http://www.faz.net/-gtl-7govw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.08.2013, 16:12 Uhr

Badminton-Spielerin Schenk Botschafterin in eigener Sache

Für 90.000 Euro haben sich die „Pune Pistols“ die Dienste von Juliane Schenk gesichert. In Indien ist sie ein großer Badminton-Star, der deutsche Verband aber will sie nicht mehr.

von Michael Radunski, Delhi
© picture alliance / dpa Versteigerungsobjekt: Juliane Schenk spielt für 90.000 Euro in Indien

Juliane Schenk muss erst einmal kurz durchatmen. Deutschlands beste Badmintonspielerin ist erst seit wenigen Stunden in Indien, doch ein Termin jagt den nächsten: Mannschaftssitzungen, Trainingseinheiten, Fototermine. Später steht die Besprechung für das bevorstehende Match an, denn am nächsten Tag geht es schon los: Die Mannschaft von Schenk, die „Pune Pistols“, starten in die indische Badminton-Liga (IBL) mit einem Auswärtsspiel bei den „Delhi Smashers“. Die indische Badminton-Liga feiert ihre Premiere. Sie soll helfen, Badminton nach Kricket zur zweitbeliebtesten Sportart im Land zu machen.

Entsprechend groß ist der Einsatz: Sechs Teams aus den Städten Delhi, Bombay, Hyderabad, Lucknow, Bangalore und Pune sind gemeldet, jeder spielt gegen jeden, zweimal. Außer den Chinesen sind die besten Badmintonspieler der Welt dabei: bei den Herren der Weltranglistenerste Lee Chong Wei aus Malaysia, bei den Damen die Weltranglistendritte Juliane Schenk und Indiens Badmintonstar Saina Nehwal, derzeit auf Platz vier der Weltrangliste. Zudem ist die IBL mit einem Preisgeld von einer Million Dollar das bestdotierte Turnier der Welt.

Spannung nach der WM

„Es ist eine ganz besondere Geschichte, samt Spielerversteigerung und solch hohem Preisgeld. Das gab es im Badmintonsport bisher noch nie“, sagt Schenk. Sie sitzt in einer Hotellobby in Delhi und freut sich sichtlich, an diesem Projekt teilnehmen zu können. Eigentlich sollte die IBL vor der Weltmeisterschaft im August in China stattfinden, doch der Start wurde mehrmals verschoben. Nun wird das Turnier direkt nach der WM ausgespielt. Das könne durchaus von Vorteil sein, glaubt Schenk. Schließlich stünden die internationalen Stars noch voll im Saft. Und nachdem P.V. Sindhu für Indien die Bronze-Medaille gewonnen hat, blicken nun alle gespannt auf die heimische Liga.

Schenk zog einen Schlussstrich

Schenk hat nicht an der WM teilgenommen, nur ab und zu die Ergebnisse im Internet angeschaut. „Ich hatte eine wunderschöne Woche in Belgien mit Training, Schwimmen, Fahrradfahren. Die WM war für mich im wahrsten Sinne des Wortes weit weg.“ Grund war ein Streit zwischen Schenk und dem deutschen Badmintonverband, es ging um mangelnde Unterstützung und vor allem um Schenks damalige Mentaltrainerin Gaby Frey. Unter anderem seien ihr Hörigkeit und Abhängigkeit vorgeworfen worden. „Das war Diffamierung pur“, sagt die Dreißigjährige.

Ende Mai kündigte Schenk deshalb an, zum Jahresende aus dem Nationalteam zurückzutreten. „Und dann hat der Verband entschieden, mich von jetzt auf gleich auf die Straße zu setzen. Der Verband, nicht ich.“ Eine Teilnahme an der WM in China wollte der Verband Schenk aber nicht verwehren. „Sie ist aktuell die Nummer drei der Welt. Es wäre daher sportlich nicht gerechtfertigt, sie von Wettkämpfen auszuschließen“, sagte Bundestrainer Holger Hasse damals.

London 2012 - Badminton © picture alliance / dpa Vergrößern Verbittert: Juliane Schenk hjat mit dem deutschen Verband vorerst abgeschlossen

Doch Schenk zog einen Schlussstrich. „Wo und wie soll ich mich adäquat auf eine WM vorbereiten? Mir wurde keine Trainingsmöglichkeit angeboten. Da kam nicht einmal das kleinste Entgegenkommen. Nichts.“ Zwar vermeide sie es, nie zu sagen, aber aktuell sei eine Einigung mit dem Verband eher unwahrscheinlich. „Aktuell sind die Türen zu. Ich bin nicht nachtragend, aber es wurde viel Schaden angerichtet“, sagt sie.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gewichtheber Max Lang Wir schauen zu, wie Doper Gold abholen

Gewichtheber Max Lang hofft noch immer auf Olympia und Gerechtigkeit – wenn die Dauer-Doper in seiner Sportart gesperrt werden. Im F.A.Z.-Interview spricht er über absichtlich langsame Funktionäre und den schlechten Witz des IOC. Mehr Von Christoph Becker

29.07.2016, 17:10 Uhr | Sport
Manchester City Pep Guardiola will nur fitte Spieler

Pep Guardiola, Trainer beim englischen Fußballclub Manchester City, achtet auf das Gewicht seiner Spieler und verlangt vollen Einsatz. Medienberichten zufolge soll Guardiola einige zu dicke Spieler von Trainingseinheiten ausgeschlossen haben. Mehr

28.07.2016, 15:59 Uhr | Sport
Mainzer U23-Trainer Schwarz Die Bundesliga ist mein Ziel

Sandro Schwarz ist das nächste Talent aus der Mainzer Trainerschule. An diesem Samstag startet er mit der U23 des Fußball-Bundesligaklubs gegen den FSV Zwickau in die Spielzeit der Dritten Liga - als inoffizieller Meister der Reserveteams Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

30.07.2016, 12:55 Uhr | Sport
Pokémon Go Hype um App treibt seltsame Blüten

Eier ausbrüten auf dem Handy? Mit Himmihbeeren werfen? Wem all das nichts sagt, der hat die neue Pokémon-Go-App von Nintendo noch nicht heruntergeladen. Um das Augmented-Reality-Spiel hat sich ein beispielloser Hype entwickelt, der die seltsamsten Blüten treibt. Mehr

29.07.2016, 15:08 Uhr | Wirtschaft
Weltverband greift durch Russische Gewichtheber werden von Olympia ausgeschlossen

Nach den Vorwürfen des systematischen Dopings gegen das Olympia-Team aus Russland hat der Weltverband der Gewichtheber Konsequenzen gezogen: die russischen Gewichtheber dürfen nicht teilnehmen. Mehr

29.07.2016, 20:46 Uhr | Sport

Reifer Entschluss

Von Daniel Meuren

Bastian Schweinsteiger hat fast alles gewonnen, was im Fußball möglich ist. Der Abschied aus dem Nationalteam kommt zur richtigen Zeit. Der prägende deutsche Spieler des Jahrzehnts sollte sich nun ein letztes Abenteuer gönnen. Ein Kommentar. Mehr 7 28