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Veröffentlicht: 19.01.2013, 16:54 Uhr

Australian Open Usain Bolt mit Schläger

Mit einem ganzen Stab von Spezialisten trimmt sich die Elite der Tennisprofis auf ein bisher unerreichtes Niveau - Murray, Djokovic und Co. verblüffen. Und das nicht nur bei den Australian Open.

von , Melbourne
© REUTERS „Andy hat die Ausdauer eines Mittelstrecklers und die Schnelligkeit eines Sprinters“: Murray ist topfit

Von Boris Becker weiß man, dass er manchmal eine eigentümliche Sicht der Dinge und einen seltsamen Humor hat, aber trotzdem überraschte er vor ein paar Wochen mit einer sehr gewagten Aussage. Von den heutigen Spitzenspielern, den phantastischen vier mit Novak Djokovic, Roger Federer, Andy Murray und Rafael Nadal, wäre nur Federer in der Lage, mit der Generation aus Beckers Spielerzeit mitzuhalten.

Peter Penders Folgen:

„Ich glaube nicht, dass Djokovic oder Nadal in der Serve-and-Volley-Ära so erfolgreich wie heute geworden wären“, sagte Becker. Vergleiche dieser Art haben natürlich immer den Nachteil, dass sie hypothetischer Natur sind, aber Beckers exklusive These widerspricht nebenbei jeder gängigen Meinung. „Sie hätten uns den Arsch versohlt“, sagte etwa Ivan Lendl schon im vergangenen Sommer, der es als ehemaliger Becker-Gegner und aktueller Murray-Trainer vielleicht am besten wissen müsste.

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Wie die aktuellen Vergleiche aussehen, darüber gibt es kaum Zweifel. „Djokovic und Murray werden das Herren-Tennis in den kommenden Jahren beherrschen“, behauptet Paul-Henri Mathieu, der in der ersten Runde der Australian Open in Melbourne dem Titelverteidiger Djokovic in drei Sätzen unterlegen war. „Ich sehe niemanden, der mit den beiden auf Dauer mithalten kann“, sagt der Franzose.

Federer ist nicht mehr ewig dabei

Wegen seiner 31 Jahre ist es wahrscheinlich, dass Federer diese elfmonatige Hatz über die Kontinente und von Turnier zu Turnier nicht ewig mitmachen kann und vermutlich nur noch bei ausgewählten Veranstaltungen ein ernsthafter Konkurrent sein wird. Und hinter der langfristigen Konkurrenzfähigkeit von Nadal, der Anfang Februar bei einem Sandplatzturnier in Chile sein Comeback geben wird, steht weiterhin ein dickes Fragezeichen. „Djokovic und Murray stehen über allen, weit über allen“, sagt Mathieu.

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Serve and Volley, also nach dem Aufschlag gleich den Weg ans Netz suchen, das gibt es im modernen Tennis zu Beckers Verdruss kaum noch zu sehen, auch wenn es der Tscheche Radek Stepanek bei der Dreisatzniederlage in seiner Drittrundenpartie gegen Djokovic gleich 67 Mal versuchte - so oft rücken manche Kollegen in der gesamten Saison nicht vor. „Es stimmt aber nicht, dass sich die Taktik wegen der Schlägertechnologie geändert hat“, sagt Murray. Die heutigen Spieler seien vor allem fitter und viel schneller als frühere Generationen, und das sei die größte Änderung, die dieser Sport in den vergangenen 20 Jahren gesehen habe.

Murray und Djokovic an der Spitze

An der Spitze dieser austrainierten Sportler stehen Djokovic und Murray, die spielend Bälle erreichen, die zu Beckers Zeit direkte Gewinnschläge gewesen wären. „Du musst heute sieben Winner schlagen, um einen Punkt zu machen“, sagt der Serbe Janko Tipsarevic. Alle trainieren hart, aber Murrays Fitnessprogramm beeindruckt selbst Kollegen, die einst selbst das Maß aller Dinge waren. „Ich habe einmal ein Video von seinem Training gesehen. Das hätte ich niemals durchgehalten“, sagt der ehemalige deutsche Spitzenspieler Rainer Schüttler, der 2004 auch wegen seiner Fitness bis auf den fünften Platz der Weltrangliste vorgerückt war.

Über den Zustand Murrays gerät selbst dessen Athletiktrainer Jez Green ins Schwärmen: „Andy hat die Ausdauer eines Mittelstrecklers und die Schnelligkeit eines Sprinters. Vor allem auf den ersten Metern bis maximal 20 Meter dürfte er so schnell wie Usain Bolt sein.“ Was Schüttler vor allem so beeindruckte, waren die Serien von 400-Meter-Läufen, mit denen Murray seine Ausdauer trainierte - Zehnerserien mit 85 Sekunden Pause. Dazu schwört Green vor allem auf Klimmzüge mit einem um die Hüfte gebundenen Gewicht von 20 Kilogramm.

22837761 © AFP Vergrößern Andere Welt: Das Tennis wird von der Fitness eines Djokovic dominiert

Zu muskelbepackt sind aber weder Djokovic noch Murray - der Serbe hat sogar Gewicht verloren, seit er sich glutenfrei ernährt. Dank dieser Diät sind auch die Atemprobleme verschwunden, die den Weltranglistenersten bis vor drei Jahren phasenweise behindert hatten. Dass er früher einmal sehr anfällig war, häufig den Arzt auf den Platz rief und Spiele abbrach, mag man sich heute kaum noch vorstellen. „Rückenschmerzen, Hüftschmerzen, ein Krampf, die Vogelgrippe, Anthrax oder ein Husten, was war es diesmal?“, spottete einst der Amerikaner Andy Roddick.

Eisbäder und Bikram-Yoga

Doch Vorbereitung und Regeneration ist mittlerweile alles - dafür klettern sie natürlich in Eisbäder, schwören wie Murray auf Bikram-Yoga, bei dem man die Übungen in einem auf rund 40 Grad erhitzten Raum absolviert, beschäftigen einen ganzen Stab von Mitarbeitern wie Physiotherapeuten, Fitnesstrainern, Ernährungsberatern. „Und das alles geht nur mit extremer Disziplin“, sagt Green.

Skepsis aber ist immer geblieben. Nadals muskelbepackte Oberarme riefen die Zweifler vor allem auf den Plan, noch mehr aber die beeindruckende Fähigkeit der Tennisstars zur schnellen Erholung. Nadal stand 2009 in Melbourne fünf Stunden und 14 Minuten im Halbfinale gegen seinen Landsmann Verdasco auf dem Platz und besiegte zwei Tage später in wiederum mehr als vier Stunden Federer.

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Und zu einer noch größeren Kraftanstrengung war Djokovic bei seinem Sieg im vergangenen Jahr gezwungen, als er gegen Murray und Nadal innerhalb von zwei Tagen knapp elf Stunden auf dem Center Court zubrachte. Geht das alles mit rechten Dingen zu? Indirekt nahm Djokovic dazu am Freitag Stellung, als er zu dem via Fernsehen verbreiteten Geständnis von Lance Armstrong Stellung bezog. „Es ist eine Schande für den Sport, einen solchen Athleten zu haben. Er soll für all seine Lügen büßen, er hat den Sport betrogen.“ Um Tennis macht sich Djokovic keine Sorgen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir zu den saubersten Sportlern überhaupt gehören.“

Quelle: F.A.Z.

 

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