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Augsburger Panther Wir gegen diese Millionäre!

11.04.2010 ·  Nach dem Coup gegen Meister Berlin ist sogar das DEL-Finale in Sicht: Mit dem kleinsten Etat schaffen die Augsburger Panther eine wahre Eishockey-Sensation. Dass daraus dauerhaft etwas Großes erwächst, glaubt in Augsburg aber niemand.

Von Günter Klein, Augsburg
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Die Augsburger Panther reden gerade gerne über Geld. Über das der anderen. Das der Mannheimer Adler. Das der Eisbären Berlin. Beide Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) haben sie im Verlauf der Play-offs besiegt, und beim Anheizen der Heimspiele konnte Stadionsprecher Rolf Störmann nicht widerstehen, auf die finanzielle Überlegenheit der Gegnerschaft hinzuweisen.

Wir gegen diese Millionäre - das ist zum Motto geworden, das die Augsburger bis ins Halbfinale der DEL und dort zur 1:0-Führung gegen die Wolfsburg Grizzly Adams getragen hat. An diesem Sonntag (18.30 Uhr) findet das zweite Spiel in der „Best of five“-Serie statt - im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion, das immer noch keine echte Halle, sondern an drei Seiten offen ist.

Der richtige Ort, um den Klassenkampf fortzusetzen. Wolfsburg ist auch das passende Feindbild: Retorte statt Tradition, subventioniert vom Volkswagen-Konzern. Vor zwei Jahren haben die Grizzly Adams den Panthern den besten Verteidiger abgeworben, den Letten Arvids Rekis. Wahrscheinlich wird Stadionsprecher Störmann auch darauf anspielen: „Wir haben nicht die großen Namen, wir machen sie.“

Immer dabei, aber nie mittendrin

Das sind die Töne, die eine der größten Überraschungen der Playoff-Geschichte (das System gibt es im deutschen Eishockey seit drei Jahrzehnten) begleiten. Zwar sind die Augsburger der älteste eissporttreibende Verein Deutschlands (Gründungsdatum 1878), zwar produzierten sie herausragende Nationalspieler wie einst die Stürmergrößen Ernst Höfner und Holger Meitinger oder Torhüter Klaus Merk - doch sie erreichten nie den Status der bayerischen Keimzellen Füssen, Bad Tölz, Riessersee.

Und als das Eishockey großstädtisch wurde mit Einführung der DEL 1994, waren die Augsburger dabei, aber nie mittendrin. In 16 Jahren DEL blieb das Erreichen der Play-offs die Ausnahme, einmal nur gewannen die Panther eine Runde, das war vor vierzehn Jahren, aber auch nur das damals noch ausgetragene Achtelfinale, wo sie als Zwölfter den Fünften Schwenningen besiegten.

Fans drohen, die Gaststätte abzufackeln

Bei anderen Vereinen stiegen Investoren ein, Unternehmer wie der Amerikaner Phil Anschutz (Berlin, Hamburg) oder Handelskonzerne wie die Metro (Düsseldorf) oder Saturn (Ingolstadt). Augsburger Hauptgesellschafter ist seit 23 Jahren Lothar Sigl, ein Eishockey-Liebhaber, der einen Landgasthof und einen kleinen Frischemarkt nebenan betreibt und der sich für jedes Spiel des Vereins, der ihm eigentlich gehört, eine Eintrittskarte kauft.

In schlechten Zeiten drohten die Fans schon mal, seine Gaststätte abzufackeln - doch Sigl hielt durch. Vor fünf Jahren holte er mit dem ehemaligen Landshuter, Münchner und Hamburger Max Fedra einen renommierten Eishockey-Manager, der das wirtschaftliche Tagesgeschäft betreibt und der Stadt Augsburg endlich die Investition abrang, das Stadion bis 2012 zur Halle zu machen. Ohne dieses 18-Millionen-Euro-Paket würde die DEL ihr Gründungsmitglied ausschließen.

Larry Mitchell - ein Star der kleineren Ligen

Entscheidende sportliche Personalie war vor zweieinhalb Jahren die Verpflichtung von Larry Mitchell als Trainer. Der Deutschkanadier, geboren in Zweibrücken als Soldatensohn, hatte selbst nur eine bescheidene DEL-Karriere mit 14 Einsätzen für Wedemark und Krefeld hingelegt, er war ein Star der kleineren Ligen, ein Torjäger in Bad Nauheim und Bietigheim, „aber viel zu langsam“, wie er einräumt. Doch Mitchell, 42, ist ein Trainertalent - und wohl mehr noch ein großartiger Scout.

Auf Sichtungsreisen durch die American Hockey League fand er schnelle Spieler Mitte zwanzig, denen er die DEL zutraute. Er hat sich nicht geirrt: Brett Engelhardt, Colin Murphy, Jeff Likens, T. J. Kemp, Connor James sind zu Stars geworden; Chris Collins, der alle drei Tore am Freitag in Wolfsburg beim 3:2-Sieg nach Verlängerung schoss, entdeckte er in Finnland, den Deutschkanadier Darin Olver in Straubing.

Der Klassenkampf geht weiter

Dort gelangen Olver vergangene Saison zwei Tore - unter Mitchell in Augsburg sind es bereits 30. Sein Ausbildungsmeisterwerk hat Mitchell an Dennis Endras vollbracht. Er war sein Torwart in Landsberg in der zweiten Liga, er brachte ihn nach Augsburg mit, machte ihn zur uneingeschränkten Nummer eins und zum Nationaltorhüter. Weil Mitchell auch noch junge deutsche Verteidiger herangezogen hat, können die Panther es sich leisten, sieben ihrer zehn Ausländer-Lizenzen für Stürmer zu vergeben.

Mit dieser Taktik hielt der Klub mit dem kleinsten Etat in der DEL (3,4 Millionen Euro) mit. Dass daraus dauerhaft etwas Großes erwächst, glaubt in Augsburg aber niemand. Kommende Saison wird die Mannschaft anders aussehen, die meisten der Nordamerikaner haben schon woanders unterschrieben.

Mitchell hatte einige Zeit Frust, „als im November einer nach dem anderen in mein Büro kam und sagte, dass er gehen würde“. Der erfahrene Manager Fedra riet dem jungen Trainer Mitchell, „das nicht persönlich zu nehmen“. Der Coach hat es akzeptiert: „Damit werben wir ja auch: Spieler können sich über Augsburg für bessere Verträge empfehlen.“ Der Klassenkampf geht weiter.

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