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Ariane Friedrich im Gespräch „Lieber Jauch als Gottschalk“

12.11.2009 ·  Hochspringerin Ariane Friedrich blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück, für die Frankfurterin hat sich mit dem dritten Platz bei der Heim-WM in Berlin einiges verändert. Im F.A.Z.-Interview zieht Friedrich Bilanz - von der „Hölle“ bis zur „Psychoshow“.

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Hochspringerin Ariane Friedrich blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück, für die Frankfurterin hat sich in diesem Jahr einiges verändert. Bei der Heim-WM in Berlin belegte die Goldhoffnung den dritten Platz. Zwei Monate zuvor hatte sie mit 2,06 Meter einen neuen nationalen Rekord aufgestellt.

Im F.A.Z.-Interview zieht Ariane Friedrich Bilanz - von der „Hölle“ bis zur „Psychoshow“.

Was hat sich verändert in Ihrem Leben durch den Erfolgssommer 2009?

Mich erkennen Leute auf der Straße, das finde ich immer noch etwas irritierend. Sie sprechen mich an, wollen ein Autogramm von mir oder sagen, wie toll sie mich finden. Auch im Supermarkt, irgendwie ist das komisch.

Wie man hört, sind Sie auch ein gefragter Gast in Fernsehshows.

Da gab es mehr als zwanzig Anfragen, quer durch alle Sender. Ich werde allerdings nicht bei Stefan Raab vom Turm ins Wasser springen und nicht an einem Promi-Dancing-Wettbewerb teilnehmen. Und schon gar nicht beim Perfekten Promi-Dinner kochen. Und ich habe Thomas Gottschalk schweren Herzens für die Gesichter des Jahres abgesagt. Ich gehe zu Günther Jauch. Ich möchte ihn gerne kennenlernen und auch ein gemeinsames Foto machen. Meine Mutter findet ihn so toll.

Müssen Sie sich an den TV-Rummel noch gewöhnen?

Im Moment hoffe ich, dass ich mich nicht daran gewöhnen muss. Ich bin mittlerweile ein Mensch, der zunächst seine Ruhe haben möchte. Zu Hause oder in der Natur. Ich bin wirklich ganz schön sesshaft geworden. Wenn ich für mich bin und meinen Sport machen kann, wie ich es will, bin ich glücklich. Das ist eine Entwicklung, die ich nicht für möglich gehalten hätte.

Dabei galten Sie doch immer als sehr extrovertiert.

Es ist vielleicht nur ein Selbstschutz, weil ich mich durch den Erfolg nicht verändern und oberflächlich werden möchte. Und wenn ich als Vorbild angesehen werde, möchte ich auch ein Vorbild sein. Und zwar in möglichst jeder Lebenssituation - obwohl ich genau dies eigentlich nie sein wollte.

Sind Sie erleichtert, dass die WM-Saison vorüber ist?

Ja, denn insbesondere direkt vor der WM war es die Hölle. Ich selbst hatte mir Druck auferlegt, hinzu kam die Erwartungshaltung von außen. Auch in meiner Familie gab es kein anderes Thema mehr. Nur noch den Sport, die WM. Und ich wollte es natürlich besonders gut machen. Deshalb war ich ständig in einem Zwiespalt. Ich hatte Angst zu versagen, aber auf der anderen Seite habe ich fest an mich geglaubt. Da bin ich an meine Grenzen gestoßen, habe die letzten zwei Nächte vor dem Finale kaum geschlafen. Und nach der WM hatte ich drei Tage überhaupt keine Zeit für mich. Ein solches Leben könnte ich auf Dauer nicht leben.

Kurz vor der WM sind Sie mit 2,06 Meter deutschen Rekord gesprungen - trotzdem gab es Versagensängste?

Ich glaube, alle Topathleten haben Angst, dass es in die Hose gehen könnte. Aber beim Hochsprung ist immer viel Psychoshow dabei, jeder versucht der Konkurrenz zu vermitteln, dass man gerade heute einen ganz tollen Tag hat.

Wie lange hat es gedauert, um sich zu regenerieren?

Lange. Bei meinem letzten Wettkampf in Eberstadt stand ich auf der Anlage und hatte schlichtweg keine Lust mehr. Ich wollte einfach nur nach Hause, Ruhe und keinen Trubel mehr haben. So kannte ich mich zuvor gar nicht. Es war wie ein Burn-out, ein schleichender Prozess, weil das ganze Jahr nur auf Berlin ausgerichtet gewesen ist.

Sehen Sie sich als deutsche Vorzeige-Leichtathletin?

Um Gottes Willen. Ich habe gelernt, mich damit abzufinden. Aber ich muss mich jeden Tag selbst reglementieren. Manchmal denke ich: Oh, du bist voll geil. Und manchmal denke ich, dass ich total normal bin. Und diese Normalität sollte weiterhin der Maßstab sein.

Bleiben Sie Ihrem Verein Eintracht Frankfurt treu?

Ja. Die Eintracht hat sich den veränderten Verhältnissen finanziell angepasst. Es gab also keinen Grund, ein funktionierendes System zu verändern.

Das Gespräch führte Uwe Martin.

Quelle: F.A.Z.
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