http://www.faz.net/-gtl-8z3po

Golfer Tommy Fleetwood : Der große Auftritt des Arbeiterkinds

  • -Aktualisiert am

Tommy Fleetwood fällt auf mit seinen langen Haaren. Bild: dpa

Tommy Fleetwood fällt auf im Profigolf – nicht nur wegen seiner Haare, sondern auch wegen seiner Herkunft. Auch beim Turnier in München liegt er noch in aussichtsreicher Position.

          Tommy Fleetwood fällt auf: lange, braune Haare, die fast bis auf die Schultern reichen. Seine im Profigolf ungewöhnliche Haarpracht, sein Hintergrund als ein typisches Kind der Arbeiterklasse, seine lockere Art auf dem Platz, vor allem aber seine jüngsten Erfolge haben dem 26 Jahre alten Engländer viel Aufmerksamkeit eingebracht. Am vergangenen Sonntag war er gemeinsam mit dem späteren Sieger, dem Amerikaner Brooks Koepka, auf die Schlussrunde der 117. US Open in Erin Hills mit einem Schlag Rückstand auf Spitzenreiter Brian Harman gegangen. Am Ende langte es für den Briten zwar nur zum vierten Platz, weil ihm schon auf den ersten acht Löchern drei Bogeys unterliefen, genauso viele wie in den ersten drei Runden. Trotzdem war es für ihn eine tolle Erfahrung, bei einem Major um den Sieg zu kämpfen.

          „Man weiß nie vorher, wie es sich anfühlt, wenn man am Samstag und Sonntag aufwacht und um den Sieg bei einem Major spielt“, sagte der junge Mann aus Southport, einem Badeort an der englischen Nordwestküste nördlich von Liverpool, „jetzt weiß ich es: Es fühlt sich großartig an.“ Aber auch wenn es zum ganz großen Coup in Wisconsin nicht langte: Dass er unter dem Druck nicht einbrach, auf dem extrem langen und schweren Platz eine Par-Runde von 72 Schlägen spielte, macht Mut für die Zukunft. Und außerdem: Ein vierter Platz bei den US Open ist ein achtbares Ergebnis. Das wissen vor allem die Kollegen. „Alle haben mir zu meinem Abschneiden gratuliert“, berichtet Fleetwood über seine Aufnahme bei der BMW International Open im Golf Club München-Eichenried in Moosinning.

          Bei den US Open erzielte er in diesem Jahr ein achtbares Ergebnis
          Bei den US Open erzielte er in diesem Jahr ein achtbares Ergebnis : Bild: AFP

          Erst am Montagmorgen war Fleetwood gemeinsam mit den Kollegen Martin Kaymer (Mettmann), Sergio Garcia, Rafael Cabrero-Bello (beide Spanien), Henrik Stenson (Schweden) und Bernd Wiesberger (Österreich) in einem vom Titelsponsor gecharterten Privatjet in München gelandet. Trotz des Jetlags absolvierte er die erste Runde in Eichenried, einem Ortsteil von Moosinning, am Donnerstag in 67 Schlägen (5 unter Par). Am Freitag (71) und Samstag (70) lief es nicht ganz so gut, aber er lag trotzdem insgesamt nur fünf Schläge hinter den Spitzenreitern Richard Bland (England) und Sergio Garcia (Spanien). Kaymer dagegen verpasste überraschend den Cut. „Ich will diesen Sommer so viel wie möglich spielen“, sagt Fleetwood. Weil Masters-Champion Garcia im Juli seine amerikanische Verlobte Angela Akins heiraten und deshalb eine längere Pause einlegen wird, sieht Fleetwood gute Chancen, den Spanier im Race to Dubai, der europäischen Geldrangliste, zu überholen. Mit guten Ergebnissen im Sommer kann er sich in eine exzellente Ausgangslage bringen, um am Ende der Saison den Jackpot von 1,5 Millionen Dollar zu kassieren, zumal auch Fleetwood im Spätsommer die Golfschläger für eine Weile nicht anrühren wird. Seine Verlobte und Managerin Clare Craig erwartet im September ein Kind. Derzeit liegt Fleetwood mit seiner Preisgeldsumme von rund 2,4 Millionen Euro nur rund 140 000 Euro hinter dem Spanier.

          Allein diese Summe zeigt, wie gut Fleetwood in diesem Jahr spielt. Im Februar gewann er sein zweites Turnier auf der European Tour in Abu Dhabi und besiegte in einem packenden Zweikampf den derzeitigen Weltranglistenersten Dustin Johnson. Er verlor im April bei der Shenzhen International in China erst im Stechen gegen Bernd Wiesberger. Beim Turnier der World Golf Championship in Mexiko City musste sich Fleetwood nur knapp dem amerikanischen Primus geschlagen geben, qualifizierte sich aber dadurch erstmals für das Masters, ehe er bei den US Open um den Sieg mitspielte. Mittlerweile ist er in der Weltrangliste auf Rang 21 angekommen, erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er nach seinem ersten Erfolg auf der European Tour, 2013 in Gleneagles, in der Branchenhackordnung bis auf Rang 188 abgerutscht war. Er hatte den Trainer gewechselt, um sich weiter zu verbessern, ein Fehler, wie er erkannte. Reumütig kehrte er zu Alan Thompson zurück, dem Golflehrer, der ihn schon unterrichtet hatte, seit er im Alter von acht Jahren mit dem Spiel begann. Genauso wichtig war eine weitere Rückkehr: Sein Vater, der ihm seit seinem Wechsel im Jahre 2010 ins Profilager als Caddie diente, konnte diesen Job wegen Kniebeschwerden nicht weiter ausfüllen. Deshalb verpflichtete er seinen zehn Jahre älteren Freund Ian Finnis, der ihm schon bei seinen großen Erfolgen als Amateur mit Siegen bei der Scottish und English Amateur Championship als Caddie unterstützt hatte. Die beiden vertrauen sich blind: „Wenn Ian sagt, dies sei der richtige Schläger, dann nehme ich ihn“, beschreibt Fleetwood das Verhältnis zu seinem engsten Mitarbeiter.

          Beide freuen sich schon jetzt auf die Heimkehr nach Southport. Denn im Royal Birkdale Golf Club findet im Juli die British Open statt. „Ich habe mich als Kind mit meinem Vater oft heimlich auf den Platz geschlichen und ein paar Löcher gespielt“, erzählt Fleetwood, „und wir sind immer abgehauen, bevor uns die Mitglieder erwischten.“ Als Asphaltbauer hatte Vater Fleetwood keine Chance, in den noblen königlichen Club aufgenommen zu werden. Die beiden gingen ihrem Hobby im nahe gelegenen Platz von Formy Hall nach. Im nächsten Monat wird Fleetwood als eine der großen Zugnummern auf jenen Platz zurückkehren, auf dem er als Kind nicht willkommen war – eine Geschichte wie aus einem Hollywood-Drehbuch.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Neuer Regierungschef mit alter Linie Video-Seite öffnen

          Polen : Neuer Regierungschef mit alter Linie

          Der neue polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat in seiner ersten Grundsatzrede die Interessen seines Landes betont. Unter anderem setzt er weiter auf Kohlekraft.

          Trump bangt um seine Steuerreform Video-Seite öffnen

          Mehrheitsfindung : Trump bangt um seine Steuerreform

          Trump steht unter Druck. Der amerikanische Präsident möchte seine Steuerreform möglichst bald beschlossen haben. Denn durch die Niederlage in Alabama verändern sich die Verhältnisse im Senat 2018 ein Stück zu seinen Ungunsten.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Erwin Huber im Gespräch : „Die CSU hat ein Trauma“

          Als Parteivorsitzender bildete Erwin Huber mit Günter Beckstein das erste CSU-Führungstandem. Im FAZ.NET-Interview verrät er, was er über das Duo Söder/Seehofer und über eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg denkt.

          Erderwärmung – eine Pause? : Auch 2017 war ein Hitzejahr

          Kein Rekord, eine kleine Pause sogar, aber der Trend bleibt: Die mittlere Erdtemperatur kratzt an den Rekordwerten. Deutschland jedoch ist abgehängt, und eine Kälteanomalie bleibt bis 2018.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.