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Kommentar zu Kerber : Nichts mehr zu verlieren

Wo Verzweiflung ist, das wächst das Rettende auch: Angelique Kerber muss sich frei machen vom Druck des vergangenen Jahres Bild: REUETRS

Angelique Kerbers Niederlagenserie hat ein Gutes: Die ehemalige Nummer eins der Tennis-Weltrangliste ist die Last des Erfolgsjahres los. Ein Kommentar über die Konzentration auf das Wesentliche.

          So, jetzt ist auch dieser Spuk beendet. Angelique Kerber ist bei den US Open als Titelverteidigerin in der ersten Runde ausgeschieden. Es gibt nichts mehr, was sie nach ihrem grandiosen Jahr 2016 noch zu verteidigen hat: Keinen Grand-Slam-Titel, keine Weltranglistenposition 1. Und sie ist vor allem die übertriebenen Ansprüche und Erwartungen los, von der Öffentlichkeit und von sich selbst, dieser unglaubliche Erfolgssträhne mit fünf großen Finals und zwei Triumphen gerecht werden zu müssen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die 29 Jahre alte Kielerin hat diesem Druck nicht standgehalten, der unwillkürlich entsteht, wenn eine Athletin an der Spitze eine Sportart repräsentiert, die weltweit wahrgenommen wird und die national zu einem Star aufsteigt. Das ist nicht verwerflich, das ist nicht schlimm, das ist menschlich. Das Gute: Sie hat ihre Situation erkannt und kämpft gegen sie an. Vor Wimbledon traf sie einige richtige Entscheidungen: Fehler bei sich suchen, mehr trainieren, vor allem wieder ihre großen Trümpfe ausspielen, Kondition und Athletik. Das führte dazu, dass sie im Achtelfinale des wichtigsten Turniers der späteren Siegerin Garbine Muguruza ein großes Match lieferte. Nur zwei Punkte fehlten zum Weiterkommen.

          Die Psyche bremste

          Aber die sportlichen Voraussetzungen sind das eine, die psychischen das andere, das wichtigere. Kerber fehlt immer noch das durchschlagende Erfolgserlebnis, das ihr die Zuversicht in ihr Leistungsvermögen wieder gibt und das den Gegnerinnen Furcht einflößt. Im Moment freuen sich die Konkurrentinnen ihr zu begegnen, vor allem die aufstrebenden, die das Potential für die Top Ten besitzen, sehen sie nun als potentielles Sprungbrett auf ihrem Weg nach oben. Ihre letzten Niederlagen erfolgten genau gegen Spielerinnen dieser Kategorie – gegen Ekateria Makarowa und Naomi Osaka. „Ich gebe nicht auf“, sagte Angelique Kerber in New York.

          Wieso sollte sie auch? Es gibt keinen Grund, sich vom Spielbetrieb abzumelden. Ihr sind keine Peinlichkeiten unterlaufen, sie hat sich nichts zu schulden kommen lassen, sie hat das Tennisspielen nicht verlernt, was sie sogar in dieser völlig verkorksten Saison in ein paar Phasen einiger Matches bewiesen hat. Nun da sie mit dem Herausrutschen aus den Top Ten wieder zu einer völlig normalen Tennisspielerin geworden ist, kann sie sich leichter auf das Wesentliche konzentrieren.

          Ob das mit ihrem alten Trainer Torben Beltz erfolgt, mit dem in New York zusätzlich engagierten Benjamin Ebrahimzadeh oder einem ganz neuen Betreuer, ist nicht das Entscheidende. Kerber weiß nach all den Jahren genau, wie sie spielen muss, um erfolgreich zu sein. Und sie müsste wissen, dass ihre Physis die Basis für ihre Erfolge war und ist. Wenn Kerber wieder davon überzeugt ist, eine überlegene Athletik und Kondition zu besitzen, dann wird das der Ausgangspunkt für ihre Rückkehr in die Spitze sein.

          Quelle: F.A.Z.

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