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Rekordhalter Arne Gabius : „Marathon hat viel mit Gesundbleiben zu tun“

Unterwegs in den Straßen von Frankfurt: „Mit einem Lächeln ins Ziel kommen.“ Bild: Wonge Bergmann

Arne Gabius ist Deutschlands bester Marathon-Läufer. Im Interview spricht er über die gesundheitlichen Aspekte und seinen Plan für das Rennen in Frankfurt. Zudem verrät er, was ihn besonders stolz macht.

          Was sagt Ihnen die Zahlenkombination zwei, 01 und 39?

          Die sagt mir, dass es nur noch 99 Sekunden zur Zweistundenmarke sind. Vor dem Weltrekord von Eliud Kipchoge waren es noch 177. Die Zahlen sagen mir, dass man dem Traum vom Zweistundenmarathon auf der olympischen Distanz doch sehr nahe kommt.

          Ist das ein Traum, den Sie als Läufer auch verfolgen oder verfolgt haben?

          Dafür müsste ich ein bisschen später geboren sein – und auch ein bisschen mehr Talent haben.

          Was hat Eliud Kipchoge, was Sie nicht haben?

          Eliud Kipchoge wurde schon mit 18 Jahren 2003 in Paris Weltmeister über 5000 Meter. Und er hat sich danach sukzessive verbessert. Als er sich 2012 nicht für die 10.000 Meter in London qualifiziert hatte, sagte er: Okay, ich nutze die Zeit und bereite mich elf Monate lang auf meinen ersten Marathon vor.

          Den lief er dann gleich mal in 2:05:30.

          Er hat eine tolle Trainingsgruppe und einen sehr erfahrenen Trainer, Patrick Sang. Sein Management mit Jos Hermens unterstützt ihn sehr. Eliud hat ein absolut perfektes Umfeld.

          Sind Sie ein bisschen neidisch?

          Nein. Er ist ein super sympathischer Athlet, sehr interessiert auch an anderen Läufern, sehr demütig. Er lebt ein sehr einfaches, aber für kenianische Verhältnisse sehr gutes Leben. Er ist hundertprozentig Profi. Sehr konsequent. Und er kann gut erzählen. Er ist wirklich ein Wunschkenianer.

          Wie sieht denn ein Wunschkenianer aus?

          Im Sport wünscht man sich Athleten, die nicht nur rennen, sondern auch reden können. Die was im Kopf haben. Die Leute von Nike waren richtig erstaunt, als sie gemerkt haben, was sie da für einen Athleten haben, der ihnen Feedback gibt, auch in der Schuhentwicklung. Seine Berichte haben Bachelor-Arbeit-Niveau.

          Aber vor allem läuft er wie ein Uhrwerk.

          Ja, es ist schon eine unglaubliche Leistung, die er vollbracht hat. Aber der Weltrekord war auch fällig. Jeder hat es ihm gegönnt. Ich saß vor dem Laptop und war begeistert. Eliud lief konzentriert die ganzen 42 Kilometer, er hatte ein und denselben Gesichtsausdruck. Und er ist die zweite Hälfte in 60:23 deutlich schneller gelaufen als die erste in 61:06. Sogar eine Sekunde schneller als der deutsche Rekord im Halbmarathon.

          Der deutsche Marathon-Rekord, Ihre Bestzeit von 2015 aus Frankfurt, liegt bei 2:08:33 – knapp sieben Minuten Abstand. Pro Kilometer zehn Sekunden. Können Sie noch ein Stück aufholen?

          Ich glaube, dass ich, wenn ich gesund bin und alle Probleme in den Griff bekomme, noch Richtung 2:06 marschieren kann. Der Norweger Sondre Moen hat ja mit 2:05:48 bewiesen, dass auch ein hellhäutiger Läufer unter 2:06 laufen kann.

          Der beste deutsche Marathonläufer 2018 ist Philipp Pflieger mit 2:13:39.

          Ja. Das sind noch mal fünf Minuten bis zu meiner Zeit. Und ich bin sieben Minuten bis ganz vorne. Wenn man das so sieht, laufe ich zwischen den Stühlen. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich mich nach vorne orientiere.

          2:08:33 Stunden, deutscher Rekord: Arne Gabius am Ziel beim Frankfurt-Marathon 2015

          Wie können Sie sich noch verbessern?

          Regeneration. Regelmäßige physiotherapeutische Betreuung. Zeit für die Körperpflege: Yoga, Gymnastik, Krafttraining, Stabilisation. Kommt alles mit rein. Man muss Schäden und Verhärtungen, die man im ganzen Körper mit dem Laufen angerichtet hat, wieder ausgleichen.

          Welche speziellen gesundheitlichen Probleme haben Sie?

          Nach meinem Rekordlauf 2015 bekam ich Probleme, die endeten in einer Schambeinentzündung. Das hat mich ein halbes Jahr Laufpause gekostet. Ich hab dann zu schnell wieder aufgebaut. Das kostete viel mentale Energie und Substanz.

          Ist die Verletzung jetzt auskuriert?

          Ja, jetzt ist sie weg. Ich habe viele Sachen ausprobiert, wollte auch manches anders machen als vor der Verletzung. Ich ging auf die Suche, bin bei Yoga hängengeblieben. Ich nutze ein Konzept mit anatomischen Zuglinien. Davon bin ich sehr begeistert. Es hat mir sofort Schwächen aufgezeigt. Ich bin im Schulterbereich sehr steif, versteift fast. Da versuche ich nun, ordentlich zu arbeiten. Laufbewegungen, Schwingungen des Oberschenkels, fängt man eben mit den Schultern auf. Marathon hat viel mit Gesundbleiben zu tun. Dann läuft das Training.

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