Rathjen, der Geschäftsführer des Bremerhavener Klubs – und ist dabei vermutlich gut beraten. Denn Köln ist eine Fahrstuhlmannschaft, was die Erstklassigkeit betrifft. Schon im vergangenen Jahr galt der Klub für die BBL als „klinisch tot“ (Pommer), wurde aber von zwei Sponsoren kurzfristig wiederbelebt. Steht nun die zweite Reanimation bevor?

BBL-Chef Pommer will sich so schnell wie möglich mit dem Kölner Insolvenzverwalter beraten. So lange müssen die Eisbären noch schwitzen in diesem heißen Basketballsommer. Obwohl Bremerhaven von der Tatsache, dass weiter 18 Klubs erstklassig spielen dürfen, profitieren könnte, ist bei Eisbären-Chef Rathjen eine skeptische Haltung gegenüber der verbliebenen hohen Zahl erstklassiger Klubs zu spüren. Äußern will er sie freilich nicht – was angesichts der aktuellen Entwicklungen nachvollziehbar ist.

„Die Kontaktzahlen waren zu gering“

In dieser Hinsicht hat es sein Nördlinger Kollege Kohl leichter. „Solange es nicht gelingt, die Liga zu vermarkten, wird es uns auch nicht gelingen, ausreichend Sponsoren zu gewinnen“, sagt Kohl. Eigentlich hatte er für seine Giants, die sich trotz des kleinsten Etats in der BBL am Saisonende als 16. der Hauptrunde den Klassenverbleib gesichert hatten, einen potenten Sponsor. „Aber die Herren haben das fertige Konzept an ihre Marketingabteilung weitergegeben.“ Dort habe man den Daumen gesenkt. „Die Kontaktzahlen waren zu gering“, sagt Kohl. Gemeint war damit vor allem die Präsenz im Fernsehen, wo Basketball immer noch eine Nebenrolle spielt.

Die Liga tut sich seit langem schwer, eine erfolgreiche Basis auf dieser für Sponsoren überaus wichtigen Bühne herzustellen. Das Saisonfinale war in dieser Beziehung ein heftiger Schlag ins Kontor, als sich der Hauptfernsehpartner, der Bezahlsender Sportdigital TV, und der Free-TV-Sender Eurosport nicht über die Ausstrahlung des letzten und entscheidenden Finalspiels zwischen Oldenburg und Bonn einigen konnten. So schauten viele Fans ausgerechnet bei dieser Begegnung in die Röhre – wegen der hohen Nachfrage war auch der Server von Sportdigital TV zusammengebrochen und die Partie deshalb auch gegen Geld im Internet nicht zu sehen.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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