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Andrea Petkovics langer Weg zurück Bundeswehr-Drill und ranzige Molkedrinks

28.08.2008 ·  Achtzehn Wochen Reha können sich ganz schön ziehen. Noch härter ist nur die anschließende Aufbauphase - zumindest, wenn man einen Konditionstrainer wie Mike Diehl engagiert. Da sind sechs Mahlzeiten am Tag eins der kleineren Probleme.

Von Andrea Petkovic
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Im Januar, bei den Australian Open, riss mir das Kreuzband. Jetzt, sieben Monate später, spiele ich wieder Tennis. Jawohl, ich spiele wieder, und das zu Recht. Die Leidenszeit - man nennt sie auch Reha - ist beendet. Nach einer 18-wöchigen Aufbauphase in Heigenbrücken bekam ich Ende Juli von meinem Operateur Dr. Alwin Jäger und dem Physiotherapeuten Werner Krass das O. K., wieder zum Tennisschläger zu greifen.

Vorbei die Zeit der grenzenlosen Ungeduld meinerseits - und so machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Konditionstrainer, denn das Hauptmerkmal des Trainings lag anfangs auf meinem allgemeinen körperlichen Zustand, der eindeutig zu wünschen übrigließ. Trotz wochenlanger Reha-Arbeit. In Leverkusen wurde ich schließlich fündig - und zwar bei einem Bundeswehrausbilder namens Mike Diehl. Ein Mann, so breit wie groß, seines Zeichens Konditionstrainer von Fortuna Düsseldorf („Fußballer sind Jammerlappen“) und der Eishockeymannschaft DEG Metro Stars („Das sind richtige Männer“).

Sechs Mahlzeiten am Tag - und keine weniger

Diehls Trainingsmethode beschreibe ich gerne in Form einer kleinen Anekdote. Der russische Eishockeytorwart der DEG Metro Stars, der mehr einem Bär gleicht als einem Menschen, rastete einmal aufgrund des harten Trainings vollkommen aus, stellte sich Nasenspitze an Nasenspitze zu Mike Diehl und brüllte ihn an: „Ich bin ein verdammter Gold- und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen, und du bist bloß ein Offizier in der verdammten Bundeswehr. Zeig mir gefälligst Respekt!“

Auch ich hatte verschiedenste Dispute mit ihm. So versuchte ich krampfhaft den tadelnden Blick zu ignorieren, wenn ich nach gefühlten fünf Wochen Nudelnessen ausnahmsweise Salat bestellte. Ich versuchte wirklich sechs Mahlzeiten am Tag zu mir zu nehmen, aber selbst nach sieben Stunden Training am Tag wird einem bei der sechsten Mahlzeit schlecht. Außerdem schmeckten die Molkedrinks, die ich wegen des hohen Eiweißgehalts vor dem Zubettgehen zu mir nehmen sollte, wie ranzige Butter mit Apfel-Aroma.

Übungen für arme Sklaven wie mich

Ich begann die ersten zwei Wochen meines Trainings mit zwei Ausdauereinheiten und einer Tenniseinheit von etwa einer Stunde am Tag. Da eine Stunde nicht sonderlich viel ist, fielen die Konditionseinheiten umso länger aus. Mike Diehl hatte immer wieder neue Überraschungen auf Lager, denn es gibt auch in der Zunft der Konditionstrainer und Bundeswehrausbilder den Typen Workaholic, der nachts aufwacht mit einer neuen Übung im Kopf für seine armen Sklaven. Menschen wie mich.

Morgens standen koordinative Aufgaben und Schnelligkeit auf dem Programm, nachmittags Krafttraining. An manchen Tagen stand die sogenannte variable Dauermethode an. Variable Dauermethode? Das bedeutet: Waldlauf, nur fünfmal schlimmer, weil fünfmal anstrengender. Es wird ständig versucht, den Puls hochzujagen, um ihn dann möglichst schnell wieder runterzukriegen.

Ich lernte Schmerzen kennen

Bereits nach einer Woche hatte ich blutige Hände vom Tennisspielen, Muskelkater vom Konditionstraining und eine ausgeprägte Nudel-Phobie. Ich konnte mir nicht genau vorstellen, wie ich dieses Programm acht Wochen durchhalten sollte, aber ich lebe noch. Und ich habe viel gelernt. Zum Beispiel seltsamste Verrenkungen als Aufwärmübung - „die Gottesanbeterin“. Ich habe außerdem gelernt, dass ich mehr aushalte als die Fußballer der Fortuna aus Düsseldorf, aber nicht so viel wie die Eishockeymannschaft der DEG Metro Stars.

Ich lernte sämtliche Waldgebiete Leverkusens kennen, ebenso wie alle Tennisplätze und Krafträume der Stadt. Und ich lernte Schmerzen kennen. So begann die zweite Trainingswoche mit Rückenschmerzen. Kaum hatte ich die Schmerzen überwunden, entzündeten sich alle vorhandenen Sehnen meiner rechten Schulter - eine Verletzung aus der Vergangenheit, die ich eigentlich längst auskuriert glaubte.

Nichts wird mich vom Turnier in Maribor abhalten können

Und jetzt, da ich auch die Schulterschmerzen niedergerungen habe, sitze ich zu Hause vor meinem Computer und gucke schief. Schief deshalb, weil ich mir vor drei Tagen den Hals verrenkt habe und mich gar nicht mehr bewegen kann. All diese kleinen Symptome zeigt mein Körper, um zu sagen: „Kind, mach langsam.“ Aber sie werden mich nicht davon abhalten können, vom 1. September an ein 500.000-Dollar-Turnier in Maribor in Slowenien zu spielen. Denn es geht wieder los: „Petko is back, und zwar stärker als je zuvor.“ Denn wann werde ich je wieder acht Wochen Zeit haben, um mich körperlich, technisch und mental auf die Tour vorzubereiten wie jetzt? Vermutlich nie wieder.

Zum guten Schluss komme ich der Frage zuvor, die mir mit Sicherheit bei der nächsten Pressekonferenz gestellt wird: Andrea Petkovic, was haben Sie in Ihrer Verletzungspause dazugelernt? Nun, es ist ein professionelles Team im Aufbau, das auch noch in vielen Jahren an meiner Seite stehen soll. Vom Konditionstrainer über den Tennistrainer bis hin zum Physiotherapeuten und zum Mentaltrainer.

Ich bin meinem Zwei-Jahres-Ultimatum zuvorgekommen und habe ein Fernstudium an der Fern-Uni Hagen im Fach Politik begonnen. Und da all diese Kleinmädchenträume irgendwie finanziert werden müssen, bin ich gerade auf der Suche nach einem Sponsor, der mich in all dem unterstützt. Nach Kreuzbandriss, Rücken- und Schulterschmerzen, einem verrenkten Hals und vor allem Mike Diehl dürfte das eigentlich das geringste Problem darstellen.

Andrea Petkovic, 20 Jahre alte Tennisspielerin aus Darmstadt, ist seit ihrem Abitur im Frühjahr 2006 auf der Profitour unterwegs und derzeit auf Platz 238 der Weltrangliste. In FAZ.NET berichtet sie regelmäßig über ihr Leben als professionelle Sportlerin.

Quelle: F.A.Z.
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