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Tennis-Kommentar : Kurz und knackig – oder alles beim Alten?

The Next Gen: Alexander Zverev spricht während des Matchs mit seinem Coach. Bild: AP

Tennis soll kürzer, knackiger, emotionaler gar moderner werden. Im Vergleich zu anderen Sportorganisationen hat die ATP die Zukunft früh im Blick.

          Die Tennis-Zukunft findet schon statt. Im doppelten Sinne. Seit Dienstag schlagen sich in Mailand die besten Junioren der ATP-Tour, plakativ Next Gen genannt, die Bälle um die Ohren. Die, die in ein paar Jahren die alten Helden Federer, Nadal, Djokovic und Murray ablösen sollen und werden. Und sie tun es nach neuen Regeln: Sätze bis vier Punkte (Tie-Break bei 3:3), dafür gehen die Matches über drei Gewinnsätze.

          Kein Wiederholen des Aufschlags bei Netzberührung, wenn der Ball innerhalb des Aufschlagfeldes landet. Verkürzung der Einspielzeit auf fünf Minuten. Countdown zwischen den Ballwechseln, der die Spielpause strikt auf 25 Sekunden begrenzt. Nur noch eine Verletzungspause pro Match. Trainer dürfen von der Tribüne aus coachen. Zuschauer können während der Ballwechsel ihre Plätze verlassen oder einnehmen.

          Die Schlagrichtung ist eindeutig: Kürzer und knackiger soll es werden – und emotionaler, ganz so, wie es den Rezeptionsgewohnheiten des jungen Publikums entspricht. Im Vergleich zu anderen Sportorganisationen hat die ATP die Zukunft früh im Blick. Vom augenblicklichen Hoch durch die goldene Spielergeneration lassen sich die Funktionäre nicht blenden – es ist endlich. Die vier großen Idole haben ihren 30. Geburtstag schon gefeiert. Außerdem ergaben Umfragen, dass die Fans in die Jahre gekommen sind – auch außerhalb der Seitenlinien der Tennisplätze wird also Nachwuchs gesucht.

          Solange der Zirkus jedoch mit den alten Akrobaten die alten Fans in ausreichender Zahl hinter dem Ofen vorlockt, soll die Zukunft nur geprobt und nicht umgesetzt werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werde die große Revolution nicht stattfinden, das kündigte ATP-Chef Chris Kermode schon an. Allenfalls ein paar kleinere Retuschen Richtung Moderne, sofern sie sich bewähren.

          „Vielleicht sagen wir am Ende, alles soll beim Alten bleiben, aber wir solltes es einmal ausprobiert haben“, so Kermode. Das klingt eher nach Alibi als nach Überzeugung. Das Tennis sollte jedoch die guten Erfahrungen, die andere Sportarten gemacht haben, nicht unterschätzen. Volleyball und Tischtennis können sich eine Rückkehr zu längeren Formaten gar nicht mehr vorstellen.

          Gut beraten ist die ATP indes, wenn sie ihr innovatives Auslosungs-Prozedere nicht wiederholt, mit dem die Organisatoren in Mailand verstörten. Die Einteilung der acht Spieler in die Gruppen A und B des Junioren-Finalturniers erfolgte nicht mehr mit Loskugeln, sondern mit Hilfe von acht Models. Die Damen verbargen die Buchstaben A und B unter ihrer Kleidung, die Jungprofis waren erst aufgefordert, ihre Favoritin zu wählen und dann den Buchstaben freizulegen. Der Südkoreaner Chung Hyeon musste dabei den Handschuh seiner Losfee mit den Zähnen entfernen. Für dieses peinliche Zukunftsmodell entschuldigt sich Kermode.

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