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Veröffentlicht: 20.05.2015, 09:11 Uhr

Schach Aserbaidschan kauft Deutschlands besten Spieler

Zuletzt hat Arkadij Naiditsch Weltmeister Magnus Carlsen zweimal besiegt. Nun wird er aber nicht mehr für Deutschland starten. Dennoch herrscht beim deutschen Schach-Verband Erleichterung.

von Stefan Löffler
© Picture-Alliance Ein Meister am Brett: Arkadij Naiditsch

Arkadij Naiditsch will nicht mehr für Deutschland ans Brett gehen. Dass der 29 Jahre alte Schachprofi am Pfingstwochenende in Baku einen gutdotierten Vertrag mit dem aserbaidschanischen Verband unterschreibt, gilt als Formsache. Damit verliert der Deutsche Schachbund sein sportliches Aushängeschild. Zuletzt gelangen Naiditsch zwei Siege gegen Weltmeister Magnus Carlsen. Mit dem Norweger hat er im Februar in Baden-Baden beim seit langem bestbesetzten Turnier in Deutschland den ersten Platz geteilt. Mit einer Weltklasseleistung führte er das deutsche Team 2011 zum überraschenden EM-Sieg. Er ist hierzulande der Erste und Einzige, der mit über 2700 Elopunkten in der Weltrangliste geführt wird, und seit gut zehn Jahren die nationale Nummer eins.

Unumstritten ist der Großmeister allerdings nur sportlich. Vom Schachbund fühlte sich Naiditsch schlecht behandelt und tat dies auch immer wieder öffentlich kund. Schon als er als U-10-Europameister mit seiner Familie aus Riga nach Dortmund übersiedelte, konnte sich der Verband nicht durchringen, sein größtes Talent bestmöglich zu fördern. Für Trainer und ein Stipendium wurde lokal gesorgt. Bei den Dortmunder Schachtagen konnte Naiditsch außerdem von jung auf Erfahrung gegen die Weltklasse sammeln. 2005 errang er dort als nominell Schwächster im Zehnerfeld seinen ersten großen Turniersieg.

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Damals standen Verhandlungen mit dem Schachbund über seine Aufnahme ins Nationalteam an. Seine weit über dem Üblichen liegenden Forderungen teilte er dem „Spiegel“ mit. Ins Spiel brachte er, dass er auch für ein anderes Land starten könne. Mit dem damaligen Bundestrainer und heutigen Sportdirektor Uwe Bönsch geriet er in der Folge oft aneinander. Naiditsch wollte nicht einsehen, dass der Schachbund seinen besten Spieler deutlich geringer entlohnte als einen Hauptamtlichen. Immer öfter schwänzte er von Bönsch geleitete Teamsitzungen oder Sponsorentreffen. Auch weiteren Funktionären sprach der nur am Brett coole, aber sonst leicht aufbrausende Großmeister die Befähigung ab.

Erleichterung statt Bedauern

Mit Spielern versteht sich Naiditsch eher, wenn sie wie er aus dem Osten kommen. Zusammen mit seiner Frau, der israelischen Großmeisterin Yuliya Shvayger, wird Naiditsch zwar weiter dem Deutschen Meister OSG Baden-Baden als Spieler und Trainer zur Verfügung stehen. Doch anders als in der Vergangenheit mühte sich sein Verein dieses Mal nicht, den Streit zu schlichten. Naiditsch hat intern klargemacht, dass das Angebot aus Baku zu gut sei, um es abzulehnen.

Im aserbaidschanischen Schach spielt Geld derzeit keine Rolle. Dem Verband steht der Chef der Nationalbank, Elman Rustamow, vor. Die staatliche Ölgesellschaft Socar unterhält ein Profiteam. 2016 soll in Baku die mit 15 Millionen Euro Budget bisher teuerste Schacholympiade stattfinden. Um dort vorne mitzuspielen, hat Aserbaidschan auch den Weltranglistenzweiten Fabiano Caruana umworben. Der 22-Jährige, der so oft gegen Weltmeister Carlsen gewann wie sonst niemand, hat indessen vor einigen Tagen bekanntgegeben, dass er vom italienischen Verband zum amerikanischen zurückkehrt.

Während sich drei Verbände um den WM-Kandidaten Caruana ein Bietergefecht lieferten, blieb der Deutsche Schachbund bei Naiditsch passiv. Dem Kongress am Wochenende in Halberstadt war der Weggang seines schwierigen Spitzenspielers nicht einmal eine Aussprache wert. Statt Bedauern herrscht Erleichterung vor und die Aussicht auf 50.000 Euro Ablöse. Diesen Betrag sieht der Weltschachbund vor, wenn ein Spieler über 2700 Elopunkten ohne zweijährige Sperrfrist für den neuen Verband spielberechtigt sein soll. Und Naiditsch soll ja nächstes Jahr seinem neuen Verband die Schacholympiade im eigenen Land gewinnen helfen.

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