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Badminton-Spielerin Schenk Botschafterin in eigener Sache

Für 90.000 Euro haben sich die „Pune Pistols“ die Dienste von Juliane Schenk gesichert. In Indien ist sie ein großer Badminton-Star, der deutsche Verband aber will sie nicht mehr.

© picture alliance / dpa Vergrößern Versteigerungsobjekt: Juliane Schenk spielt für 90.000 Euro in Indien

Juliane Schenk muss erst einmal kurz durchatmen. Deutschlands beste Badmintonspielerin ist erst seit wenigen Stunden in Indien, doch ein Termin jagt den nächsten: Mannschaftssitzungen, Trainingseinheiten, Fototermine. Später steht die Besprechung für das bevorstehende Match an, denn am nächsten Tag geht es schon los: Die Mannschaft von Schenk, die „Pune Pistols“, starten in die indische Badminton-Liga (IBL) mit einem Auswärtsspiel bei den „Delhi Smashers“. Die indische Badminton-Liga feiert ihre Premiere. Sie soll helfen, Badminton nach Kricket zur zweitbeliebtesten Sportart im Land zu machen.

Entsprechend groß ist der Einsatz: Sechs Teams aus den Städten Delhi, Bombay, Hyderabad, Lucknow, Bangalore und Pune sind gemeldet, jeder spielt gegen jeden, zweimal. Außer den Chinesen sind die besten Badmintonspieler der Welt dabei: bei den Herren der Weltranglistenerste Lee Chong Wei aus Malaysia, bei den Damen die Weltranglistendritte Juliane Schenk und Indiens Badmintonstar Saina Nehwal, derzeit auf Platz vier der Weltrangliste. Zudem ist die IBL mit einem Preisgeld von einer Million Dollar das bestdotierte Turnier der Welt.

Spannung nach der WM

„Es ist eine ganz besondere Geschichte, samt Spielerversteigerung und solch hohem Preisgeld. Das gab es im Badmintonsport bisher noch nie“, sagt Schenk. Sie sitzt in einer Hotellobby in Delhi und freut sich sichtlich, an diesem Projekt teilnehmen zu können. Eigentlich sollte die IBL vor der Weltmeisterschaft im August in China stattfinden, doch der Start wurde mehrmals verschoben. Nun wird das Turnier direkt nach der WM ausgespielt. Das könne durchaus von Vorteil sein, glaubt Schenk. Schließlich stünden die internationalen Stars noch voll im Saft. Und nachdem P.V. Sindhu für Indien die Bronze-Medaille gewonnen hat, blicken nun alle gespannt auf die heimische Liga.

Schenk zog einen Schlussstrich

Schenk hat nicht an der WM teilgenommen, nur ab und zu die Ergebnisse im Internet angeschaut. „Ich hatte eine wunderschöne Woche in Belgien mit Training, Schwimmen, Fahrradfahren. Die WM war für mich im wahrsten Sinne des Wortes weit weg.“ Grund war ein Streit zwischen Schenk und dem deutschen Badmintonverband, es ging um mangelnde Unterstützung und vor allem um Schenks damalige Mentaltrainerin Gaby Frey. Unter anderem seien ihr Hörigkeit und Abhängigkeit vorgeworfen worden. „Das war Diffamierung pur“, sagt die Dreißigjährige.

Ende Mai kündigte Schenk deshalb an, zum Jahresende aus dem Nationalteam zurückzutreten. „Und dann hat der Verband entschieden, mich von jetzt auf gleich auf die Straße zu setzen. Der Verband, nicht ich.“ Eine Teilnahme an der WM in China wollte der Verband Schenk aber nicht verwehren. „Sie ist aktuell die Nummer drei der Welt. Es wäre daher sportlich nicht gerechtfertigt, sie von Wettkämpfen auszuschließen“, sagte Bundestrainer Holger Hasse damals.

London 2012 - Badminton © picture alliance / dpa Vergrößern Verbittert: Juliane Schenk hjat mit dem deutschen Verband vorerst abgeschlossen

Doch Schenk zog einen Schlussstrich. „Wo und wie soll ich mich adäquat auf eine WM vorbereiten? Mir wurde keine Trainingsmöglichkeit angeboten. Da kam nicht einmal das kleinste Entgegenkommen. Nichts.“ Zwar vermeide sie es, nie zu sagen, aber aktuell sei eine Einigung mit dem Verband eher unwahrscheinlich. „Aktuell sind die Türen zu. Ich bin nicht nachtragend, aber es wurde viel Schaden angerichtet“, sagt sie.

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