16.01.2008 · Der kurze Aufschwung bei den Australian Open ist für Rainer Schüttler mit dem Aus in Runde zwei schon wieder beendet. Philipp Kohlschreiber gewann sein zweites Match. Unterdessen rechtfertigte die Polizei den Einsatz mit Pfefferspray gegen Fans.
Philipp Kohlschreiber ist als erster deutscher Tennisprofi bei den Australian Open in die dritte Runde eingezogen. Der 24 Jahre alte Augsburger gewann am Mittwoch gegen den Russen Jewgeni Korolew, der beim Stand von 6:4, 6:2, 0:1 aus Sicht des Augsburgers aufgeben musste (Siehe auch: Tennis: Ergebnisse von den US Open).
Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres trifft der Davis-Cup-Spieler im Kampf um den Einzug in das Achtelfinale auf Andy Roddick. Der Amerikaner setzte sich gegen Michael Berrer durch. Der Weltranglisten-Sechste ließ dem Deutschen beim 2:6, 2:6, 4:6 keine Chance. Am Donnerstag hat der Lampertheimer Denis Gremelmayr gegen Vincent Spadea aus den Vereinigten Staaten ebenfalls noch die Chance, in Melbourne die dritte Runde zu erreichen.
Schüttler, Kerber und Klösel scheitern
Rainer Schüttler ist hingegen in der zweiten Runde ausgeschieden. Der 31 Jahre alte Tennisprofi aus Korbach verlor am Mittwoch überraschend deutlich 2:6, 2:6, 1:6 gegen den Franzosen Gilles Simon. Zuvor waren die Fed-Cup-Spielerin Angelique Kerber und Sandra Klösel gescheitert. Die 28 Jahre alte Klösel unterlag der Weißrussin Victoria Azarenka 1:6, 1:6. Kerber musste sich zwei Tage vor ihrem 20. Geburtstag der Italienerin Francesca Schiavone mit 2:6, 3:6 geschlagen geben.
Von den acht gestarteten deutschen Damen sind damit nach Martina Müller, Andrea Petkovic, Tatjana Malek, Angelika Bachmann und Julia Schruff bereits sieben aus dem Grand-Slam-Turnier in Melbourne ausgeschieden. Am Donnerstag kämpft als letzte im Feld verbliebene Deutsche die 18 Jahre alte Grand-Slam-Debütantin Sabine Lisicki gegen Maria Korytzewa aus der Ukraine um den Einzug in die dritte Runde.
Mama Davenport ohne Chance gegen Scharapowa
Diese haben Justine Henin, Serena Williams und Rafael Nadal schon erreicht. Die Weltranglisten-Erste Henin aus Belgien setzte sich gegen die Russin Olga Putschkowa 6:1, 7:5 durch. Titelverteidigerin Serena Williams aus den Vereinigten Staaten gewann gegen die Chinesin Meng Yuan ebenso glatt mit 6:3, 6:1. Der spanische Weltranglisten-Zweite Nadal bezwang den Franzosen Florent Serra mit 6:0, 6:2, 6:2.
Derweil hat Lindsay Davenport den Einzug in die dritte Runde nach einer Niederlage gegen Maria Scharapowa verpasst. Die 31 Jahre alte Amerikanerin musste sich der Weltranglisten-Fünften aus Russland in der Rod Laver Arena mit 1:6, 3:6 geschlagen geben. Für Davenport war es die erste Teilnahme an einem Grand-Slam-Tturnier seit den US Open 2006. Die ehemalige Nummer eins der Welt hatte im vergangenen Jahr nach einjähriger Babypause ihr Comeback gefeiert und anschließend drei Turniere gewonnen.
„Direkte Antwort auf Bedrohung durch einige Fans“
Unterdessen hat der Einsatz von Pfefferspray gegen Fans bei den Australian Open eine Sicherheitsdebatte ausgelöst und Kritik an der Arbeit der Polizei hervorgerufen. Im Abendspiel zwischen dem Chilenen Fernando Gonzalez und dem Griechen Konstantinos Economidis war es am Dienstag auf der Tribüne der Margaret Court Arena zu Auseinandersetzungen zwischen einer kleinen Gruppe offenbar betrunkener griechischer Fans und Polizisten gekommen, in dessen Verlauf die Beamten auch Pfefferspray einsetzten.
„Der Gebrauch des Sprays war eine direkte Antwort auf die Bedrohung durch einige Fans“, sagte Superintendent John Cooke von der Victoria Police am Mittwoch in Melbourne bei einer eigens anberaumten Pressekonferenz. Dagegen sprachen zahlreiche Augenzeugen in lokalen Medien von einer „absoluten Überreaktion der Polizei“. „Es gab keinen Grund, mit dem Spray auf uns loszugehen“, sagte Nick Zoukis der Tageszeitung „The Age“. „Wir haben nur gesungen, es gab auch keine rassistischen Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen.“
Schon im Vorjahr kam es zu Ausschreitungen
Nach Informationen der Zeitung klagten mindestens 30 Zuschauer über Unwohlsein, darunter auch Kinder. Diese Darstellung wies Cooke zurück, der von insgesamt zehn Personen sprach, die behandelt werden mussten. „Darunter waren keine Frauen und keine Kinder.“ Drei Fans wurden festgenommen, darunter der Vorsitzende eines örtlichen Fußballklubs. Die Partie, die Vorjahresfinal-Teilnehmer Gonzalez 6:4, 7:6 (7:2), 6:1 gewann, musste mehrere Minuten unterbrochen werden.
Turnierdirektor Craig Tiley, der vor dem Grand-Slam-Turnier nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres eine „Null-Toleranz“-Politik in Sicherheitsfragen angekündigt hatte, sprach der Polizei sein „vollstes Vertrauen“ aus. „Wir können solch ein Verhalten einer Minderheit nicht tolerieren.“ Im Vorjahr war es am ersten Turniertag zu Ausschreitungen zwischen serbischen, kroatischen und griechischen Fans gekommen - mit 150 Platzverweisen, aber ohne Festnahmen.
„Sie hatten Spaß. Das war wie im Davis Cup“
Was in diesem Fall genau auf der Tribüne passierte, ist noch immer nicht ganz klar. Fest steht, dass eine kleine Gruppe griechischer Fans, die nach Cookes Angaben unter „erheblichem Alkoholeinfluss“ standen, den Qualifikanten Economidis lautstark anfeuerte. Offensichtlich fühlten sich einige Zuschauer dadurch gestört und wandten sich an die Sicherheitskräfte, die dann die Polizei alarmierten.
Als die Beamten einen der Fans von der Tribüne führen wollten, habe dieser sich gewehrt und die Polizisten beleidigt. Darauf kam es zu einem Gerangel, ernsthaft verletzt wurde niemand. Gonzalez störte das Geschreie offensichtlich nicht. „Sie haben ein paar Sachen gesagt, aber das gehört dazu. Sie hatten Spaß. Das war wie im Davis Cup.“
„Dies hier ist und bleibt der Happy Slam“
Augenzeugen sagten in einer morgendlichen Radiosendung, die schlimmste Beleidigung sei „Tunte“ gewesen. Doch nachdem es nun schon im zweiten Jahr nacheinander beim von Roger Federer „Happy Slam“ getauften Turnier im Melbourne Park zu Zwischenfällen gekommen ist, machen sich die Australier Sorgen um den Ruf ihrer Veranstaltung.
Turnierdirektor Tiley räumte ein, dass man sich nach der Veranstaltung Gedanken machen werde über die Erlaubnis, auf dem Gelände sogenanntes Vollbier auszuschenken. Bei den meisten anderen Sportveranstaltungen in Australien wird nur Light-Bier angeboten. Doch auf die Frage, ob er nicht um das Image seines Turniers fürchte, antwortete Tiley: „Das sind Einzelfälle, dies hier ist und bleibt der Happy Slam.“
Vorsätzliche Krawalle
Josef Bujtor (Mramorak)
- 16.01.2008, 11:59 Uhr