28.01.2012 · Viktoria Asarenka siegt bei den Australian Open und erobert die Spitze der Weltrangliste. Die Weißrussin profitiert im Finale von den Fehlern Maria Scharapowas.
Von Peter Penders, MelbourneDie letzte Last wuchtete Viktoria Asarenka ohne jeden Stöhner hoch, und vermutlich hatten das die wenigsten erwartet. Doch als sie den Pokal für ihren Sieg bei den Australian Open in Empfang nahm, waren die schweren Lasten ja alle schon von ihr abgefallen, und diese letzte Kraftanstrengung wird ihr nur wie eine leichte Übung vorgekommen sein. Die Vorzeichen, unter denen dieses Finale stand, waren eindeutig - die Siegerin würde nicht nur den opulenten Siegerscheck von rund 1,86 Millionen Euro in Empfang nehmen, sondern in der am Montag erscheinenden neuen Weltrangliste auch den Spitzenplatz übernehmen.
Maria Scharapowa hatte dort 2005 als erste Russin überhaupt und 2008 noch einmal gestanden, sie hatte auch bei den Australian Open gewonnen (2008), doch all die Erfahrung half ihr an einem Tag nicht weiter, an dem ihr so gut wie nichts gelang. Wie nervös Viktoria Asarenka angesichts der besonders weit reichenden Bedeutung dieses Finales möglicherweise gewesen war, blieb angesichts der Fehlerquote ihrer Gegnerin verborgen. Nach 82 Minuten war alles vorbei und Viktoria Asarenka nach ihrem 6:3 und 6:0-Sieg vorerst am Ziel aller Träume. Als erste Weißrussin gewann sie ein Grand-Slam-Turnier, und als erste Weißrussin steht sie nun an der Spitze der Weltrangliste.
Dass dieses Finale eine derart einseitige Angelegenheit werden würde, darauf hatte zunächst nichts hingedeutet. Maria Scharapowa war gleich ein Break gelungen, danach hatte sie auch ihr erstes Aufschlagspiel noch sicher gewonnen - doch nach dem Rebreak war ihr die Kontrolle über die Partie vollends entglitten. „Ich habe gemerkt, dass sie die aggressivere Spielerin wurde, und wollte gegenhalten. Aber dabei war ich wohl etwas übermotiviert“, sagte die Russin, die bis zu diesem Finale einen überaus guten Eindruck hinterlassen hatte. Nervös sei sie nicht gewesen, „ich habe einfach nur Fehler produziert“. Die Statistiker zählten 30 einfache Fehler.
Zu viele gegen eine Viktoria Asarenka, die nur noch einmal zitterte - als sie mit etwas wackeliger Stimme ihre Siegesrede halten musste und davon sprach, dass ein Traum wahr geworden sei. „Das Schlimmste an diesem Tag war das Warten auf den Moment, an dem dieses Finale endlich beginnen würde“, sagte die neue Weltranglistenerste, die sich nach dem ernüchternden Start schnell an die grundlegenden Dinge besann: „Nur Punkt für Punkt denken.“
Nach dem Matchball war auch eine lange Diskussion beendet. Viktoria Asarenkas Vorgängerin, die nun auf den vierten Platz zurückfallende Dänin Caroline Wozniacki, hatte die Weltrangliste 67 Wochen angeführt, aber kein einziges Grand-Slam-Turnier gewonnen. Das gelang der Weißrussin nun auf Anhieb, und nebenbei gewann sie noch einen anderen, in diesen Tagen ebenfalls vielbeachteten Wettbewerb. Die Frage, welche der beiden jeden Schlag mit einem spitzen Schrei begleitenden Finalteilnehmerinnen die Lautere sei, wurde überzeugend beantwortet: Die neue Weltranglistenerste war nicht zu überhören.
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DANY FRANKY (danyandfrank)
- 28.01.2012, 14:31 Uhr