Lleyton Hewitt ist seit 16 Jahren als Tennisprofi unterwegs, und weil er sich immer treu geblieben ist, kann er auch niemanden mehr überraschen. Er ist ein Kämpfer, einer, der niemals aufgibt, und wenn er eine Chance erahnt, dann setzt er alles ein, um sie zu nutzen. Und natürlich ist er ein Mann für die langen Strecken, erst recht bei diesen Australian Open. Gegen den Deutschen Cedrik-Marcel Stebe schien mal wieder so ein fünfter Satz unvermeidbar. Hewitt hatte in der Night Session die ersten beiden Durchgänge 7:5 und 6:4 gewonnen, den dritten Satz hatte sich Stebe mit 6:3 geholt und im vierten lag der Deutsche nach zwei Breaks 5:1 vorne. Mancher Spieler konzentriert sich bei einem solchen Rückstand schon auf den entscheidenden fünften Satz.
Einem wie Hewitt sind solche Gedanken vermutlich fremd, denn als Stebe nur eine Winzigkeit nachließ, kämpfte sich der Australier mit aller Macht in diesen Satz zurück. Wie ein Raubtier, das seine Beute wittert, ließ er nicht mehr locker, ganz egal, was vorher in diesem Satz geschehen war. Hewitt glich aus, ging in Führung, holte sich auch noch das dritte Break nacheinander zum 7:5. Er hatte den 15.000 Zuschauern mal wieder alles geboten, was in seinem von 16 Profijahren strapazierten Körper noch steckt - so kennt man ihn halt.
Es war eine doppelte Lehrstunde für Stebe, und der Aufsteiger des vergangenen Jahres wird sicher seine richtigen Lehren daraus ziehen. Um 297 Plätze hat er sich 2011 in der Weltrangliste auf den 81. Rang verbessert, aber auf einer solchen Bühne hatte er noch nicht auftreten dürfen. „Eine einzigartige Atmosphäre“, sagte der 21 Jahre alte Linkshänder, der am Ende des vergangenen Jahres das Challenger-Finalturnier in Brasilien gewonnen hatte. Nun ist er in der ersten Kategorie angekommen, und wenn er sich im Tennis so wissbegierig wie in anderen Bereichen zeigt, dann wird es weiter vorwärts gehen. Stebe spricht vier Sprachen, und französisch und italienisch hat er sich bei Auslandsaufenthalten selbst beigebracht, dazu versteht er auch noch kroatisch.
Nicht ganz so wortgewandt im fremden Sprachen sind Sabine Lisicki, Angelique Kerber und Philipp Petzschner, dafür aber eine Runde weiter.