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Ariane Friedrich Anlauf - Sprung - Ausrufezeichen!

08.06.2009 ·  Früher hat sie bei dem Meeting die Programmhefte verkauft, „für fünf Mark das Stück“. Mittlerweile hat sich nicht nur die Währung geändert. Ariane Friedrich, die zwei Meter überquert und Energie für mehr hat, ist der Star.

Von Claus Dieterle, Baunatal
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„Ja“, sagt Ariane Friedrich, „es stimmt tatsächlich, dass ich hier früher beim Meeting Programmhefte verkauft habe. Für fünf Mark das Stück.“ Das ist zehn Jahre her, und die Zeiten haben sich wie die Währung geändert. Früher war sie es, die beim Askina-Sportfest in Kassel die Stars der deutschen Leichtathletik angehimmelt hat; heute, bei der Rückkehr nach Nordhessen, bilden sich um die 25 Jahre alte Weltklasse-Hochspringerin von der LG Eintracht Frankfurt Trauben von autogrammsüchtigen Kids, die geduldig bedient werden. Da tut es nichts zur Sache, dass Baunatal für den großen Nachbarn Kassel eingesprungen ist, weil dort die Tribüne erneuert werden muss.

Und Ariane Friedrich beschert ihrer alten Heimat neben jenen 67,48 Metern von Christina Obergföll, der Olympiadritten von Peking im Speerwerfen, das Highlight des Meetings: Zwei Meter, souverän im ersten Versuch übersprungen, wie auch die Einstiegshöhe 1,90 und die 1,95 Meter zuvor - ökonomischer geht es nicht. Und das bei zwölf Grad Celsius, wo doch gerade bei Ariane Friedrich mit ihren 57 Kilo der Anteil des Körperfetts gegen Null tendiert. „Es war schon richtig kalt hier. Ich musste mich ständig warmreiben, obwohl ich doch immer in Bewegung bin.“

Realistische Aussicht, über 2,05 Meter zu springen

So gesehen, ist das Ausrufezeichen, das eine der wenigen deutschen WM-Hoffnungen unter ihren zweiten Auftritt in der WM-Saison gesetzt hat, ziemlich dick ausgefallen. Gerade als Signal an die große Rivalin Blanka Vlasic, die mit 2,05 Meter bislang das Maß gesetzt hat. „Jetzt weiß Blanka, dass Ariane noch hochspringen kann“, sagt ihr Trainer und Manager Günter Eisinger. Der Saisonauftakt Mitte Mai war mit 1,95 Meter nicht ganz nach dem Geschmack des Trainers ausgefallen: „Sie hatte da schon die zwei Meter drauf“, war aber wegen eines kurz zuvor gebrochenen Zehennagels gehandicapt. In Baunatal wirkte alles traumhaft sicher.

Besonders der Sprung über zwei Meter. Und es war kein Übermut, sondern die Aussicht auf eine realistische Chance, die sie schließlich die Latte auf 2,05 Meter legen ließ. Die hat Ariane Friedrich in der Halle schon überquert, aber an der frischen Luft bedeuten sie immer noch: Einstellung des deutschen Rekords von Olympiasiegerin Heike Henkel aus dem Jahr 1991. Auch wenn es beim „zwanzigsten Zweimetersprung meiner Karriere“ blieb, hat jeder gesehen, was noch an kinetischer Energie in diesem ausgemergelten Körper schlummert. „Da fehlte jetzt einfach nur der Mut, richtig durchzutreten“, erklärte Eisinger. Es fehlte aber noch etwas Entscheidendes für einen ausgesprochenen Wettkampftypen wie Ariane Friedrich, um einen draufzusetzen: „Ich brauche die Konkurrenz“, sagt die Athletin.

Beim Istaf wird sie auf Blanka Vlasic treffen

Da muss sie nicht lange warten, denn schon am kommenden Sonntag wird sie beim Istaf in Berlin, bei der Generalprobe für die WM im August, wieder auf Blanka Vlasic treffen. Jene Frau, die sie im vergangenen September beim Golden- League-Finale in Brüssel um ihren fast schon sicheren Anteil von 500.000 Dollar aus dem Jackpot gebracht hat. Die Kroatin, schon bei Olympia geschlagen, hätte gewinnen müssen. Den Sieg aber schnappte ihr Ariane Friedrich weg. Er brachte der Deutschen zwar keine halbe Million ein, aber etwas Wichtigeres: das Schlüsselerlebnis ihrer Karriere, das den Sprung auf ein höheres Niveau erst möglich machte: „Sie hat gesehen, dass sie alle schlagen kann, nicht nur Blanka, sondern auch die Olympiasiegerin Tia Hellebaut, noch dazu in deren Heimat“, sagt Eisinger.

Diese Erkenntnis hat sie nach der Enttäuschung von Peking - Platz sieben nach einer Wirbelblockade - als Motivationsschub mit in den Winter genommen, aus dem sie als die Nummer eins hervorgegangen ist. Und als Hallen-Europameisterin von Turin. Wer den Ehrgeiz von Blanka Vlasic kennt, weiß, dass die Kroatin alles tun wird, um die offene Rechnung zu begleichen. Eisinger hat schon neue Züge festgestellt. „Sie hat gelernt“, sagt der Gymnasiallehrer. Sie nimmt nicht mehr alles mit, sondern setzt Schwerpunkte. Sagt Pressekonferenzen ab, wo sie zuvor stets präsent war. „Psychospielchen“ nennt er das. Aber von Zickenkrieg ist nicht die Rede. „Klar haben wir ein Konkurrenzverhältnis“, sagt Ariane Friedrich, „aber wir giften uns nicht an.“

„Hochsprung ist Laufen“

Sie ist ja genug mit sich selbst beschäftigt. Aber im Moment stimmt fast alles bei ihr. Die sechs Kilo „Übergewicht“, die sie sich nach der vergangenen Freiluftsaison in kurzer Zeit angefuttert hatte, sind längst wieder dahin geschmolzen, die Kraftwerte sind besser denn je, die Technik läuft schon ziemlich rund, und die Rückenprobleme, die in Peking womöglich eine Medaille gekostet haben, sind im Griff. Keine Einrenkungen und Spritzen mehr, dank eines speziellen Übungsgerätes aus Norwegen und begleitender Physiotherapie.

Die Belastung für Rücken und Füße hält Eisinger im Training ohnehin so gering wie möglich: Ariane Friedrich ist vielleicht die einzige Weltklasse-Hochspringerin, die nie übungshalber über Latte oder Seil floppt. „Hochsprung ist Laufen“, sagt der Trainer. Laufen in allen möglichen Variationen. Und derzeit läuft alles nach Plan. „Ich bin richtig stark“, sagt Ariane Friedrich. Auch wenn seit Peking die Angst vor dem GAU immer mitschwingt. „Wenn nichts passiert“, sagt Eisinger deshalb mit aller Vorsicht, „dann springt sie in diesem Jahr deutschen Rekord.“

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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