06.08.2006 · Floyd Landis ist als erster Träger des Gelben Trikots in der Geschichte der Tour de France als Doper überführt worden. Der Amerikaner ignoriert weiter die Tatsachen. Das Phonak-Team reagierte mit fristloser Kündigung seines Kapitäns auf die positive B-Probe.
Floyd Landis ist als erster Träger des Gelben Trikots in den 103 Jahren der Tour de France in vollem Umfang als Doper überführt worden. Sein Schweizer Phonak-Team, das um den Fortbestand bangt, weil der Lizenzentzug sowie der Verlust eines Hauptsponsors drohen, reagierte am Samstag mit fristloser Kündigung seines Kapitäns auf die positive B-Probe.
Kurz zuvor hatte der Internationale Radsportverband (UCI) das Ergebnis der von Landis geforderten Gegenanalyse veröffentlicht. Dieser Test war am vergangenen Donnerstag - in Anwesenheit von drei Landis-Anwälten - wie schon die Untersuchung der A-Probe im französischen Labor in Chatenay-Malabry bei Paris vorgenommen worden. Der dreißigjährige Radprofi aus den Vereinigten Staaten hat demnach synthetisches Testosteron zugeführt.
Deutliches Ergebnis
Bei allen Dopingkontrollen wird der Urin in eine A- und eine B-Probe aufgeteilt. Erst wenn beide Proben dasselbe Ergebnis aufweisen, kann die Sportgerichtsbarkeit eingreifen. Das ist auch der Grund, weshalb der positiv getestete amerikanische Sprinter Justin Gatlin seinen Start bei den nationalen Meisterschaften im Juni durchsetzen konnte: Die Gegenanalyse der Dopingkontrolle von Ende April lag damals noch nicht vor. Daß die B-Probe (die zunächst eingefroren wird) ein negatives Ergebnis ergibt, etwa durch Laborfehler, ist höchst selten.
Auch die zweite Analyse hat bei Landis einen unzulässigen Testosteron/Epitestosteron-Quotienten ergeben, das heißt, einen überhöhten Anteil des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Statt des maximal erlaubten Testosteron-Verhältnisses von 4:1 zu Epitestosteron (der Grenzwert ist großzügig gesetzt, normalerweise beträgt der Wert bei gesunden, erwachsenen Männern etwa 2:1) wurde ein Wert von 11:1 ermittelt. Testosteron gilt als das von Spitzensportlern am häufigsten angewandte anabole Steroid, zumindest in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Es beschleunigt die Erholung und fördert den Kraftaufbau. Testosteron ist nicht nur ein schnell wirkendes Steroid, sondern es durchläuft auch rasch den Stoffwechsel und wird dann ausgeschieden. Das Hormon der männlichen Keimdrüsen wurde erstmals 1935 aus Stierhoden isoliert.
Er leugnet weiter
Landis war am 20. Juli nach der 17. Tour-Etappe im Alpenort Morzine erwischt worden. Er leugnet nach wie vor, das Hormon eingenommen zu haben. Das Ergebnis der zweiten Analyse vernahm er an seinem Wohnort in Kalifornien, er gab nur eine schriftliche Erklärung ab: "Ich werde diese Vorwürfe mit derselben Entschlossenheit und Intensität bekämpfen, die ich in mein Training und meine Rennen einbringe. Es ist jetzt mein Ziel, meinen Ruf zu retten und wiederherzustellen, wofür ich so hart gearbeitet habe."
Der Druck auf den Amerikaner, der sich in Kürze einer Hüftoperation unterziehen und deshalb ohnehin rund ein halbes Jahr pausieren muß, ist immens: "Uns ist klar, daß es nun an uns ist, zu beweisen, warum der Test positiv war. Entweder können wir zeigen, daß ein Fehler in der Analyse des Labors vorlag oder daß andere Begleitumstände den hohen Testosteronwert erklären", sagte einer seiner Anwälte, der Spanier Jose Maria Buxeda.
Sein Anwalt will kämpfen
Die UCI gab den Fall an den jetzt zuständigen amerikanischen Verband weiter. Das Schiedsgericht der amerikanischen Anti-Doping-Agentur wird beide Seiten anhören und eine Entscheidung treffen. Dieses Urteil könnte Landis vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne anfechten. "Wir stehen am Beginn eines langen Prozesses. Wir rechnen frühestens im Dezember mit einer endgültigen Entscheidung", sagte Anwalt Buxeda, der auch den des Dopings überführten und disqualifizierten Vuelta-Sieger Roberto Heras (Spanien) vertrat.
Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees und Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, nannte den Fall von Landis trotzdem "ein Musterbeispiel dafür, daß der Sport selbst am schnellsten, härtesten und wirkungsvollsten gegen überführte Athleten vorgehen kann. Landis kann nun sofort suspendiert und gesperrt werden, ohne daß seine Ausreden dies verhindern". Würde man allein auf staatliche Gesetze bauen, könnten vor ordentlichen Gerichten Jahre vergehen, ehe Dopingsünder aus dem Verkehr gezogen wären.
Oscar Pereiro wird wohl Tour-Sieger
Landis droht eine zweijährige Sperre sowie die Aberkennung des Tour-Sieges. Aufgrund des von den Radsport-Teams beschlossenen Ethik-Codes käme zu der Zweijahressperre noch ein Arbeitsverbot für zwei weitere Jahre in allen Pro-Tour-Teams hinzu. "Für uns ist Floyd Landis nicht mehr der Gewinner der Tour de France", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Oscar Pereiro aus Spanien wird wohl zum Tour-Sieger vor Andreas Klöden erklärt werden - aber erst nach Abschluß aller Verfahren. Giro-Gewinner Ivan Basso, der wie Jan Ullrich zum Tour-Start wegen offensichtlicher Dopingverstrickungen nicht zugelassen worden war, muß sich am 29. August vor dem Disziplinarausschuß des italienischen Verbandes verantworten. Zum Fall Ullrich wird in Kürze eine erste Stellungnahme des zuständigen Schweizer Verbandes erwartet.
Prudhomme bezeichnete den Fall Landis als "harten Schlag" für den Radsport. "Man hat das Gefühl eines heillosen Schlamassels, gleichzeitig hat man Lust, mit aller Kraft dagegen anzukämpfen", sagte er. "Man darf nicht tolerieren, daß das Gelbe Trikot beschmutzt wird." Prudhomme regte an, neben Landis auch die Manager, die Mannschaftsleiter und die Ärzte zu bestrafen.
und jetzt ein märchenbuch !
stephan fischer (meyfisch)
- 06.08.2006, 20:13 Uhr