Home
http://www.faz.net/-gtl-762yj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.01.2013, 16:01 Uhr

Australian Open Mister Melbourne

Es ist eine australische Liebesgeschichte: wieder gewinnt Novak Djokovic das Grand-Slam-Turnier in Melbourne - und das zum dritten Mal in Serie. Andy Murray fordert ihn, gefährden kann er ihn nicht.

© REUTERS Liebe auf blauem Boden: „Das ist definitiv mein Lieblings-Grand-Slam“

Natürlich ist dieser Mann nicht unschlagbar - auch bei den Australian Open nicht. In Melbourne scheinen die Möglichkeiten zwar begrenzt zu sein, Novak Djokovic eine Niederlage beizubringen, aber wenn sich eine dieser raren Möglichkeiten bietet, dann muss man entschlossen zugreifen. Weil Andy Murray das aber im zweiten Satz des Finales verpasste, hieß der Sieger wieder so wie schon 2011 und 2012. Novak Djokovic setzte sich 6:7 (2:7), 7:6 (7:3), 6:3, 6:2 durch - und das sogar in einer für die heutige Spielergeneration durchaus moderaten Spielzeit von 3:40 Stunden, nachdem das Finale im vergangenen Jahr mehr als zwei Stunden länger gedauert hatte. Als erstem Spieler der Profi-Ära ist es dem Serben damit gelungen, dreimal nacheinander in Melbourne zu gewinnen - das hatte zuletzt Roy Emerson geschafft, der zwischen 1963 und 1967 gleich fünfmal triumphierte.

Peter Penders Folgen:

Es wäre keine Überraschung, würde Djokovic auch diesen Rekord des Australiers noch einstellen. Schließlich scheint dieser blaue Platz eine besondere Magie für ihn zu entwickeln. „Ich liebe diesen Platz“, sagte er, nachdem er den Siegerpokal aus berufener Hand erhalten hatte - Andre Agassi hatte in Melbourne einst selbst viermal gewonnen. Die Gründe für diese besondere Zuneigung liegen auf der Hand. Der Weltranglistenerste hat nun vier seiner sechs Grand-Slam-Titel in Melbourne gewonnen - und 2008 auch den schwierigsten: seinen ersten.

Mehr zum Thema

Das Finale endete recht einseitig, nachdem es lange Zeit so ausgesehen hatte, als sollten Djokovic und Murray abermals eine Rekordzeit benötigen, um den Sieger zu ermitteln. Der erste Satz hatte immerhin 68 Minuten gedauert, und dass ihn sich am Ende Murray im Tiebreak sicherte, wirkte paradox. Der Schotte hatte schließlich fünf Breakbälle abwehren müssen, und obwohl Djokovic für seine Verhältnisse ungewöhnliche viele Fehler produzierte und Chancen vergab, war er im Grunde der tonangebende Spieler gewesen. Im Tiebreak aber war dem Titelverteidiger dann nahezu alles misslungen - und Murray hatte sich dem ersten Satz gesichert, ohne viel falsch machen zu können.

22968219 © AP Vergrößern Verzweiflung beim Schotten: Andy Murray hätte den zweiten Satz - und damit das Match - gewinnen können

Tennis aber ist manchmal ein merkwürdiges Spiel, denn im zweiten Durchgang sollte sich die ganze Geschichte wiederholen - nur mit vertauschten Rollen. Diesmal war es Murray gewesen, der gleich zu Beginn drei Breakbälle nicht nutzen konnte. Djokovic wirkte unzufrieden mit sich und der Welt, bewies aber trotz aller Wut über einen vergebenen Punkt noch seine fußballerischen Qualitäten, als er einen Ball volley über das Netz zurück schoss. Es war der Moment, in dem die Chance von Andy Murray quasi in von Ballwechsel zu Ballwechsel wuchs. „Im Nachhinein betrachtet, war das meine größte Möglichkeit, dieses Finale zu gewinnen“, sagte der Schotte. Eine 2:0-Satzführung hätte ihm einen riesigen Vorteil verschafft - auch wenn er zuletzt bei den US Open einen solchen Vorsprung noch vergeben hatte, ehe er doch in fünf Sätzen gesiegt hatte. Aber nach zwei Stunden und 13 Minuten hatte es eben 1:1 gestanden. Im Tiebreak hatte Murray mit einem Doppelfehler den Verlust des zweiten Satzes eingeleitet. Und auch sein Ende in diesem Finale.

Er kann sich innerhalb eines Spiels enorm steigern

Novak Djokovic besitzt schließlich eine besondere Gabe, die ihn von vielen anderen unterscheidet. Er kann sich innerhalb einer Partie enorm steigern, im Grunde wird er sowieso immer besser, je länger die Begegnung dauert. Doch in diesem Endspiel hatte er bis zu diesem Zeitpunkt für seine Verhältnis eher unterdurchschnittlich aufgespielt, und als er nun begann, erst wie ein normaler und dann wie ein guter Djokovic zu spielen, war schnell zu ahnen, wie es mit diesem Finale weitergehen würde. „Der Knackpunkt war vermutlich dieses Aufschlagspiel zu Beginn des zweiten Satzes. Ich war da innerlich noch sehr aufgeregt, weil ich den ersten Satz trotz guter Chancen verloren hatte. Und ein Break hätte mich nicht ruhiger gemacht“, sagte der Serbe. Doch als diese Gefahr vorüber gezogen war, ging ihm in der Folge zwar nicht alles wie von selbst von der Hand, aber zumindest vieles leichter. „Ich habe gespürt, dass ich meinen Rhythmus finde.“

22968205 © AFP Vergrößern Besondere Gabe: Novak Djokovic kann sich steigern, wenn es darauf ankommt

Sein Gegner spürte zum selben Zeitpunkt etwas ganz anderes und viel Unangenehmeres - dass er nämlich müde wurde. Vier Stunden hatte Murray am Freitag benötigt, um Roger Federer niederzuringen. Sein Gegenüber hatte nicht nur einen Tag länger zur Erholung gehabt, sein Halbfinale gegen David Ferrer hatte auch noch nur halb so lang gedauert und war alles, aber nicht kräftezehrend gewesen. Trotzdem aber dauerte es im Finale beachtliche zwei Stunden und 51 Minuten, ehe es zum ersten Break dieser Partie kam. Djokovic nahm Murray den Aufschlag zum 5:3 im dritten Satz ab, und die Geschichte dieses Endspiels war danach nicht mehr aufzuhalten.

Der Schotte muss sich aber nicht allzu sehr über die fünfte Niederlage im sechsten Grand-Slam-Finale grämen - glücklicherweise hatte er im September vergangenen Jahres mit seinem Sieg bei den US Open ja sein erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen und die 76jährige Wartezeit der Briten beendet. Er hatte eine kleine Chance besessen, aber irgendwie war sie ihm aus den Händen geglitten. Novak Djokovic blieb nicht viel Zeit, seinen nächsten magischen Tag in Melbourne zu feiern. Noch in der Nacht ging es zurück nach Europa. Am Wochenende steht für Serbien die Davispokalpartie in Belgien an.

Tennis Australian Open 2013 © dpa Vergrößern Seriensieger in Australien: Novak Djokovic

Australian Open, Ergebnisse

Männer, Finale
Novak Djokovic (Serbien/1) - Andy Murray (Großbritannien/3) 6:7 (2:7), 7:6 (7:3), 6:3, 6:2 

Mixed, Finale
Jarmila Gajdosova/Matthew Ebden (Australien) - Lucie Hradecka/ Frantisek Cermak (Tschechien) 6:3, 7:5

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Finale der Australian Open Djokovic ist der König von Melbourne

Schon zum sechsten Mal in seiner Tennis-Karriere gewinnt Novak Djokovic die Australian Open. Gegen Andy Murray setzt sich der Serbe glatt in drei Sätzen durch. Für den Schotten sind aber andere Dinge wichtiger. Mehr

31.01.2016, 12:48 Uhr | Sport
Nach Grand-Slam-Erfolg Angelique Kerber wieder in Deutschland

Um 6 Uhr landete Grand-Slam-Gewinnerin Angelique Kerber am Montagmorgen in Frankfurt. Eine handvoll Fans hatte sich von der Uhrzeit nicht abschrecken lassen und gratulierte der 28-jährigen zu ihrem bislang größten Triumph. Im Finale der Australian Open hatte sie sich gegen die Favoritin Serena Williams durchgesetzt. Mehr

01.02.2016, 11:26 Uhr | Sport
Australian Open Murray macht’s und fordert Djokovic heraus

Zum fünften Mal steht Andy Murray im Endspiel der Australian Open. Gegen Milos Ranoic musste der Brite fünf Sätze auf seinen ersten Matchball warten. Nun hat er die Chance auf eine Revanche. Mehr

29.01.2016, 15:37 Uhr | Sport
Melbourne Kerber feiert ihren ersten Grand-Slam-Titel

Nach dem Spiel habe die Gewinnerin mit ihrem Team gefeiert. Und die Tradition von Boris Becker aus dem Jahre 1991 fortgesetzt: Ein morgendlicher Sprung in den Yarra River von Melbourne. Mehr

31.01.2016, 11:05 Uhr | Sport
Australian Open Murray im Halbfinale gegen Raonic

Der britische Weltranglisten-Zweite Andy Murray ringt in Melbourne den Spanier David Ferrer in vier Sätzen nieder. Im Halbfinale der Australian Open trifft er auf Milos Raonic. Mehr

27.01.2016, 09:30 Uhr | Sport

Ungehorsam in Afrika

Von Evi Simeoni

Die Peitsche von Blatters Doppelpartner Hayatou zeigt nicht mehr die alte Wirkung. Das macht Hoffnung, dass sich im Fußball doch eine Winzigkeit zum Besseren ändern kann. Auch wenn niemand weiß, für wie lange. Mehr 0