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Australian Open Safinas Teufelskreis

 ·  Welch ein sportlicher Niedergang: Vor anderthalb Jahren war Dinara Safina noch die Nummer eins der Weltrangliste im Damen-Tennis. Bei den Australian Open schafft sie nun nicht einmal einen Spielgewinn gegen Kim Clijsters.

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0:6, 0:6. In 44 Minuten. Wie kann man weitermachen nach solch einem Tennisspiel? Wie verarbeitet man eine Partie, bei der am Ende alle nur noch Mitleid hatten, in der man für die ganze Branche freigegeben war zur öffentlichen Demütigung? Dabei sollte doch, da die Rückenprobleme angeblich überwunden sind, alles besser werden, vielleicht sogar wieder so wie einst. Denn Dinara Safina war vor noch allzu langer Zeit die laut Rangliste beste Spielerin der Welt, vom 20. April 2009 mit einer kurzen Unterbrechung bis zum 1. November 2009. Am Dienstag saß sie bei den Seitenwechseln auf ihrem Stuhl und suchte verzweifelt eine Lösung, wie sie überhaupt ein Spiel gegen diese Kim Clijsters gewinnen könnte. Sie fand keine. 0.6, 0:6. In 44 Minuten.

Acht Wochen lang hatte sie sich mit ihrem Trainer Gaston Etlis vorbereitet auf das neue Tennisjahr, fühlte sich bereit für das Comeback. „Aber Training ist das eine, und Tennisspiele sind das andere“, sagte sie. Und sobald es ernst wird, sobald es um Punkte geht, läuft bislang nichts zusammen. In Auckland hatte sie gegen die Belgierin Yanina Wickmayer 3:6, 7:6, 1:6 in der ersten Runde verloren, in Hobart war sie bei erster Gelegenheit an der Französin Marion Bartoli 0:6 und 1:6 gescheitert. Und nun das Desaster gegen Kim Clijsters. „Ich konnte nichts gegen sie tun“, sagte Dinara Safina, und das Gefühl kannte sie schon. „So war es gegen Bartoli zuletzt auch schon.“

Keine Spielerin für die ganz großen Gelegenheiten

Sie braucht dringend Siege, um wieder etwas Zuversicht zu schöpfen nach ihrem Absturz in der Weltrangliste. Der Rücken hatte ihr im vergangenen Jahr zu schaffen gemacht, und wenn sie mal spielte, gab es meistens Niederlagen. Da steckte sie längst in einem Teufelskreis – denn die Russin benötigt viel Training, um so gut zu sein, wie sie einmal war, aber viel trainieren konnte sie eben nicht. Das Talent, das ihr Bruder Marat einst im Übermaß besaß, hat sie nicht, dafür eine Arbeitseinstellung, die wiederum dem Bruder gänzlich abging.

Mit extrem viel Fleiß und Ehrgeiz hatte sie sich so in der Weltrangliste Platz um Platz nach vorne geschoben. Sie galt immer nur als die kleine Schwester des großen Bruders, und als sie endlich ganz oben angekommen war, wurde trotzdem herumgemäkelt. Eine Nummer eins, die kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hatte? Dreimal erreichte sie ein Finale eines Grand-Slam-Turniers, aber weder in Paris 2008 (gegen Ana Ivanovic), in Melbourne 2009 (gegen Serena Williams) und in Paris 2009 (gegen Svetlana Kuznesowa) gewann sie einen Satz, und es passte ins Bild, dass sie auch im Finale der Olympischen Spiele 2008 in Peking Elena Dementiewa unterlag. Keine Spielerin offenbar für die ganz großen Gelegenheiten.

Knackpunkt Wimbledon

„Sie hat einen tollen Job gemacht, in Stuttgart, Rom und Madrid“, giftete deshalb Serena Williams, als sie von der Russin vom ersten Platz der Weltrangliste verdrängt wurde. Im Halbfinale vom Wimbledon kam es 2009 zum direkten Aufeinandertreffen – und es wurde zur fürchterlichen Abreibung für die Russin. Sie unterlag 1:6 und 0:6, und hinter vorgehaltener Hand sagt so mancher, davon habe sie sich nicht mehr erholt. Kurz danach kam sie zwar noch einmal in Cincinnati ins Finale. Seitdem aber hat die einst beste Spielerin der Welt nur noch selten gewonnen.

„Sie hatte früher eine so tolle Rückhand, aber sie spielt nicht mehr so kraftvoll wie früher“, sagte Kim Clijsters. „Ich muss etwas ändern, aber ich weiß nicht was“, sagte Dinara Safina. „Wenn sie ein paar Spiele gewinnt, dann kommt alles wieder zurück“, sagte Kim Clijsters. Aber gegen wen sollte Dinara Safina momentan gewinnen können? (siehe auch: Tennis: Ergebnisse und Ranglisten und Australian Open kompakt: Nadal kurz - Becker weiter - Barrois sicher )

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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