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Basketball-Bundesliga : Schlanker wäre stärker

Die Crailsheim Merlins dürfen wohl noch einmal in der Bundesliga ihr Glück versuchen Bild: Picture-Alliance

Die Ankündigung, dass die Crailsheim Merlins eine Wildcard für die nächste Basketball-Saison bekommen sollen, zeigt: der Liga fehlt es an der Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Weniger Teams wären der größere Wurf gewesen.

          Crailsheim kommt zurück. Das ist der kleinen Basketball-Enklave zu gönnen. Auch wenn sie ihre Erstliga-Tauglichkeit nicht bewiesen hat: Acht Siege in der abgeschlossenen Saison, Letzter, obwohl dem insolventen Klub aus Trier wegen falscher Angaben bei der Lizenzierung Punkte abgezogen worden waren. Crailsheim gehört also nicht in die erste Etage. Und dennoch wird diese Spielgemeinschaft von der Basketball-Bundesliga wohl eine Wildcard bekommen und in der kommenden Saison ein zweites Mal ihr Glück versuchen dürfen.

          Ein großer Wurf ist das nicht. Es ist eher der Ausdruck einer großen Ängstlichkeit unter den etablierten Vereinen. Sie hatten die Chance, ihrer Liga eine sportlichen Schub zu geben. Sie zu verdichten und den stärksten Klubs etwas Luft zu verschaffen auf dem Weg zu einem ehrgeizigen Ziel. Die Basketball-Bundesliga will nämlich bis zum Jahr 2020 die beste in Europa sein oder zumindest auf höchstem Niveau mitspielen.

          Außerordentliche Seriosität

          Ihre Verlässlichkeit, ihre Seriosität ist - verglichen mit anderen Ligen - schon außerordentlich. Die Profis der meisten Vereine können damit rechnen, die versprochenen Gehälter auch zu bekommen. Aber die Fluktuation ist nach wie vor hoch. Denn mit deutschen Vereinen kommt man in den europäischen Wettbewerben nicht sehr weit. Der erste und letzte Sieg liegt fast zwanzig Jahre zurück.

          Diese internationale Zweitklassigkeit lässt sich nur überwinden, wenn jede Chance genutzt wird. Eine wäre die Verkleinerung der Bundesliga von 18 auf 16 Vereine in der übernächsten Saison gewesen. Nach dem Rückzug der Artland Dragons, der Insolvenz von Trier und dem Abstieg von Crailsheim drängte sich dieser Schritt geradezu auf. Er hätte die Zweite Liga gestärkt und den Spielern der führenden Klubs mehr Erholung in einer ohnehin mit Spielterminen vollgestopften Saison geboten. So spielte Alba Berlin donnerstags in der Euroleague und verlor - erschöpft - am folgenden Samstag das Pokal-Halbfinale.

          Die Liga ist sich ihrer Lage sehr bewusst. Aber die Mehrheit der Klubs hat eine Verkleinerung abgelehnt. Erstens stützen schon zwei Heimspiele mehr den Etat. Und zweitens steigert niemand freiwillig die Abstiegsgefahr. Wer will diese Haltung nicht verstehen? Sie lässt aber vermissen, was den Leistungssport so interessant macht: Die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Mit der Wildcard für Crailsheim sinkt es für alle anderen Klubs. Denn die Eintrittskarte kostet 250.000 Euro. Das Geld wird bei der Finanzierung guter Spieler fehlen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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