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Veröffentlicht: 11.01.2017, 11:57 Uhr

Anti-Doping Gesetz Strafbefehl für zwei Ringer

Im ersten Fall, in dem das Anti-Doping-Gesetz Wirkung gezeigt hat, sind die Ermittlungen gegen die Sportler abgeschlossen. Zwei Ringer haben gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben.

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© Wonge Bergmann Ringen um die Wahrheit: Zwei Sportler erheben Einspruch gegen den Strafbefehl

In Deutschland hat sich erstmals ein Gericht entschieden, zwei Spitzensportler wegen des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz zu bestrafen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Freiburg am Dienstag auf Anfrage. „Zwei Athleten ist jeweils vom Amtsgericht Tuttlingen ein Strafbefehl zugestellt worden“, sagte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel auf Anfrage. Die Strafe umfasst in diesen Fällen eine Geldzahlung, die sich an der Höhe der Einkünfte misst. Die Sportler haben laut Staatsanwaltschaft Einspruch erhoben.

Anno Hecker Folgen:

Damit kommt es, sollte der Widerspruch nicht zurückgenommen werden, zu einem öffentlichen Hauptverfahren mit mündlicher Verhandlung vor dem Amtsgericht Tuttlingen. Mit einem Strafbefehl sollen Verfahren rund um die „leichte“ Kriminalität verkürzt werden. Gerichte entscheiden sich, Strafbefehlanträge der Staatsanwaltschaft anzunehmen, wenn Richter nach Prüfung der Vorlage der Auffassung sind, dass eine Verurteilung samt gefordertem Strafmaß wahrscheinlich ist.

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Betroffen sind Ringer des ASV Nendingen. Gegen sie waren im vergangenen Februar Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Freiburg nach Anzeige durch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) eingeleitet worden. Bei Doping-Kontrollen hatten Analytiker unter anderem Spuren des inzwischen im Sport verbotenen, in Deutschland nicht vertriebenen Medikaments Meldonium gefunden. Seit Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes am 18. Dezember 2015 ist in Deutschland auch Selbst-Doping zumindest im Kreise von Spitzensportlern strafwürdig. Obwohl viele Athleten vor allem aus Osteuropa auf eine leistungssteigernde Wirkung des Herzmittels Meldonium vertrauen, ist dieser Effekt umstritten.

 
Anti-Doping-Gesetz: Strafbefehl für zwei Ringer
 
Anti-Doping-Gesetz: Strafbefehl für zwei Ringer

Allerdings entdeckte die Freiburger Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft „Doping“ bei der Ausweitung ihrer Ermittlungen auch den Einsatz von verbotenen Methoden im Kreis der Ringer. Beiden Betroffenen wird vorgeworfen, Infusionen mit mehr als 50 Millilitern innerhalb von sechs Stunden ohne medizinische Indikation wie etwa einen chirurgischen Eingriff vorgenommen zu haben. Die Ermittlungen gegen zwei weitere Athleten wurden laut Oberstaatsanwalt Mächtel „vorläufig eingestellt“, weil der Aufenthaltsort (vermutlich im Ausland) nicht festzustellen und die Zustellung eines Strafbefehls damit nicht möglich ist: „Sie wurden zur Fahndung ausgeschrieben.“ Noch nicht abgeschlossen sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des Vereins.

Nada-Aufarbeitung läuft noch

Die Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatte die Einführung der Strafbarkeit von Eigen-Doping verhindern wollen und erklärt, dass ein Nebeneinander von Straf- und Sportrecht nicht funktioniere sowie die strafrechtlichen Ermittlungen im Vergleich zum kurzen Prozess eines Sportgerichtes viel zu lange dauerten. Im ersten Strafverfahren unter der neuen Gesetzeslage scheint sich diese Befürchtung nicht zu bestätigen. Die Nada bestätigte am Dienstag, dass die sportjuristische Aufarbeitung nicht abgeschlossen ist.

Sie war mit der Entscheidung des Deutschen Ringer-Bundes im Fall eines Deutschen unter den Ringern von Nendingen nicht einverstanden. Er soll eine verbotene Methode eingesetzt haben. „Wir gehen nun in das Schiedsgerichtsverfahren vor dem deutschen Schiedsgericht“, sagte Nada-Justitiar Lars Mortsiefer.

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