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Basketball Bambergs nächster Titel

Das Final-Four im Pokalwettbewerb bietet schon im Halbfinale das Spiel des Wochenendes. Am Ende siegt mit Bamberg der Seriensieger des deutschen Basketballs. Bonn ist im Endspiel chancenlos.

© dpa Vergrößern Erfolgshungrig: Bambergs P.J. Tucker auf dem Weg zum Pokalsieg

Bamberg ist auf dem bestem Weg zum dritten Double aus Pokalsieg und deutscher Meisterschaft hintereinander. Beim „Top Four“ besiegte der aktuelle Tabellenführer der Basketball-Bundesliga am Sonntag Gastgeber Telekom Baskets Bonn souverän mit 82:73 Punkten. Die leidenschaftlichste Gegenwehr leisteten noch die Bonner unter den 6000 Zuschauern.

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Das spannendste und beste Spiel des Wochenendes lag da allerdings schon gut zwanzig Stunden hinter der überragenden Mannschaft, besser: den überragenden Mannschaften der Meisterschaft. So großartig war das 99:96, das erst in der Verlängerung zwischen den Baskets Bamberg und Ulm zustande kam, dass selbst die Verlierer stolz waren. „Es ging uns darum zu zeigen, dass wir zu recht die Nummer zwei der Liga sind“, sagte der Ulmer Aufbauspieler Per Günther, nachdem sein Team am Samstagabend gegen den deutschen Meister und Pokalsieger der vergangenen zwei Spielzeiten einen Rückstand von 15 Punkten wettgemacht und in eine zwischenzeitliche Führung von sieben Punkten umgemünzt hatte.

Brose Baskets Bamberg - Ratiopharm Ulm © dpa Vergrößern Packendees Duell im Halbfinale: Ulms John Bryant (l) fängt den Ball vor Bambergs Tibor Pleiß

„Es ist schon etwas Besonderes, gegen den Besten zu spielen“, sagte er mit der Zufriedenheit eines Spielers, der weiß, dass sein Team sein Bestes gegeben hatte. „Unheimlich stolz“ war auch Trainer Thorsten Leibenath auf seine Überraschungsmannschaft der Saison. „Wir werden gestärkt aus dieser Niederlage hervorgehen. Sie wird uns aufbauen für den Rest der Saison.“

Kampf um Vorherrschaft

„Das war der Kampf um die Nummer eins in Deutschland“, urteilte der Bamberger Aufbauspieler Anton Gavel, der vor sechstausend Zuschauern im Bonner Telekom Dome dreißig Punkte erzielte. „Die Ulmer waren auf Augenhöhe. Vielleicht war es auch Glück, dass wir weiter gekommen sind.“ Doch am Wochenende ging es nur indirekt um die Meisterschaft. Gespielt wurde um den Cup - allerdings nicht in einen deutschlandweiten Pokalwettbewerb, sondern wie seit drei Jahren üblich bei einem Turnier, für das sich zusätzlich zum Gastgeber drei Teams qualifizieren, indem die sechs Mannschaften gegeneinander spielen, die zum Schluss der Hinrunde im ersten Drittel der Ligatabelle stehen.

So schnell geht’s: Nach drei Viertelfinals steht schon das Pokalwochenende auf dem Programm. Die zweiten Ligen, so Thomas Braumann, der Präsident der Liga BBL, habe keinerlei Interesse, in diesen Wettbewerb einbezogen zu werden.

Lob des stillen Meistermachers

„Bamberg hat nicht Glück gehabt“, urteilte Herausforderer Leibenath über das Team, das in Deutschland den Maßstab setzt und in den Serien der Playoffs noch deutlicher durchsetzen dürfte als am Pokalwochenende. „Bamberg war den Tick besser.“ Könnte sein, dass er damit die Leistung von Gavel meinte. Der erzielte nicht nur zehn Treffer aus dem Spiel, davon vier Dreier, plus sechs Freiwürfe.

Er nahm sich auch des sonst häufig überragenden Ulmer Gegenspieler Isaiah Swann derart intensiv und umsichtig an, dass dieser leidglich auf 17 Punkte kam. „Ich habe schon viele gute Guards trainiert“, lobte sein Trainer Chris Fleming. „Aber ich habe noch nie eine so überragende Leistung vor und hinter dem Ball gesehen wie heute bei Anton Gavel.“ Am Sonntag trat Gavel kürzer und ließ es bei sechs Punkten bewenden.

Publikum hat Appetit

Das Lob des stillen Meistermachers hob den 27 Jahre alten Slowenen, der mit 16 Jahren nach Deutschland kam und hier sein Abitur machte, aus einer Mannschaft hervor, die außerordentliche Reife zeigt. Ob der erfahrene Casey Jacobsen, der am Wochenende weniger Körbe (15 Punkte) erzielte als Assists (9) gab, der also seine Mannschaft vom Flügel her führte, ob die zu dieser Saison neu verpflichteten PJ Tucker (17 und 9 Punkte) und Marcus Slaughter (7 und 17), ob der wohl in der nächsten Saison in die NBA wechselnde Tibor Pleiß (11 und 4), ob Aufbauspieler Brian Roberts (13 und 8) oder Predrag Suput (16 und 8) - die Bamberger zeigten, dass die Siegesserien im Alltag der Liga ihren Hunger auf Erfolg nicht gestillt haben.

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Und auch das Publikum hat Appetit. Braumann, von Beruf Unternehmensberater, freut sich an der erfolgreichsten Saison, die es im deutschen Basketball je gab, und über Einnahmen auch aus dem Wettbewerb Top-Four. Steigende Zuschauerzahlen (im Schnitt 4300 im Vergleich zu 3800 im Vorjahr ohne Playoffs), wachsende finanzielle Möglichkeiten (70 Millionen Euro kumulierter Etats in der Liga), ein treuer Liga-Sponsor, der um vier Jahre verlängert hat (Beko), sowie wachsendes Ansehen für Lizenzierungsverfahren nach deutschem Vorbild in Europa stimmen ihn optimistisch.

Da sich die Einsatzzeit der deutschen Spieler im Schnitt auf 25 Prozent gesteigert hat, noch bevor die Quote von sechs deutschen Spielern pro Team gilt und noch bevor der vielversprechende Nachwuchs aus den Jugend-Nationalmannschaften im Profisport angekommen ist, sei die BBL, sagte Braumann in Bonn, der Vision, sich bis 2020 unter den führenden Ligen Europas zu etablieren, ein Stück näher gekommen. In der EuroLeague, das steht zu erwarten, dürfte ein Meister Bamberg in der kommenden Saison seinen dritten Versuch unternehmen, endlich die Top 16 zu erreichen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 25.03.2012, 18:42 Uhr

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