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Andy Murray : Rückkehr ohne Rucksack

  • -Aktualisiert am

Andy Murray: Vom Glas-halb-leer- zum Glas-halb-voll-Typ gewandelt Bild: AFP

Durch seine Erfolge im vergangenen Jahr verwandelte sich Andy Murray von einem Glas-halb-leer- in einen Glas-halb-voll-Typen. Ab diesem Mittwoch hat er bei den US Open die Chance, seinen Titel zu verteidigen.

          In drei Reihen standen die Kinder hinter dem Absperrband, und als ein Junge loslegte und einen Namen rief, stimmten die anderen ein. „An-dy, An-dy, An-dy!“ - der Chor wurde laut und lauter. Nun ist es zwar so, dass die Kids in Flushing Meadows beinahe jedem hinterherrennen, der eine Schlägertasche trägt, aber es ist auch nicht zu übersehen, dass der Titelverteidiger und Wimbledonsieger bei den US Open in New York gewaltig an Popularität gewonnen hat. Murray selbst war von Anfang an ein Fan dieses Turniers, bei dem er vor neun Jahren den Juniorentitel gewann.

          Der schüchterne, blasse Junge aus der schottischen Provinz mochte den Trubel, und dass die Nachwuchsspieler hier, im Gegensatz zur sorgsam sortierten Klassengesellschaft in Wimbledon, ständig in der Nähe der Stars sein durften, gefiel ihm ausgesprochen gut. Deshalb war es passend, dass er, wenige Wochen nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen, vor einem Jahr im Arthur-Ashe-Stadion seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann.

          Die Hürden fielen wie Dominosteine

          Die Hürden fielen wie Dominosteine: der Olympiasieg, der Triumph in New York und vor ein paar Wochen schließlich der ersehnte Titel in Wimbledon, der erste eines Briten in 77 Jahren. Ein paar Tage nach dem denkwürdigen letzten Spiel mit dem Sieg gegen Novak Djokovic kehrte er in den All England Club zurück, um ein paar Sachen abzuholen und sich von einem Mann zu verabschieden, der sich viele Jahre lang um das Wohlergehen der Spieler in den Umkleideräumen gekümmert hatte. Am Ende saß er auf der Tribüne des Centre Court, blickte auf den Rasen und erinnerte sich, endlich mal ganz allein, was alles passiert war.

          Zum Lachen: Andy Murray muss, anders als früher, nichts mehr beweisen

          Danach spannte er ein paar Tage mit Freundin Kim Sears auf den Bahamas aus, und in der sonnigen Ruhe merkte er, wie viel Kraft ihn die Ereignisse der zurückliegenden Wochen gekostet hatten. Anfang August erschien er sozusagen wieder im Büro; beim Turnier in Montreal gewann er ein Spiel, beim folgenden in Cincinnati, wo Rafael Nadal den Titel gewann, waren es zwei, und gemessen an diesen Auftritten müsste man ihn nicht unbedingt für einen Favoriten in New York halten.

          Vom Glas-halb-leer- zum Glas-halb-voll-Typ

          Wie er die Rückkehr als Titelverteidiger nach Flushing Meadows erlebt? „Ich habe viele Jahre lang eine Menge Druck gespürt, endlich den ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen“, sagt Murray, „und genauso war es in Wimbledon. Ich denke nicht, dass es hier noch mal so sein wird. Ich werde sicher nervös sein, aber ohne diese ganze Last.“ Im „Wall Street Journal“ stand nach seinem Wimbledonsieg, jahrelang sei er im Spiel auf einem Zickzackkurs zwischen Wut und Verzweiflung unterwegs gewesen, gefangen in Selbstgesprächen.

          Aber mit den Erfolgen des Sommers 2012 habe er sich von einem Glas-halb-leer- in einen Glas-halb-voll-Typen verwandelt. Von da an, schrieb der Autor, sei Murray nicht länger Murrays härtester Gegner gewesen. Fast zwei Wochen ist er nun schon in New York, und bei den ersten Trainingsstunden im Arthur-Ashe-Stadion wurden die Bilder aus dem vergangenen Jahr wieder lebendig.

          Auch die jener unvergesslichen, verrückten Szenen nach dem Sieg im Halbfinale, als sein schottischer Landsmann Sir Sean Connery und Fußballtrainer-Legende Sir Alex Ferguson leicht angetrunken in der Pressekonferenz erschienen waren, um Murrays Mutter Judy zu suchen, mit der sie Geburtstag gefeiert hatten.

          Vor allem aber, um der Welt zu erklären, mit den Schotten könne es am Ende ja doch keiner aufnehmen. Ferguson hat sich inzwischen in den Ruhestand verabschiedet, der frühere James Bond Sean Connery wurde längere Zeit nicht mehr gesichtet, und die Queen sah trotz des Wimbledonsieges ihres Untertanen bisher offenbar keine Veranlassung, auch Murray in den Adelsstand zu befördern. Vielleicht möchte sie vorher noch ein paar Titel von ihm sehen.

          Seit Tagen warten die Berichterstatter aus dem Königreich auf das erste Spiel ihres Mannes im Rahmen der US Open 2013, Mittwoch ist es endlich so weit, gegen den Franzosen Michael Llodra.

          „I Love Andy“

          Will Murray seinen Titel verteidigen und läuft alles gemäß der Setzliste, dann wird er im Viertelfinale gegen den Tschechen Tomas Berdych spielen müssen, im Halbfinale gegen Djokovic, und darin kann man schon eine ziemlich harte Prüfung sehen.

          Marketing-Aktionen wie die seiner Mutter braucht er nicht mehr. 2004, im Jahr nach dem Titelgewinn des Amerikaners Andy Roddick, waren in Flushing Meadows Buttons und Aufkleber mit dem Schriftzug „I Love Andy“ im Umlauf. Judy Murray besorgte sich so viele davon, wie sie kriegen konnte, verteilte sie während der Juniorenspiele ihres Sohnes, und zack, schon interessierten sich die Leute für Andy Nummer zwei. Mittlerweile kann er ganz gut für sich selbst sorgen.

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