Auch Andreas Klöden hat eine kasachische Armeejacke erhalten und eine Militärmütze, es waren naheliegende Geschenke. Schließlich hatte Danial Achmetow geladen, einer der mächtigsten Männer Kasachstans. Einst war Achmetow Regierungschef, jetzt darf er immerhin noch Verteidigungsminister sein, und nicht zuletzt ist Achmetow Radsportfan. Und weil der Radsport in Kasachstan sozusagen Staatssache ist, waren die Radprofis des Teams Astana - und damit also auch Klöden - im Januar Gäste von Achmetow. Dabei erhob der Politiker, dem Pathos offensichtlich nicht fremd ist, den Radrennstall flugs zu einem „Symbol für die Zukunft des Landes“. Nebenbei wurde übrigens einer der einheimischen Profis gleich noch zum Leutnant befördert.
Womöglich war Klöden, der am Dienstag als erster deutscher Rennfahrer die italienische Fernfahrt Tirreno-Adriatico gewann, von all dem sehr beeindruckt. Jedenfalls dürfte er nun genau wissen, worum es den Kasachen mit dem Team Astana geht: um höchste Weihen nämlich. Die Mannschaft, die innerhalb weniger Monate aufgebaut wurde, verfügt angeblich über ein Budget von 13 Millionen Euro - und dafür soll möglichst der Sieg bei der Tour de France im kommenden Sommer herausspringen. Natürlich gilt Klöden in dieser Angelegenheit nicht als allererster Anwärter bei Astana, die Equipe setzt ganz auf einen Nationalhelden, auf Alexander Winokurow. Für ihn wurde das Team ja gewissermaßen gegründet, nachdem Liberty Seguros, bei dem Winokurow zuletzt beschäftigt war, in den Wirren um den spanischen Dopingskandal aufgelöst wurde.
Alle für Winokurow
Klöden, 31 Jahre alt, wird also bei der Tour in eine Helferrolle schlüpfen - falls Winokurow sich keine Blöße gibt. Der Cottbuser, der in der Schweiz lebt, scheint mit dieser Aufgabe sehr zufrieden zu sein; er hat sich dafür von T-Mobile, seinem langjährigen Arbeitgeber, getrennt. Klöden glaubt, mit dem Kasachen Winokurow bestens auskommen zu können; man kennt sich schließlich gut aus gemeinsamen Tagen bei T-Mobile. Er fühle sich sehr wohl in der neuen Umgebung, ließ Klöden dieser Tage erst wieder verlauten, beflügelt offenbar auch durch seinen bemerkenswerten Auftritt bei Tirreno-Adriatico.
Nach der Königsetappe hatte er in San Giacomo das Rot-Gelbe Trikot des Spitzenreiters von seinem Landsmann Stefan Schumacher übernommen und es bis zum Schluss verteidigt. Klöden fühlt sich angeblich wie befreit, auch weil er diesmal in der Vorbereitung auf die neue Saison weder durch eine Krankheit noch durch eine Verletzung gebremst wurde. So rollt es für den Tour-Zweiten von 2004 vorläufig also prima - für einen kasachischen Verdienstorden wird das aber bestimmt noch nicht reichen.