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Australian Open : Murray Sieger im Nervenspiel

Mit der Faust ins Finale: Andy Murray besiegt in Melbourne Roger Federer Bild: AFP

Andy Murray spielt überlegen, verkraftet Rückschläge und setzt sich gegen Roger Federer nach vier Stunden in fünf Sätzen durch. Im Finale der Australian Open trifft er nun auf Novak Djokovic.

          Im schicken Crown-Hotel in der Melbourner Innenstadt wird mindestens ein Gast seinen Fernsehabend am Freitag sicher besonders genossen haben. Novak Djokovic wird, so wie er es angekündigt hatte, bequem auf dem Bett gelegen und entspannt zugesehen haben, wie sich Andy Murray und Roger Federer in der Rod-Laver-Arena die Bälle beim Kampf um den Einzug in das Herren-Finale um die Ohren hauten. Und besonders gegen 23.15 Uhr Ortszeit wird Djokovic noch einmal so richtig Gefallen an dieser Partie gefunden haben.

          So wie erhofft, war es ein paar Kilometer den Yarra-Fluß hinunter über fünf Sätze gegangen, ehe der Gegner des Serben schließlich feststand. Murray setzte sich in genau vier Stunden Spielzeit 6:4, 6:7, 6:3, 6:7 und 6:2 durch, und damit kommt es an diesem Sonntag zur selben Final-Besetzung wie vorigen September bei den US Open. Damals gewann der 25 Jahre alte Schotte seinen ersten Grand-Slam-Titel. „Ich hoffe, diese Erfahrungen werden mir im Endspiel helfen“, sagte der 25-Jährige. Federer, der sich mit seinem Aufschlag schwertat und von Murray oft in die Defensive gedrängt wurde, sagte: „Nach einem Spiel über fünf Sätze auszuscheiden, ist natürlich bitter.“

          Von den großen Vier spielt momentan nur ein Trio mit: Rafael Nadal, der vierte Mann aus dem Quartett, fehlt seit dem Wimbledon-Turnier und wird demnächst sein Comeback in Chile geben. Die Auslosung in Melbourne hatte es so gewollt, dass der Weltranglistenzweite Federer und der Weltranglistendritte Murray in einer Tableau-Hälfte standen und deshalb im Semifinale aufeinandertrafen. Die Hälfte von Djokovic war wegen des Fehlens eines adäquaten Gegners im Halbfinale von vornherein allgemein als wesentlich einfacher eingeschätzt worden, was sich als richtige Annahme erwiesen hatte. Zum Leidwesen der Zuschauer war das erste Semifinale am Donnerstag aber für den neuen Weltranglistenvierten David Ferrer bei der deutlichen Niederlage gegen Djokovic (2:6, 2:6, 1:6) zu einer Vorführung für den Spanier geworden.

          Dementsprechend mehr erhofften sich die 15.000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena am Freitag - und von wem sie sich ganz viel erhofften, war bald unüberhörbar geworden. Federer war nach dem verlorenen ersten Durchgang im zweiten Satz dran geblieben, hatte gegen den souverän aufschlagenden und gefährlich returnierenden Murray geduldig auf seine Chance gewartet. Im Tiebreak hatte der 31 Jahre alte Schweizer dann mit all seiner Erfahrung und zur Freude der Mehrzahl der Zuschauer seine Chance zum Satzausgleich genutzt.

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          Roger Federer streckte sich nach Kräften und verlor am Ende doch :

          Von Murray weiß man, dass er seit etwas mehr als einem Jahr mit Ivan Lendl zusammenarbeitet und dass sich seitdem vieles zum Guten in seiner Karriere gewendet hat. Er hat im vergangenen Sommer die olympische Goldmedaille gewonnen, er hat danach in New York als erster Brite nach 76 Jahren ein Grand-Slam-Turnier gewonnen - und das im fünften Satz, nachdem er eine 2:0-Satzführung verspielt hatte. Dieser Murray also ist in entscheidenden Momenten kein Nervenbündel mehr, dieser Murray wirkt noch fitter, als er ohnehin schon immer war, und dieser Murray hat auch offenbar keine Selbstzweifel mehr. Das zeigte sich im dritten Satz, als er Federer beim 6:3 keine Chance ließ, und das sollte sich vor allem nach einem Rückfall im vierten Satz zeigen, der ihn früher umgeworfen hätte.

          Federer war in diesem vierten Durchgang das erste Break gelungen, dann führte er 4:2, was für frenetischen Jubel auf den Rängen sorgte. Aber Murray war der bessere Spieler, vor allem der konstantere Spieler geblieben, und nachdem er dem Schweizer in der Folge zweimal den Aufschlag abgenommen hatte, durfte er beim Stand von 6:5 zum Matchgewinn aufschlagen.

          „Ich werde mein absolut bestes Tennis spielen müssen“

          Ein einziges Break war Federer bis dahin gelungen, doch nun, als er dringend ein weiteres benötigte, schaffte er es auch. Und Murray, dem zeitweilig nur noch zwei Punkte gefehlt hatten, musste plötzlich in den Tiebreak. Wieder gelang dem Schweizer dort der Satzausgleich, und früher wäre es kaum eine Frage gewesen, wie die Partie danach ausgegangen wäre.

          „Es hilft natürlich, wenn man enge Spiele gewinnt anstatt sie immer zu verlieren“, sagte Murray später auf die Frage, ob ihm die positiven Erfahrungen des vergangenen Jahres in solchen Momenten nun weiterhelfen. Im fünften Satz gelang ihm gleich das Break zum 2:0, und danach war Federer, der zum ersten Male in seine langen Karriere zwei Fünfsatzspiele nacheinander bestreiten musste, nicht einmal mehr in die Nähe eine Breakchance gekommen. „Ich werde mein absolut bestes Tennis spielen müssen, um Novak zu schlagen“, sagte Murray zum anstehenden Finale gegen Djokovic: „Wenn man gefordert wird, muss man bereit sein.“ Ganz sicher wird das auch ein Fernsehzuschauer im Crown-Hotel gehört haben.

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