17.05.2005 · Otto Rehhagel und Europameister Griechenland sind mit dem Sport-Oscar geehrt worden. Jury-Mitglied Boris Becker überreichte den „Laureus“ bei einer Gala mit vielen Sportstars und Showsternchen im portugiesischen Estoril.
Von Wolfgang Scheffler, EstorilBoris Becker formuliert den Anspruch der Laureus World Sports Awards ganz unbescheiden: "Wir verstehen uns als Sport-Oscar." Die Anleihen beim großen Vorbild aus der Filmbranche sind unübersehbar: Zu den aktiven und ehemalige Sportlern von Franziska van Almsick über David Beckham und Pablo Montoya bis hin zu Katarina Witt gesellten sich auch in diesem Jahr in Portugal ein paar Filmstars, Sternchen, Prominente und die unvermeidlichen Pseudo-Promis.
Trotz der Anwesenheit des spanischen Königs Juan Carlos, eines beachtlichen Aufgebots an großen Namen aus dem Sport und einiger Hollywood-Stars kämpft dieser "Oscar" noch immer um weltweite Anerkennung als die ultimative Sportler-Ehrung. "In Deutschland sind wir etabliert, das Interesse in Asien wird immer größer. In Amerika haben wir noch Nachholbedarf", sagt der ehemalige Tennisprofi Becker, der als Vice Chairman der Laureus Academy zu den vierzig Sportgrößen vergangener Tage gehört, die die Endauswahl der Geehrten vornehmen.
Bei den anderen Preisträgern gab es wenig zu mäkeln
Da ist es besonders für den großen Markt der Vereinigten Staaten hilfreich, wenn zwei richtige Oscar-Preisträger, die Amerikanerin Marcia Gay Harden und ihr Landsmann Morgan Freeman durch die langatmige Abschlußgala führen. Nach Angaben der Veranstalter werden 460 Millionen Menschen in über 200 Ländern am Fernsehschirm mitverfolgen, wer einen Laureus mit nach Hause nehmen durfte. In Deutschland kann man dies allerdings erst mit deutlicher Verzögerung. Am kommenden Sonntag sendet RTL von 22.45 Uhr an eine Aufzeichnung der Preisverleihung. Immerhin war diesmal auch der amerikanische Sender NBC mit von der Partie. Und da das Baseballteam der Boston Red Sox mit dem Laureus für Sportsgeist geehrt wurde, gab es auch einen amerikanischer Sieger - selbst wenn sich viele im Saal fragten, was am ersten Erfolg nach 86 Jahren in der von den Amerikanern großspurig "World Series" genannten nordamerikanischen Profi-Meisterschaft so preiswürdig war.
Auszeichnungen: Sport-Oscar für „Rehhakles'“ Fußballer
Wenigstens bei den anderen Preisträgern gab es wenig zu mäkeln. Tennisprofi Roger Federer wurde als Weltsportler des Jahres geehrt. Der 23jährige Schweizer hat sich als der mit Abstand Beste seiner Zunft fest etabliert und entschied im vergangenen Jahr drei von vier Grand-Slam-Turnieren für sich. Er schlug die anderen fünf Nominierten, darunter den Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, der 2001 und 2004 ausgezeichnet worden war.
Mehr als nur eine Abschlußgala
Die 35jährige englische Leichtathletin Kelly Holmes setzte sich mit ihrem Doppelerfolg in den olympischen Rennen über 800 und 1500 Meter durch. Der deutsche Trainer Otto Rehhagel nahm den Laureus für die Mannschaft des Jahres stellvertretend für die griechischen Fußball-Europameister entgegen. Der italienische Rennfahrer Alessandro Zanardi, der 2001 bei einem Unfall auf dem Lausitzring beide Beine verlor und dennoch auf die Rennstrecken zurückkehrte, wurde für das Comeback des Jahres ausgezeichnet. Liu Xiang, der chinesische Olympiasieger über 110 Meter Hürden, erhielt den Laureus als Neuling des Jahres. Die Kanadierin Chantal Peticlerc wurde zur Behindertensportlerin des Jahres gekürt, und die englische Weltumseglerin Ellen MacArthur darf sich Alternativsportlerin des Jahres nennen.
Aber Laureus ist mehr als nur die Abschlußgala. Drei Tage lang ließen sich 700 von den Hauptsponsoren Mercedes Benz und der zum Luxuskonzern Richemont gehörenden Uhrenmarke IWC geladene Gäste in Estoril verwöhnen. Vom Golfturnier mit der südafrikanische Legende Gary Player, über eine Regatta mit den America's Cup-Siegern Alinghi, ein Strandfestival mit Fußball und Beach Volleyball bis hin zu sogenannten "Taxifahrten" mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten Mika Häkkinen und Jean Alesi wurde viel geboten.
Auch Federer nahm im feuerfesten Overall auf dem Beifahrersitz des DTM-Renners Platz. Solche auch für verwöhnte Weltstars seltenen Erlebnisse tragen ebenso zum Reiz des Laureus bei wie die erlesene Jury. So sagte der Schweizer mit der Statue in der Hand genau die Worte, die die Gastgeber gerne hörten: "Ich habe schon viele Ehrungen erhalten, aber von so vielen großen Sportstars geehrt zu werden, ist eine ganz besondere Auszeichnung."